Johann und Maria Aigelsreither sind heute, am ersten Adventsonntag, unsere Gastgeber am Protest Podest. Johann und Maria leben gemeinsam mit vier Generationen auf dem inzwischen an ihren Sohn übergebenen Hof.

Wer auf der B20 durch Wilhelmsburg unterwegs ist, kennt auch die etwa 40 Tiere große Rinderherde vom Bio-Milchbetrieb der Familie Aigelsreither.

Mit dem heutigen Verkehrsaufkommen klappt das noch wunderbar mit der Weidetierhaltung. Unsere Tiere haben 8 ha Auslauf vom Hof weg bis hinunter zur Mariazeller Straße. Oft und gerne halten sie sich in der Nähe der Straße auf und beobachten die vorbeifahrenden Autos. Viele Leute sprechen uns auf die Tiere an und freuen sich, denn auf ihrem Weg ist unser Betrieb ein lebendiger Farbklecks im sonstigen Alltagsgrau entlang der Straße.

So mancher Reisender wundert sich, dass der zart dimensionierte Weidezaun ausreicht, um die Tiere sicher vom Ausbüchsen abzuhalten. Hier gilt: Der beste Zaun ist eine gute Weide. Und bei uns heißt das: Kurzrasenweide. Dabei sind Fläche und Anzahl der Rinder sorgfältig so aufeinander abgestimmt, dass die immer frisch nachgewachsenes Gras weiden, das alle wichtigen Nährstoffe beinhaltet und damit eine optimale Gesundheit der Tiere und die beste Milchqualität sicherstellt.

Die S34 bedroht dieses verträgliche Nebeneinander von Mobilität und Landwirtschaft: Dadurch würde sich das Verkehrsgeschehen mit einem Schlag massiv erhöhen. Es ist davon auszugehen, dass rund um die Einmündung der S34 in die B20 sofort mit neuen Anschlussprojekten weitergewütet würde. Spätestens dann werden auch wir mit unseren Grundstücken stark betroffen sein.

Die Straßenbauer tun ja so, als wäre es möglich, den Boden nach Belieben zu vermehren. Nachdem er sich nicht einmal im Geringsten vermehren lässt, müsste die Politik endlich erkennen, dass wir die noch nicht in Anspruch genommenen Flächen für die kommenden Generationen bewahren müssen.

Solange der bis heute moderate Alltagsverkehr auf einen einzelnen Straßenzug beschränkt bleibt, bleibt auch die Trennwirkung für uns Menschen und für die wild lebenden Tiere vornehmlich auf die B20 beschränkt. Die S34 würde die Landschaft unnötig zerstückeln. Damit würden auch die Lebensräume für verschiedenste Tierarten, z.B. für Rehe, massiv beeinträchtigt.

Erster Advent am Protest Podest: Zeit der Besinnung – auch für die Politik.

Gernot Kulhanek und Paul Purgina sorgten als heutige Gastgeber am Protest Podest für gute Stimmung … und fürs leibliche Wohl.

Mit Glühwein und Kinderpunsch, Protest-Wraps und Kürbissuppe setzten unsere Gastgeber ein Zeichen für regionale Lebensmittelversorgung und regionale Landwirtschaft. Um zu verstehen, worum es uns geht, muss man fühlen, schmecken, sehen.

Entfremdung ist, wenn man hier die Ackerflächen zerstört, um dann Lebensmittel, die hier wegen der Flächeninanspruchnahme durch die Straßenbauer nicht mehr produziert werden können, über die neue Schnellstraße von irgendwo anders in ein „Frischelager“ herankarrt, das weitere Äcker samt Hochwasser-Retentionsfläche unter Beton begräbt, um die herangekarrten Lebensmittel an jene zu verteilen, die zuvor von einer fehlgeleiteten Politik um ihre regionale Nahversorgung bzw. um ihre Existenz gebracht wurden.

Wir wollen mit unserer heutigen Aktion jene zivilgesellschaftliche Bewegung stärken, die sich hier am Protest Podest für die Lebensgrundlagen der St. Pöltner Bevölkerung und für eine verantwortungsvolle, zukunftsgewandte Politik engagiert.

Unser heutiger Gastgeber Philipp Lininger hat heute gleich zwei Geschenke für uns mitgebracht: Ein vorweihnachtliches Gedicht und ein speziell für uns gestaltetes Protestbild.

Weihnachtszeit!

Wenn kalte Luft durch Straßen weht
Das Tageslicht es schwindet schnell
Geborgenheit all Gram entsteht
Laternen leuchten gülden hell

Weiße Flocken sanft fallen nieder
Wie angezuckert rühmt ein Weiß
Es frohlockt das Ohr gar trunken Lieder
Trinkt Kakao und Glühwein heiß

Man lässt das Jahr revue passieren
Beäugt so manchen Fehler neu
Obgleich kein Grund ist zu blamieren
Da ein Irrtum der Erkenntnis treu

Welch Glanz macht ach die Augen leuchten
Ein Farbenspiel die Sinne wöhnt
Bedient sich altgewohnten Bräuchen
Durch frohen Sang manch Groll verhöhnt

In selten Vorfreud sind gehüllt
Sämtlich Kinder lachend heiter
Hoffen innigst sich der Wunsch erfüllt
Nach vielen Päckchen größer breiter

Jedoch den größten Wunsch ich in mir hege
Kein einzig Taler könnt erwerben
Vielmehr als guter Wirtschaftspflege
Möcht das Echte stets mit Glück beerben

An Gesundheit mögen immer laben
Jene meinem Herzen Wonne
Von den zuhauf ach jubilierend Gaben
Mit Frieden nur den Erdball sonne


Die bildliche Verkörperung als Assoziation dessen, wie wichtig es ist, den Fehler zu umarmen, um Erkenntnis zu gewinnen. Womit ich hoffe, dass bei gewissen Menschen die Erkenntnis reift, was für ein ungeheurer Fehler der Bau der S34 wäre. Philipp Lininger

Bernhard Treitl stand schon mal als Tüftler und Lehrmeister am Protest Podest, auch heute war er wieder unser Gastgeber.

Mitgebracht hat er leckere selbstgebackene Weihnachtskekse und seinen gut sortierten Werkzeugkoffer. Heute hat sich Bernhard um die Erleuchtung des Protest-Podest-Weihnachtsbaums gekümmert.

Als der Baum in voller Lichterpracht dastand, war ich alleine und hatte Zeit und Muße, Dinge wahrzunehmen, für die ich im Berufsalltag kein Auge oder Ohr hatte. Blendet man mal den dumpfen Dauerpegel der nahen A1 aus, dann liegt eine Stille über St. Pölten und der klare Sternenhimmel bringt innere Zufriedenheit.

Da wo ich jetzt sitze und den zuvor erhellten Baum erblicke, rattert auch noch die Mariazellerbahn an Protest Podest vorbei. Das ist ja dann schon fast wie als Kind nach der Bescherung unterm Weihnachtsbaum, mit der neuen Modelleisenbahn neben der selbst gebastelten Krippe.

Zum heurigen Weihnachten wünsche ich uns allen die Klarheit und die Überzeugung, das wir solche Plätze erhalten und weitergeben. Sie sind eine Leihgabe kommender Generationen.

Heute bin ich an der Reihe, mein Platz auf dem Protest Podest. Mein Name ist Stephan, ich bin 42 und Schulwart bei mir im Ort. Ihr könnt Euch ja vorstellen welch Towuwabohu jeden Tag.

Umso mehr freue ich mich heute über meinen Besuch hier in Nadelbach. Endlich Ruhe, frische Luft, lediglich ein Klopfen vom Wind der gegen die Plane des liebevoll eingerichteten Anhängers am Podest.

Ansonsten… Einsamkeit… herrlich, ich liebe das. Ist doch der Alltag rasant und stressig genug in einer Zeit wo man es kaum schafft, mit allem hinterherzukommen. Auf dem Tisch steht ein Glas selbstgebackener Kekse. Die sind von Elisabeth. Die schauen so verlockend aus, ich glaub da greif ich gleich mal zu und danach erzähl ich Euch noch was … boooah, sind die Kekse lecker!

Also: Seit ich denken kann, bin ich fest verwachsen mit der Natur. Ich bin Bergsteiger, Gleitschirmpilot, Fischer aber vor allem hat es mir die Suche mit dem Metalldetektor angetan. Ich konnte schon viele schöne Dinge finden und war unter anderem auch in St.Pölten bei Ausgrabungen mit meinem Gerät dabei.

Die Sachen, die ich finde, melde ich dem Bundesdenkmalamt, wenn diese von historischer Bedeutung sind. Auch hier in Nadelbach, direkt gegenüber vom Podest, hab ich letztes Wochenende schöne Funde machen dürfen. Ein Silberdenar und eine Gewandnadel waren dabei sowie viele Saatgut/Bleiplomben welche auf rege Bewirtschaftung vergangener Zeiten hindeuten. Schauen wir mal, was der Boden noch so preisgeben wird, sobald das Wetter besser wird.

Obwohl ich gar nicht direkt von dem Straßenbau betroffen bin, fühle ich mit jedem, der sich in der Lage befindet. Das geht’s um viel und und ich denke, da muss auch gar nicht viel um den heißen Brei herumgeredet werden, um zu erkennen, dass der Bau der S34 einfach nicht zeitgemäß ist. So wenig spricht dafür, aber so vieles dagegen.

Ich bin eher einfach gestrickt und kenne mich in der Politik nicht wirklich gut aus. Das will ich auch nicht, denn es wird mir meist zuviel geredet aber zu wenig getan. Aber ich weiß, dass jedes Stück Natur, jeder Acker, jede Wiese, jeder Wald, jeder Obstgarten und die Grünflächen geschützt werden müssen.

Warum? Ich denke, das können 90% der Volksschüler beantworten. Die Realität ist nunmal „einmal gebaut ist für immer gebaut“. Wir brauchen keine „Projekte“ ohne Reset. Vielmehr brauchen wir ein Denken in die Zukunft!

Ich habe letztens mal meinem Sohn von dem Plan des Baus erzählt und wo die Straße dann so grob entlang laufen soll. Aber Papa, da sind doch immer die vielen Rehe, was passiert dann mit denen?
Ja was sagt man dann zu einem 8-jährigen? Die müssen sich dann leider ein neues Zuhause suchen. Traurig, oder?

Ich nehm mir bei dem Gedanken lieber noch einen von den ausgezeichneten Keksen und Wärme meine doch schon ziemlich kalten Hände an einer warmen Tasse Tee. Es ist schon dunkel da draussen und ich genieße noch die Ruhe. Ich wünsche Euch allen noch einen schönen und ebenso ruhigen Abend.

Durchhalten, zusammen kann man vieles erreichen! …alles Liebe

Stephan.

Unser heutiger Gastgeber ist Franz Bruckner. Er kommt aus Kreisberg. Dieser kleine Ort liegt genau zwischen dem Pielach- und dem Traisental auf der Höhe von St. Georgen.

Bei uns gibt es nur den Anrainerverkehr der 5 Vierkanthöfe und den Besuch des Briefträgers. Zufällig schaut man bei uns eher nicht vorbei. Deshalb ist das einer der ruhigsten Orte der Landeshauptstadt.

Man weiß ja, dass man Ruhe nicht erzeugen, sondern nur (zer)stören kann. Es ist mir bis heute schleierhaft, wie Behörden, Sachverständige und Gerichte unsere Hinweise ignorieren konnten, dass die Lärmmessungen zur Bestimmung des Bestandslärms in unserer Gegend genau zu dem Zeitpunkt erfolgten, als die Projektwerber selbst Lärm produzierten mit ihrer Entnahme von Bodenproben. Ein Schelm, wer Böses denkt?

Wer die weitestgehende Abwesenheit von Umgebungslärm in unserer Gegend einmal ganz bewusst wahrgenommen hat, der weiß jedenfalls, dass es hier sogar angemessen wäre, die besondere Stille unseres Ortes mit allen Mitteln zu bewahren. Hier hat weder eine S34 etwas verloren, noch ein sonstiger Eingriff in unsere Landschaft. Das ist ein lebendiges kulturhistorisches Erbe in unserer Landeshauptstadt, um das wir uns hier kümmern.

Auch den Brunnen im Hof habe ich selbst gegraben. Das war ein ganz besonderer Glücksmoment, dieses Projekt erfolgreich abzuschließen, im Grunde genommen mit denselben Mitteln, wie auch die Altvorderen Brunnen gebaut haben.

Solange der Grundwasserkörper vor Eingriffen bewahrt bleibt, bin ich zuversichtlich, dass wir uns und unsere Tiere dauerhaft mit frischem, sauberen Wasser aus diesem Brunnen versorgen werden können.

Anfang der 1980er Jahre hat Franz den Hof mit seiner Frau Angela von seinen Eltern übernommen, den er dann 1986 auf einen Ferkelbetrieb umgestellt hat. Ein weiteres Standbein des Hofes ist die Brennholz-Produktion für Kunden v.a. aus Wilhelmsburg, Ober Grafendorf und St. Georgen.

Die Bruckners sind weitestgehend Selbstversorger: mit dem auch von seinen Abnehmern geschätzten Fleisch bester Qualität, viel tradiertem Wissen, Handwerk, Selchen und Speck, und Versorgung aus dem Gemüsegarten.

Mit besonders großer Freude erzählt Franz, dass heuer im Frühling die nächste Generation übernommen hat: Sohn Andreas hat jetzt mit seiner Frau Steffi und den zwei kleinen Kindern den Betrieb über. Nach Abschluss des Josephinums in Wieselburg hat es Andreas zunächst in die Privatwirtschaft gezogen, um jetzt, mit zwölf Jahren Berufserfahrung nun im Vollerwerb zu Hause in Kreisberg an seine Wurzeln anzuknüpfen und unser Lebenwerk fortzusetzen.

Auch in der Pension helfe ich natürlich am Hof weiter, auch mit den vier Enkelkindern verbringe ich möglichst viel Zeit. Die Enkerl laufen auch mit Franz in den Stall, um so naturverbunden wie möglich aufzuwachsen.

Wir haben immer schon bewusst gelebt, heute sagt man nachhaltig. Und ich nehme auch sehr viel Positives aus meinem Widerstand und dieser Bewegung, die uns alle noch mehr verbindet. Wir sind mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen, so wie heute, und da möchte ich keines davon missen.

Ob Videodokumentationen oder trickreiche Visualisierungen für die gute Sache: Auf Josef Fuchs alias Fox von Fox & Fox ist Verlass, wenn zivilgesellschaftliches Engagement vom Profi gefragt ist.

Heute war es wieder mal so weit: Im Rahmen des Protest Podests – diesmal ausnahmsweise verlegt in die legendären Studios der Cinecittà am Nadelbach – ging es um die knifflige Herausforderung, die Tricksereien der Straßenbauer einfach verständlich in Szene zu setzen.

Bereits im jungen Erwachsenenalter sind Josef immer mehr Widersprüchlichkeiten aufgefallen zwischen dem, was für eine lebenswerte Zukunft eigentlich zu tun wäre und dem, was im damaligen Job von ihm erwartet wurde.

Nicht zuletzt in Sachen Klimaschutz ist damals für Josef die folgende Überlegung gereift:

Je früher man etwas unternimmt, desto einfacher ist es, Probleme in den Griff zu bekommen.

Wenn wir Schritt für Schritt die Dinge sinnvoll weiterentwickeln, dann wird das auch was mit einem guten Leben.

2020 machten sich Josef und seine Schwester Michaela gemeinsam selbständig, um sich fortan für das einzusetzen, wovon sie wirklich überzeugt sind. Schritt für Schritt führen sie seitdem Menschen wieder an das heran, was früher einmal ganz selbstverständlich war: Sie fördern regionale Kreisläufe und ein gedeihliches Miteinander in der Region, für die Region.

Schritt für Schritt am richtigen Weg: Mehr regionales Handeln, weniger Verkehr.
Wenn ein Großteil der Familie Sagl einmal für ein paar Stunden nicht am eigenen Hof in Spratzern zugegen ist, dann muss das schon einen besonderen Grund haben. Heute war so ein Tag: Birgit und Leopold Sagl gestalteten den heutigen Tag am Protest Podest. Sie freuten sich riesig darüber, dass auch Tochter Sophie und ihr Freund Christoph vorbeischauten.

St. Pölten ist die Stadt der Dörfer. Wer in Spratzern frische Rohmilch, Eier und Erdäpfel ab Hof schätzt, der wird bei Familie Sagl fündig. Für die Kinder sind auch die vier Katzen am Hof eine Attraktion.

Für die Familie Sagl dreht sich vieles in ihrem Leben um das leidige Thema Straßenbau und andere Flächeninanspruchnahmen ringsum ihren Hof:

Ja, auch wir sind betroffene Grundstücksbesitzer. Wer uns damit konfrontiert, dass die Straßenbauer die Flächen ohnedies ablösen oder für trockengefallene Brunnen einen Schadenersatz leisten müssen, der hat das Problem nicht richtig verstanden.

Was haben unsere Kinder davon, wenn es zum Hof keine bewirtschaftbaren Flächen mehr gibt? Was hat die St. Pöltner Stadtbevölkerung davon, wenn es in Zukunft keine regionalen, gesunden Nahrungsmittel mehr gibt?

Was passiert, wenn es aufgrund der laufenden mehr oder weniger fahrlässigen Eingriffe in das Grundwassersystem unserer Stadt irgendwann kein sauberes Trinkwasser mehr gibt?

Spätestens nach dem Debakel mit dem dauerhaften Trockenfallen zahlreicher Brunnen aufgrund der Errichtung der Güterzugumfahrung sollte doch jedem in unserer Stadt klar sein, dass diese Gefahr ganz konkret besteht und dass wir so nicht mehr weitermachen dürfen.

Leopold bringt es mit eindrücklichen Worten auf den Punkt:

Mit Geld können wir unsere Tiere nicht füttern und Geld kann man auch nicht trinken.

Umständehalber waren Leopold und Birgit seit ihrer Hochzeit vor 23 Jahren am Hof praktisch auf sich alleine gestellt. Für Außenstehende ist das nur schwer vorstellbar, was es bedeutet, über Jahrzehnte hinweg den Betrieb aufrecht zu erhalten und jeden einzelnen Tag alle Tiere zuverlässig zu versorgen. So war es ein ganz spezielles Erlebnis, als wir uns letztens zum ersten Mal seit unserer Hochzeit einen dreitägigen Ausflug gegönnt haben und wir uns erstmals ganz auf unsere Kinder verlassen durften.

Mit dem Erwachsenwerden unserer Kinder wird es auch Zeit, gemeinsam mit ihnen über die Zukunft des Betriebes zu reden. Es ist sehr spannend zu sehen, wie vielfältig da die Visionen sind.

Während wir plaudern, klingelt Leopolds Mobiltelefon. Tochter Eva ist am Apparat: Das Kälbchen ist da, alles ist gut gegangen, nur ein bisschen erschöpft ist es noch.

Es ist heute das zweite Kalb, das am Hof das Licht der Welt erblickt hat. Leopold macht sich auf den Weg, um gemeinsam mit den zu Hause gebliebenen Kindern Eva und Florian im Stall Kuh und Kalb zu versorgen.

Mit der Mensch-Tier-Beziehung hat es bei der Familie Sagl etwas besonderes auf sich: Birgit erzählt, dass am Hof Transparenz und Tierwohl gelebt wird: Die Kunden durften sich stets überall umsehen, auch im Stall. Es riss mit der Zeit ein lebendiges Treiben im Stall ein, auch Kinder der Kunden begannen, im Stall herumzutollen. Die Herde im Stall begann allmählich, sich anders als gewohnt zu verhalten.

Sophie hat das weiterentwickelt, was viele Menschen auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden verlieren: Die Fähigkeit, mit anderen Lebewesen auch ohne gemeinsame Sprache zu kommunizieren.

Sophie war es auch, die ihre Eltern darauf aufmerksam machte, dass ihr die Rinder im Stall klar gemacht haben, dass sie sich in ihrer Ruhe gestört fühlen, wenn jederzeit Fremde in den Stall kommen können.

Seitdem ist der Stall für Fremde tabu, und seitdem fühlen sich auch die Tiere im Stall wieder sichtlich wohl und entspannt.

Nach Sonnenuntergang hatte Birgit dann noch eine köstliche Überraschung für uns parat: Rings um die Feuerschale hatte sie Brotteig auf Spießen gebacken, zum warmen Tee mit Frischmilch oder Rum gab es den speziell zubereiteten Leckerbissen an diesem herzerwärmenden Sonntagabend.

Karl und Erika sowie Theresa und Andreas und ihre beiden Kinder Lukas und Barbara. Gemeinsam sind sie die Familie Steger aus Hafing – drei Generationen am Milchhof. Heute waren sie unsere Gastgeber am Protest Podest.

Andreas und Theresa kennen die Diskussion rund um die drohende Schnellstraße von Kindesbeinen an. In Karls Kopf geistert dieser von Beginn an kontroverse Straßenbau schon seit mittlerweile 50 Jahren herum.

Dutzende Familien sind von der S34 betroffen, die Familie Steger in besonderem Ausmaß: Direkt auf der geplanten Trasse liegen insgesamt 7 der von ihnen derzeit bewirtschafteten Flächen, drei davon im Eigentum. Dazu kommen noch etliche weitere, nicht enteignungsfähige aber dennoch betroffene Nebenflächen der S34, auf die es die Asfinag teils ebenfalls abgesehen hat.

Selbst die von den Straßenbauern übrig gelassenen Restflächen wären dann teils so stark verstümmelt, dass an eine Bewirtschaftung praktisch nicht mehr zu denken wäre. Bei anderen Flächen wiederum ergäben sich deutliche Umwege aufgrund der Trennwirkung der Schnellstraße.

Wir züchten die Tiere selbst, auch das Futter stammt komplett vom eigenen Betrieb. Gesunde, fruchtbare, hofnahe Flächen sind dafür von entscheidender Bedeutung, und genau das steht für uns seit all den Jahren, wo die Pläne der S34 konkret wurden, auf dem Spiel.

Es ist schon schlimm genug, dass man uns Erwachsene mit dieser nie gebauten Straße quasi ein ganzes Leben lang gequält hat. Es ist endlich Zeit, dass man diesen Wahnsinn endgültig beendet. Unsere Kinder sollen behütet und mit dem Vertrauen aufwachsen können, dass wir uns bestmöglich um sie und um ihre Zukunft sorgen.

Als die Schnellstraße, die 50 Jahre lang diskutiert, geplant, aber nie realisiert wurde, 2021 wegen fehlender Zukunftstauglichkeit endlich abgesagt wurde, ist uns allen hier ein Stein vom Herzen gefallen.

Mit dem sintfluthaften Hochwasserereignis haben wir erst voriges Jahr wieder von der Natur vor Augen geführt bekommen, wie konkret die Auswirkungen und Gefahren des menschengemachten Klimawandels inzwischen sind und wie richtig und wichtig die Entscheidung der vormaligen Verkehrsministerin war.

Den Straßenbau jetzt wieder auf die politische Agenda zu bringen, wäre bei all dem, was auch dem nunmehrigen Minister inzwischen an negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt bekannt sein muss, unmenschlich und verantwortungslos.

Die Kinder haben es heute schon schwer genug, in ihrem weiteren Leben mit den unumkehrbaren Auswirkungen von Klimawandel und Umweltzerstörung klar zu kommen.

Unsere noch vorhandenen Ressourcen sind zu schützen, das Leben unserer Kinder dürfen wir nicht noch weiter verbauen.

Nach dem Protest Podest ist für die Stegers noch lange nicht Feierabend: Alle helfen zusammen, damit die Tiere im Stall bestens versorgt werden, auch mit Streicheleinheiten.

Keine zwei Monate ist es her, wo Stefan Stockinger aus allen Wolken gefallen ist: Genau im idyllischen St. Pöltner Ortsteil Witzendorf, keine 200m von seinem neuen Blockhaus entfernt, soll querfeldein die Westtangente errichtet werden. Heute ist Stefan unser Mitstreiter, heute war er unser Gastgeber am Protest Podest.

Was, du willst nach St. Pölten ziehen?? Bist du dir sicher?!

Was wisst ihr schon über St. Pölten … hab ich meinen Freunden dann geantwortet.

Meine Frau und ich haben St. Pölten als charmante Stadt kennengelernt. Mit schönen Seen, einer netten Innenstadt und viel Land im Stadtgebiet. Das gefiel uns und deshalb haben wir mit der Suche nach einem Baugrund begonnen.

Im Norden und Osten war uns die Schnellstraße meist zu präsent. Im Süden vielleicht? Nein, in Autobahnnähe wollten wir das viele Geld nicht investieren. Zu laut, zu unsicher, zu viel Wertverlust … .
Blieb nur der Westen und hier gefällt es uns eigentlich gut. Noch, denn mit der S34 würde sich das wohl ändern. Und so höre ich heute wieder die Stimmen meiner Freunde im Kopf:
Was, du willst nach St. Pölten ziehen?? Bist du sicher?!

Im Studium haben meine Wirtschaftsprofessoren vorausgesagt, dass Straßen in Zukunft nur mehr abgerissen werden. Jedes moderne Mobilitätskonzept begrenzt den Verkehr, anstatt ihn auszubauen.
Wer jetzt noch neue Straßen baut, ist ein Dinosaurier. Das hat ein Professor mal gesagt – vor über 15 Jahren.

Heute graben unsere Dinosaurier uralte Projekte wie die S34 wieder aus. Sie klammern sich an eine ökonomische Idee aus dem letzten Jahrtausend, wonach man in einer Wirtschaftskrise einfach Infrastrukturprojekte baut – um die Wirtschaft am Laufen zu halten. So werden Milliarden versenkt, Naturräume zerstört und Existenzen vernichtet.

St. Pölten hat das Potenzial, eine moderne, lebenswerte Stadt zu sein. Eine Stadt, die Natur schützt, Höfe erhält und auf eine Mobilität setzt. Eine, die Menschen verbindet, statt sie zu trennen.

Die S34 bedroht genau das. Und ich bin nicht bereit, es einfach hinzunehmen. Deshalb stehe ich als Betroffener an der Seite jener Menschen, deren berufliche Grundlage und Lebensraum hier zerstört werden soll.

Weil St. Pölten ihre letzten Landwirte einfach braucht. Und weil diese Stadt etwas Besseres verdient – als noch eine Autobahn.

Die letzten Dinosaurier haben die Rechnung ohne uns gemacht.

Wenn eine Sternschnuppe übers Firmament zischt, hat man genau einen Wunsch frei.

Geht es nach den Aktiven am Protest Podest, will das mit einem solchen Wunschprogramm nicht so richtig klappen, denn hier scheitert jede für die Erfüllbarkeit notwendige Geheimhaltung. Als deutlich lesbare Hausordnung steht der Wunsch geschrieben – in jede Himmelsrichtung: Stopp S34.

Glücklicherweise ist es heute am Protest Podest noch viel, viel besser gekommen.

Der Himmel hat uns eine Gottheit geschickt: Helios ist heute mit seinem Sonnenwagen zu uns herabgefahren, und mit ihm die bezaubernde Gaffa.

Was tut Ihr da, ihr Menschenkinder? fragt Helios.

Heute noch sollen wir uns eine gute Frage einfallen lassen, um den Umweltschutz und um die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen soll es gehen.

Kluge Fragen also für Eure Schüler, um sie zu erleuchten?

Nein! Es ist eine Frage an unseren Bürgermeister, unseren Stadtoberen!

Ihr habt also einen gewählten Stadtoberen in Eurer Polis?

Ja!

Wo ist Eure Agora?
Wo trefft Ihr Eure Entscheidungen?
Was macht das Wesen Eurer Demokratie lebendig?

Wir treffen uns vor dem nächsten Vollmond im Rathaus unserer Polis.
Dazu dürfen wir Fragen formulieren, auf die unser Stadtoberer eingehen wird.

Dort finden wir uns auch mit anderen Bürgerinnen und Bürgern zusammen, um in beratender Funktion unserem Stadtoberen dabei zu helfen, kluge Entscheidungen zu treffen.

Wählt Eure Frage weise, denn ich sehe, Eure Wirksamkeit in dieser Versammlung erschöpft sich alleine in der Anregung guter Gedanken bei Eurem mächtigen Stadtoberen. Möge dieser aus Euren Fragen die richtigen Schlüsse ziehen, um Eure Polis vor dem Untergang zu bewahren.

Lasst Euch führen von Gaffa, sie ist meine treue Begleiterin, die auch mich immer auf dem richtigen Wege hält, am weiten Himmelszelt.

Minuten eines inspirierten Austausches folgten, ehe Helios und Gaffa wieder den am Felde glitzernden Sonnenwagen erklommen.

Wir kommen wieder, verabschiedete sich Helios, um drei Augenblicke später im milden Schein der untergehenden Sonne zu entschwinden.

Nach der wunderbaren Begegnung mit Helios und Gaffa war für uns alles klar.

Wir haben uns an die aufgetragene Aufgabe gemacht und folgende Frage zur Weitergabe an den Bürgermeister übermittelt:

Weihnachten war immer die Zeit für gute und weitreichende Entscheidungen, von Zwentendorf über Hainburg bis nach St. Pölten.

Herr Bürgermeister, wann sagen wir hier in St. Pölten die S34 ab?

Und was sagt Gaffa zu unserer Frage? Natürlich sagt sie: Wow!
Mit gemischten Gefühlen blicken unsere heutigen Gastgeber in die Zukunft. Helmut und Ilse Schwarz haben 1991 den Kleingartenverein Stilles Tal mitgegründet.

Ermutigend ist der heutige Tag für Helmut und Ilse vor allem deswegen, weil wir einander gefunden haben, um gemeinsame Interessen zu bündeln.

Betrübt sind sie deswegen, weil der Grund unseres Treffens am Protest Podest einen dunklen Schatten über die Zukunft der gesamten Kleingartensiedlung wirft, dem Helmut als Obmann und Ilse als stv. Kassierin auch heute noch vorstehen.

Vor etwa 35 Jahren wurden hunderte St. Pöltner Schrebergärten geschleift, um der hohen Politik Platz zu machen: Die vormalige grüne Oase an der Traisen wich der Architektur des Regierungsviertels samt nicht seetauglichem Schiff des Niederösterreichischen Landtages.

Nach der damaligen Vertreibung aus dem Paradies wurde den vormaligen Pächtern ein neues Refugium angeboten, diesmal mitten auf einem freien Acker östlich von Witzendorf: Die heutigen Kleingärten im Stillen Tal, Kornfeldgasse 45.

Auch heute noch sind von den mehr als 300 Menschen, die in unserer Kleingartensiedlung leben, gut 200 persönlich Betroffene der damaligen Zwangsabsiedelung aus dem heutigen Regierungsviertel.

Für etwa die Hälfte von uns – uns eingeschlossen – ist das Stille Tal der Hauptwohnsitz, unser tatsächlicher ganzjähriger Lebensmittelpunkt. Es ist unser Zuhause, das wir über Jahrzehnte hinweg liebevoll gestaltet und eingerichtet haben.

Vor 35 Jahren hat uns die Politik mit der Stille hierher an den westlichen Stadtrand gelockt, um das zentrumsnahe urbane Leben am Fluss mit einer ganz anderen, neuen Lebensplanung in unserer einzigartigen Stadt der Dörfer zu tauschen. Wir waren glücklich und zufrieden.

Der Grund, auf dem wir leben, gehört freilich der Stadt St. Pölten. Wenn die Politik abermals, wie damals an der Traisen, Öffentliches Interesse geltend macht, dann werden wir kleinen Leute mit Sicherheit erneut das Nachsehen haben.

Diesmal droht uns aber nicht die Absiedlung. Diesmal droht direkt neben uns die Errichtung der nördlichen Verlängerung der S34 – der sogenannten „Westtangente“: Keine 100 m vor unserer Haustüre, genau zwischen uns und unseren Nachbarn aus Witzendorf.

Wer uns hier einreden möchte, es würde sich ohnedies nur um eine niederrangige Straße handeln, der sei daran erinnert, wie rasch aus der vermeintlich wenig frequentierten S33 eine vierspurig ausgebaute Schnellstraße wurde, unter deren Verkehrslärm und Dreck die dortigen Anrainer im Osten unserer Stadt heute leiden.

Nicht in den schlimmsten Befürchtungen hätten wir es für möglich gehalten, dass unser Lebensglück auch an diesem beschaulichen Ort vom Reißbrett der St. Pöltner Stadtplanung aus zerstört werden soll.

Vor 35 Jahren war das öffentliche Interesse mit dem notwendigen Platz für die Landespolitik natürlich darstellbar.

Uns aber 2025 bei allen Krisen, mit denen wir inzwischen konfrontiert sind, mit neuen Straßen den gesamten westlichen Stadtteil St. Pöltens und unser Lebensglück zu ruinieren, das ist definitiv nicht mehr akzeptabel.

Man muss sich einmal die Gesamtheit der erratischen Projektvorhaben unserer Stadtpolitik vergegenwärtigen: Vom geplanten Rewe-Lager mit massenhaft LKW-Verkehr mitten im Stadtgebiet über eine Mega-Polizeikaserne in einem gewidmeten Siedlungs- und Naherholungsgebiet bis hin zu einer völlig absurden S34 samt daran anknüpfenden Straßenbauvorhaben.

Angesichts all dessen muss man hier festhalten, dass in unserer Landeshauptstadt inzwischen wirklich niemand mehr von undurchdachten Aktionen und Willkürsakten vor seiner eigenen Haustüre gefeit ist.

Es ist niederschmetternd, wie die St. Pöltner Bevölkerung am laufenden Band vor vollendete Tatsachen gestellt wird, wie über uns alle einfach drübergefahren wird.

Leidtragende sind natürlich nicht nur wir kleinen Leute, die es sich nicht einfach richten können. Ebenso wenig können sich die zahlreichen wild lebenden Tiere wehren, die heute mit uns im Stillen Tal den noch intakten Lebensraum teilen.

Wir werden uns mit allen gebotenen Mitteln zur Wehr setzen, denn die nochmalige Vertreibung aus dem Paradies dürfen wir uns als Siedlungsgemeinschaft nicht mehr bieten lassen.

Christoph Schweighofer und seine Tochter Sarah waren unsere heutigen Gastgeber am Protest Podest. Leopold hat mit größtem Geschick Feuer gemacht, das den heutigen Gästen angesichts der winterlichen Temperatur sichtlich Freude bereitete.

Der heute 40-jährige Christoph lebt mit seiner Familie in St. Pöltens Pummersdorf. Beruflich pendelt er nach Sitzenberg-Reidling. Die Uhrzeit und den Wochentag, wo Christoph von seinem Wohnort aus mit einem öffentlichen Verkehrsmittel in die Arbeit kommt, gibt es nicht.

Durch Pummersdorf fährt zwar immer wieder der eine oder andere Bus, stehen bleibt aber keiner. In meiner Schulzeit bin ich noch die 2 km nach Schwadorf zur Mariazellerbahn rübergelaufen, aber die damalige Haltestelle hat man ja anlässlich der Modernisierung aufgelassen.

Warum in Niederösterreichs Landeshauptstadt heute ganze Ortsteile weit und breit keine öffentliche Verkehrsanbindung mehr haben, ist wahrscheinlich auch den Göttern ein Rätsel.

Umso bewundernswerter ist die aufrichtige Freundlichkeit, die Gelassenheit und Sachlichkeit, mit der Christoph die im eigenen Wohnumfeld fehlende Einstiegsmöglichkeit in die Welt des öffentlichen Verkehrs beschreibt. Da schwingt nicht einmal ein Hauch von Ärger oder Unzufriedenheit mit, den ganzen Nachmittag gab es von ihm kein einziges schlechtes Wort.

Mit 6 km bis ins Stadtzentrum sind er und seine Familie natürlich auf das Auto angewiesen. Wer jetzt aber glaubt, dass Christoph damit Tag für Tag in die Arbeit pendelt, den überrascht Christoph gleich ein zweites Mal:

Als Ausgleich zu meiner Arbeit vor dem Computer könnte ich natürlich in meiner Freizeit Sport betreiben. Die paar Kilometer zum Bahnhof und abends wieder zurück sind aber eine viel sinnvollere Gelegenheit, gleichzeitig ein bisschen Energie umzusetzen und aufzutanken.

Wenn ich daran denke, dass ich in ungefähr 17 Minuten am Bahnhof bin und damit nur minimal länger brauche als mit dem Auto samt Einparken, dann geht die Rechnung klar zugunsten Fahrrad aus. Gelegentlich mache ich mich auch gleich per Rad auf den direkten Weg in die Arbeit nach Sitzenberg-Reidling.

Zur Gewohnheit hab ich mir das schon mit 29 gemacht. Nach 5 Jahren wurde mir dann einmal beim Bahnhof mein Fahrrad gestohlen. Danach hab ich mir extra ein weniger attraktives Rad zugelegt, damit die Diebe kein zweites Mal zuschlagen. Zwar blieb mir das Rad bis heute erhalten, aber es macht leider auch mir weniger Freude, seither tagtäglich mit einem qualitativ merklich schlechteren Rad unterwegs zu sein. Glücklicherweise gibt es inzwischen in der Parkgarage am Bahnhof auch absperrbare Radboxen. Eine davon beherbergt jetzt tagsüber mein Fahrrad.

Als meine ältere Tochter 6 Monate alt war, habe ich mich um einen ordentlichen Radanhänger umgesehen. Zunächst war ich etwas enttäuscht darüber, dass ich keinen Gebrauchten auf Willhaben gefunden habe. Heute weiß ich: wenn man so einen praktischen Anhänger hat, dann gibt man den besser auch nicht mehr her.

Mobilität ist ein Grundbedürfnis. Für uns war es heute am Protest Podest unheimlich inspirierend, Christoph zu begegnen, dem es trotz schwieriger Rahmenbedingungen gelingt, dieses Grundbedürfnis mit Lebensqualität und umweltfreundlichem Verhalten in Einklang zu bringen.

Mobilitätsarmut ist ein Faktum. In Pummersdorf und in vielen anderen Ortsteilen St. Pöltens. Wir brauchen eine Verkehrswende. Wir brauchen eine zukunftsgewandte Politik, die sich ehrlich dafür einsetzt. Auch in Pummersdorf.

Anhand von Modellautos und schematisch dargestellten Straßenbauprojekten erklärten Elisabeth und Dieter beim heutigen Pressegespräch, wie bei den UVP-Verfahren mit den Verkehrsprognosen getrickst wird.

Geht es nach den deklarierten Verkehrszahlen der Straßenbauer, so wird der motorisierte Straßenverkehr 2035 Österreichs CO2-Gesamtbudget voll ausschöpfen, rechtsverbindliche Klimaziele werden krachend verfehlt.

Mit welchen dreisten Mitteln in den UVP-Verfahren bei Verkehrszahlen gemogelt wird, haben wir heute den anwesenden Medienvertretern im Hotel Graf, sowie heute Nachmittag am Protest Podest mittels eines sehr einfachen aber aussagekräftigen Modells plastisch vor Augen geführt.

Bundesminister Hanke weiß längstens darüber Bescheid, er wurde darüber bereits im April schriftlich aufgeklärt.

Vorige Woche wurde der Herr Minister um die Beantwortung entscheidender Fragen gebeten, damit wir Aufschluss darüber bekommen, wie er rechtsverbindliche Klimaziele und seine konkreten Absichten, Österreich mit noch mehr motorisiertem Straßenverkehr zu fluten, unter einen Hut bringen möchte.

Warum diese Briefe, diese Anfragen und die Medienarbeit?
Damit diese unsäglichen Tricksereien, die uns schon jetzt an den Rand des Abgrunds gebracht haben, endlich ein Ende haben, Herr Minister.

Andreas Hieger ist einer der zahlreichen durch die S34 enteignungsbedrohten Landwirte. Als heutiger Gastgeber am Protest Podest hat er uns wachgerüttelt.

Wenn es um das bäuerliche Leben geht, dann gilt: Die Wahrheit liegt in der Natur.

In meinem Kopf hat sich dieser Satz bereits in meiner Jugendzeit eingebrannt, ohne dass ich damals viel damit anfangen hätte können. Mit zunehmendem Alter schöpfe ich immer mehr Kraft aus diesen klaren Worten.

Der Begriff der Nachhaltigkeit kommt ja ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Waldwirtschaftsplan soll sicherstellen, dem Wald genau jene Menge an Holz zu entnehmen und die Pflege so durchzuführen, dass der Wald in seiner Gesamtheit erhalten bleibt und sich von selbst erneuern kann. Das habe ich im Rahmen meiner Ausbildung zum Forstwirtschaftsmeister gelernt.

Dieses Prinzip wenden wir auch bei der Erhaltung unserer Böden an: Mit einer ausgewogenen ganzjährigen Begrünung stellen wir sicher, dass die Bodenfruchtbarkeit erhalten bleibt und mit ihr auch die Biodiversität.

Sobald die Schubraupe kommt, ist alles was wir über Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte gehegt und gepflegt haben, verloren, und damit auch das Lebenwerk unserer Vorfahren.

Viele der St. Pöltner Familienbetriebe sind inzwischen in ihrer Existenz gefährdet, und zwar nicht nur durch die S34. Das ist besonders bitter, denn diese generationenübergreifende Art der Betriebsführung ist ein mustergültiges Modell für Nachhaltigkeit:

In welchem sonstigen Berufsstand achtet man darauf, dass alle Prozesse bestmöglich in einem natürlichen Kreislauf und im Einklang mit den Jahreszeiten ablaufen? In welchem anderen Betrieb können künftige Generationen von genau denselben Ressourcen leben, wie unzählige Generationen davor? Wo sonst achten die Generationen noch so aufeinander?

Im S34 Verfahren wurde viel über die Bedrohung jener Tierarten verhandelt, deren Lebensraum Landwirte wie Andreas mit einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung erhalten. Das drohende Aussterben der bäuerlichen Kultur, wie wir sie heute noch kennen, war den Betonieren und deren Sachverständigen hingegen keinerlei Kopfzerbrechen wert.

Leider ist den meisten Menschen nicht bewusst, welche Leistung hinter der dauerhaften Pflege und Erhaltung unserer Kulturlandschaft und der biologischen Vielfalt verbunden ist. Nur wenn alle Familienmitglieder am Hof zusammenhelfen, geht sich das derzeit wirtschaftlich gerade noch irgendwie aus.

Ein Blick auf die zahlreichen bäuerlichen Betriebe, die in unserer Region in den letzten Jahren und Jahrzehnten schon aufgegeben haben, sollte uns alle wachrütteln. Einige von uns schauen, dass sie den Betrieb im Nebenerwerb weitererhalten, weil es tief in uns verankert ist, den übernommenen Betrieb und die Kulturlandschaft auch noch für kommende Generationen zu erhalten.

Man muss bei vielen Bauernfamilien und bei den Jungen von Idealismus sprechen, dass sie St. Pöltens klein strukturierte Landwirtschaft ins Hier und Jetzt gerettet haben. Wir müssen dankbar sein, dass sich unsere Stadt immer noch auf die Bäuerinnen und Bauern verlassen kann, wenn es um regionale Nahversorgung geht.

Zeitenwende oder Ende? Die Zeit der Landwirte ist gekommen.

Diese durchaus drastischen Worte haben die Anwesenden gemeinsam gefunden, nachdem wir uns in der heutigen Diskussionsrunde mit Andreas auch über den Bericht von Anna Götzinger unterhalten hatten.

Entweder unsere Politik und wir als Gesellschaft erkennen gerade noch rechtzeitig, wie wichtig und wertvoll der Beitrag unserer St. Pöltner Bauernfamilien ist, oder wir geben fahrlässigerweise endgültig genau das tradierte Wissen jener Menschen auf, die als Bäuerinnen und Bauern seit Jahrhunderten vorleben, wie Nachhaltigkeit wirklich funktioniert.

In einer ökosozialen Marktwirtschaft, die sich unsere Politiker immer wieder an die Fahnen heften, müssen dringendst Wertschöpfungsketten hinterfragt werden, die zunehmend von jenen abgezogen werden, die die Arbeit leisten, die uns ernähren.

In einer ökosozialen Marktwirtschaft darf keine Politik platzgreifen, die ohne Wimpernzucken die Existenzgrundlagen ausgerechnet Jener zerstört, die unsere wahren Lehrmeisterinnen und Lehrmeister der Nachhaltigkeit sind.

Wer öffentlich zum Protest Podest anreist, weiß ein Lied davon zu singen: In Nadelbach hält kein Bus und keine Bahn. Die von Lilienfeld angereiste Luise ist vom Alpenbahnhof heraufspaziert, ein flottes Laufteam ist ihr nachgefolgt, frei nach dem Motto: Laufen für den LUP.

Die auf flinken Beinen angereiste Abordnung unserer klimafitten Stadtbevölkerung will darauf aufmerksam machen, dass wir uns ein attraktives, flächendeckendes Öffi-Angebot in der Landeshauptstadt problemlos und dauerhaft leisten werden können, wenn uns die Politik die Milliardengräber S34 & Co. erspart.

Bei Luise Karner und Karin Kristl ist das Motto Zusammenhalt NÖ Programm. Unsere heutigen Gastgeberinnen engagieren sich im gleichnamigen Verein seit Jahren für Menschenrechte, Solidarität und Demokratie. Seit 2023 besuchen die beiden mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern die Landtagssitzungen, um die politisch Mächtigen unseres Landes zu beobachten und Widersprüchlichkeiten zwischen Schein und Sein aufzudecken.

Was am meisten schmerzt? Es ist die wiederkehrende Täter-Opfer-Umkehr, aus der die Politik hierzulande immer wieder Profit schlagen möchte.

Geht es um die Klimakrise und um die Ausbeutung von Mensch und Umwelt, dann sind wir in Österreich und Europa die Täter, die Menschen des globalen Südens sind dagegen die Opfer unseres hohen Lebensstandards. Mit der treffenden Frage: Ein paar Krümel für die halbe Welt? bringt die Arbeiterkammer die Sache auf den Punkt.

Es hat ohnedies niemand Lösungen parat, dieses Ungleichgewicht von hier auf jetzt zu beseitigen. Um politisches Kleingeld zu schlagen, werden die Opfer unseres Wohlstandes aber auch noch laufend dämonisiert und zu Tätern gemacht. Das ist unanständig, das ist unerträglich, das tut weh.

Wäre es nicht so traurig, dann müsste man ja fast schon darüber lachen, dass vor allem jene Politiker, die Österreich nach außen abschotten wollen, die brennendsten Befürworter von Autoverkehr und internationalen Transitrouten quer durch unser Land sind.

Wenn wir nicht rechtzeitig drauf schauen, kann es bald auch in St. Pölten so weit sein: Eine dieser Transitschneisen soll nämlich über kurz oder lang auch mitten durch St. Pölten verlaufen. Mit der S34 als Initialzündung für eine ganz große Verkehrslawine durch Niederösterreich.

Wir sagen hier zusammen Halt!

Heute hatten wir die Ehre, am Protest Podest von einem Urgestein der Stopp S34 Bewegung vertreten zu werden: Herwig Handler war von Beginn an in Sachen S34 im Einsatz. Er ist mit der umfassenden Mangelhaftigkeit dieses Projektes und mit der vielfältigen Schadwirkung auf uns und unsere Landeshauptstadt bestens vertraut.

Vom Flugverkehr über die Gefahren der geplanten Eingriffe in die Tektonik für St. Pöltens Grundwassersystem bis zu effizienten Energiespeichermöglichkeiten im Tiefbau gibt es kaum ein Thema, wo sich Herwig nicht akribisch eingearbeitet hat.

So kommt es auch nicht von ungefähr, dass es bei einem Auftritt von Herwig im UVP-Verfahren einmal eine ganze Weile mucksmäuschenstill war im Verhandlungssaal:

Es ist nichts anderes als ein neuer Eiserner Vorhang, über den wir hier verhandeln!

Das ist kein Straßenbauprojekt, das den Menschen zugute kommt, sondern das Ganze wirkt vielmehr wie ein kontinuierliches Bestreben der Planer, mit dieser Straße den größtmöglichen Umweg um die Lösung eines Verkehrsproblems zu bauen, das wir gar nicht haben.

Man ist hier dabei, der Natur und den Menschen einen nicht wieder gut zu machenden Schaden zuzuzfügen.

St. Pölten sperrt sich nämlich selbst in einem so geplanten Käfig ein und stellt den Ober-Grafendorfern eine Barriere in die Landschaft, die nichts anderes zum Ausdruck bringt, als: Bleibt Ihr in Eurem Tal, wir bleiben in unserem.

Inzwischen diskutieren wir seit Jahren über die dringend benötigte Radwegeverbindung zwischen Ober-Grafendorf und St. Pölten. Es ist bezeichnend, dass bis heute alles genau an dieser törichten Schnellstraße scheitert, die es nicht gibt und die es, wenn die handelnden Entscheidungsträger endlich zur Vernunft kommen, hoffentlich auch nie geben wird.

Was kaum jemand weiß: Um den Hobbyflugbetrieb in Völtendorf unbeeinträchtigt fortzuführen, haben sich Stadt, Flugplatzeigner und Asfinag darauf verständigt, das gesamte Flugfeld zu untertunneln. Die zig Millionen verschlingende Konstruktion gefährdet den gesamten Wasserhaushalt St. Pöltens und ist noch dazu genau so ausgeführt, dass am Ende der Unterführung kein Radweg mehr hinpasst.

Es ist geradezu ungeheuerlich, dass Eigeninteressen von Hobbypiloten auf Punkt und Beistrich erfüllt werden und andererseits St. Pölten und Ober-Grafendorf seit Jahren keine Radwegverbindung zusammmenbekommen, weil eine nicht vorhandene Straße, von der die Menschen künftig aus- und eingesperrt werden sollen, es den Plänen nach verbietet, den Radelnden zwischen der Landeshauptstadt und Ober-Grafendorf einen wenige Meter breiten Querschnitt zur Verfügung zu stellen.

Für die Ausführung eines seiner Tiefbauprojekte hat Herwig einst einen römischen Einser von der Bauaufsicht bekommen. Wie würde die Beurteilung des lebenserfahrenen Bauingenieurs ausfallen, wenn die Planer der S34 seine Schüler wären?

Nein danke, das ist ein glattes Nicht genügend. Setzen!

Online und doch Präsenz am Protest Podest: Vernetztes Arbeiten war bei Elisabeth Prochaska heute angesagt.

Wenn das Verkehrsministerium wieder an die Medien herantritt, dann müssen wir uns schon warm anziehen. Auch und gerade am Protest Podest.

Zu fünf Straßenbauprojekten hat der Minister heute „Evaluierungsergebnisse“ vorgelegt. Nur wer die Augen vor der Wahrheit verschließt, kann behaupten, dass die Straßenbauprojekte keinen Einfluss auf die Klimabilanz Österreichs haben.

Mit der Wahrheit rund um die unsäglichen Tricksereien der Straßenbauer, die man uns auch heute wieder aufgetischt hat, haben wir Minister Hanke und die gesamte Bundesregierung bereits am 10. April 2025 konfrontiert. Bis heute ist jede Rückmeldung ausgeblieben, bis heute stecken die Politiker unserer Bundesregierung den Kopf in den Sand, wenn es um die Klimafrage beim Verkehr geht.

Wir fordern von der Politik Transparenz und Klarheit statt einer solchen Augenauswischerei.

Deshalb hat Bundesminister Hanke heute Post von den Initiativen vom Protest Podest und zahlreichen weiteren Organisationen aus ganz Österreich bekommen: Unsere Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz.

Wir sind gespannt und werden weiter berichten.

Anton Johann, Pepe und Dieter am heutigen Protest Podest.

Wintergedanken

Die Natur legt sich im Schleier des herbstlichen Nebels zur Ruhe, um zu unserem Segen im Frühjahr mit neuer Kraft zu erwachen.

Wenn man sie erwachen lässt.

Wenn die Betonierer ihre Drohung wahr machen, dann wird sich die Wiederauferstehung im Wandel der Jahreszeiten hier nie mehr abspielen.

Eine erschreckende Vorstellung.

Was treibt Menschen dazu an, den Kreislauf der Natur zu beenden? Endgültig! zu beenden?

Tag für Tag kreisen die Gedanken der Menschen am Protest Podest um diese verzweifelte Frage.

Ginge es der Politik um den Schutz des Bodens, säßen wir nicht hier.
Ginge es der Politik um die Erreichung der Klimaziele, säßen wir nicht hier.
Ginge es der Politik um das Wohl der Menschen, säßen wir nicht hier.

Doch wir sitzen hier.

Warum, erklärt Prof. Knoflacher.
Warum, erklärt Prof. Lueger.
Warum, erklärt Peter Hochegger.

Wir sitzen hier, weil wir den Boden schützen werden.
Wir sitzen hier, weil Klimaschutz eine Überlebensfrage ist.
Wir sitzen hier, weil wir das Leben lieben, und die Menschen.

Wir sitzen hier, um St. Pölten vor einem nie mehr gut zu machenden Akt der Zerstörung zu bewahren.

Franz Schweighofer, unser heutiger Gastgeber am Protest Podest, ist beruflich viel herumgekommen.

Fast ein Jahrzehnt lang war Franz für die Entwicklungshilfe in Lateinamerika unterwegs, um die medizinische Versorgung durch den Bau und die Modernisierung von Spitälern zu verbessern.

Franz weiß auch, wo die vielen Autos herkommen: aus zahlreichen „seiner“ Fabriken. Bei der Errichtung der Montagelinien der namhaftesten Automobilhersteller weltweit war Franz nämlich mit der Ausführungsplanung betraut.

Als Techniker musste ich immer Probleme einkreisen um gute Lösungen zu entwickeln. Erst wenn man das Problem genau verstanden hat, sollte man mit der Planung und Umsetzung beginnen.

Ich bin ein geborener Pummersdorfer und ich wohne auch heute wieder an meinem Geburtsort. Als Pummersdorfer bin ich auch ein echter St. Pöltner, und das mit ganzem Herzen.

Gerade deswegen ist es mir auch besonders wichtig, dass meine Heimatstadt weder jetzt noch in Zukunft von einem monströsen Damm mit einer Schnellstraße hoch über unseren Köpfen durchschnitten wird.

In den 1950er Jahren sind wir noch mit dem Fahrrad auf der heutigen Westautobahn gefahren und wir konnten einfach drüber spazieren. Erst Mitte der 1960er Jahre kam dann der Lückenschluss, und mit ihm immer mehr und immer lauterer Verkehr. Von damals weiß ich noch, was es bedeutet, durch so eine Straße für immer von Verwandten und Freunden abgetrennt zu sein, die eigentlich nur wenige hundert Meter entfernt leben. Genau das droht uns nun abermals mit der S34.

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, der weiß, dass der Bau neuer Straßen eine reine Symptombekämpung ist mit dem Ergebnis, dass noch mehr Fläche für Autos und noch weniger für Mensch und Natur zur Verfügung steht.

Anstelle eines Erdwalls mit Stauden haben die Straßenbauer an der A1 im Rahmen der Straßenverbreiterung einen Lärmschutz zwischen Pummersdorf und die Autobahn gebaut. Tempo 80 während der Bautätigkeit ohne Lärmschutzwände war wesentlich erträglicher als jetzt samt Lärmschutz mit Tempo 130. Je nach Windsituation trägt es seit dem Autobahnausbau den Verkehrslärm jenseits der Lärmschutzwände ins Siedlungsgebiet und da kann man sich draußen kaum noch unterhalten. Dabei sind aber etliche andere Pummersdorfer weitaus schwerer betroffen als ich selbst.

Es wäre jedenfalls für uns alle wichtig, dass im Umgebungsbereich der Siedlung Tempo 80 oder wenigstens Tempo 100 verordnet wird. Es scheint aber so zu sein, dass das Rasen auf den Autobahnen einen höheren Stellenwert hat als die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen.

Ich selbst fahre seit langem ein batterieelektrisches Auto und habe stets auf ein moderates Tempo geachtet. Neben der Rücksichtnahme auf andere Menschen bringt das auch mir persönlich nur Vorteile:

Weitaus niedrigerer Energieverbrauch, geringere Kosten und auch meine Nerven werden geschont. Man darf ja nicht vergessen, dass auch die Verschleißteile viel länger halten. Und dabei komme ich durch defensives vorausschauendes Fahren fast genauso schnell ans Ziel wie Andere mit ständigem Gasgeben und Bremsen. So hat zum Beispiel meine 8 Jahre alte Originalbatterie nach einer Laufleistung von über 100.000km immer noch eine Restkapazität von 97%.

Wenn wir sehen, wohin uns das immer Schneller, Weiter, Stärker gebracht hat, dann müssen wir uns alle irgendwann auch eingestehen, dass es eine Kehrseite gibt, die uns die Lebensqualität vor der eigenen Haustüre ruiniert. Wenn man im Mobilitätssektor die Ursache des Problems beseitigen möchte, dann gibt es im 21. Jahrhundert nur einen probaten Lösungsansatz:

Wir müssen den motorisierten Straßenverkehr eindämmen, statt ihm immer mehr Raum zu geben. Und wenn wir von einer S34 sprechen, dann darf mir nicht einmal jemand von einer Symptombekämpfung sprechen, denn eine S34 würde uns allen in St. Pölten von Beginn an weitaus mehr neue Probleme bringen, als sie bestehende Probleme lindern kann.

Anna Götzinger war heute die Schutzherrin am Prodest Podest, an einem besonderen Tag, wo Martin Thür und das Dok1-Team im Fokus standen, und dank ihnen auch die zentralen Anliegen der hier Tag für Tag engagierten Menschen.

Heute war mein erstes Auftreten als Gastgeberin am Protest Podest. Und dazu noch der Besuch eines Fernsehteams vom ORF. Ich war nicht allein. Elisabeth, Romana und viele mehr haben alles bestens vorbereitet. Danke!

Aber was haben sich die heutigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer von diesem Besuch erwartet? Welche Facetten unseres redlichen Aufbegehrens wird die Sendung vermitteln? Werden die Interviews das weitergeben, was wir sagen wollen? Werden unsere Ängste und Sorgen verstanden? Wir wissen es nicht und doch hoffen wir alle, dass unsere Botschaften klar genug formuliert waren und bei den Zuseherinnen und Zusehern auch gut ankommen.

In letzter Zeit war ich öfter in Kontakt mit Volksschülern aus unserem Bezirk. Dabei habe ich festgestellt, dass viele Kinder leider sehr wenig über Landwirtschaft und die Herkunft unserer Lebensmittel wissen:

Welchen Weg macht das Obst vom Baum bis ins Geschäft oder in die Flasche als Saft? Wann wächst was? Wann wird was geerntet? Was ist saisonal? Was gibt es regional? Was macht der Bauer? Dabei geht es nicht um Fachwissen.

Wenn Boden- und Existenzverlust so unmittelbar im Raum stehen, stellt sich für mich als Vertreterin jener bäuerlichen Kultur, die seit über 10.000 Jahren von Generation zu Generation tradiert wird, die ernsthafte Frage: Welches Wissen und welche Werte können wir den jungen Menschen heute noch vermitteln?

Für mich ist das eine ganz existenzielle Frage an die gesamte Gesellschaft. Alle Antworten, die ich auf diese Frage finden kann, sind eine klare Bestätigung, dass die Arbeit für unsere Landwirtschaft, der Kampf um unsere Ackerflächen nicht umsonst, sondern wichtiger den je ist.

Es gibt keine Lebensgrundlagen zu verschenken.
Wir müssen sie unseren Kindern bewahren und weitergeben.

Martin Thür stellt spannende Fragen. Welche Antworten werden Programm?
Unsere heutigen Gastgeber am Protest Podest waren die Fridays for Future Niederösterreich, mit folgenden Botschaften:

Wir von Fridays for Future Niederösterreich setzten uns seit 2021 für eine gerechte Klimawende in Niederösterreich ein. Am bekanntesten sind wir für große Klimademos aber auch durch diverse lokale Kampagnen zum Windkraftausbau oder z.B. Mobilität in der Stadt. Der Bau der S34 wirft das gesamte Bundesland in der Verkehrswende um Jahrzehnte zurück. Daher setzt sich Fridays for Future Niederösterreich klar gegen den Bau der S34 und alle anderen Straßenbauprojekte ein.

Heute waren wir am Protest Podest und haben mit vielen Besucher*innen diskutiert. Uns wurde klar, der Protest wird von der Nachbarschaft getragen. Gerade vor der anstehenden Gemeinderatswahl ist die Positionierung von Parteien gegen die S34 gefordert. Daher werden wir die wahlwerbenden Parteien direkt mit klimapolitischen Fragen konfrontieren. Gemeinsam mit den Campbesuchenden erarbeiteten wir einen umfangreichen Fragenkatalog, der allen zur Wahl antretenden Listen zur Beantwortung versendet wird. Die Ergebnisse werden wir von Fridays for Future kurz vor der Wahl mit euch teilen.

Das Protest Podest ist ein wichtiger Ort des Zusammenkommens und des gemeinsamen Widerstands.

Geburtstagskind Romana Drexler ist unsere heutige Gastgeberin am Protest Podest.

Wir kämpfen um unsere Natur

Stopp S34 ist für mich weit mehr als nur eine Bewegung. Sie ist mein täglicher Antrieb, meine Motivation – mein Hoffnungsträger für eine lebenswerte Zukunft.

Im Februar 2021 sollte sich mit der Gründung der Online-Initiative „Stopp S34 – Wir kämpfen um unsere Natur“ mein Leben grundlegend verändern. Dass dies tatsächlich der Beginn eines neuen Lebensabschnitts war, wurde mir allerdings erst viel später bewusst.

Mehr als 20 Jahre lang kämpften bereits engagierte Menschen gegen den geplanten Bau der S34, bevor auch ich aus meinem Dornröschenschlaf erwachte und begriff, was diese Schnellstraße für den Westen von St. Georgen – und für ganz St. Pölten – wirklich bedeuten würde.

Vom Aufwachen zum Aufstehen

Seitdem ist viel passiert: Rund 1.300 Menschen aus allen Teilen St. Pöltens und angrenzenden Nachbargemeinden haben sich in den letzten Jahren unserer Facebook-Gruppe angeschlossen.
Im Jahr 2021 sammelten wir innerhalb von nur zwei Wochen rund 3.000 St. Pöltner Unterschriften für einen Initiativantrag im Gemeinderat. Kurz darauf kamen über 10.300 weitere Unterschriften gegen den Bau der S34 hinzu – gerichtet an Bund und Land Niederösterreich.

Wir produzierten Videos von Betroffenen, ein Drohnenvideo über die geplante Trasse, organisierten einen legendären Menschenschriftzug „Stopp S34“ mitten auf einem Feld, sammelten Spenden für Rechtsanwälte, Gutachten und Gerichtsverfahren und veranstalteten gemeinsam mit anderen Vereinen und Landwirten zahlreiche Protestaktionen.

Doch leider wurden die Stimmen der Bevölkerung – insbesondere von der SPÖ-geführten Stadtregierung und der NÖ Landesregierung – ignoriert.

Trotzdem habe ich nie den Mut oder die Motivation verloren. Denn der Schutz von Boden, Wasser, Natur und Lebensqualität ist es wert, niemals aufzugeben.

Gemeinsam stark

Unser größtes Anliegen ist es, die Menschen mit Fakten über dieses Projekt zu informieren. Und wir werden nicht müde, über die Folgen dieser Schnellstraße aufzuklären.

Viele unserer langjährigen Mitstreiterinnen und Mitstreiter wissen, dass Umweltaktivismus auch für das Familien- und Beziehungsleben nicht immer einfach ist. Umso dankbarer bin ich, dass mein Lebensgefährte Peter immer an meiner Seite steht – und mit mir jede Idee und jede Laune mitträgt. Manche Paare gehen durch dick und dünn, wir gehen gemeinsam von Tür zu Tür.

Zur Feier des Protest-Podest-Camps haben wir nun eine von Peters fabelhaften Ideen endlich verwirklicht: Seit Kurzem gibt es neun Geocaches entlang der geplanten, neun Kilometer langen Trasse der S34. Registrierte Nutzer können dort spielerisch – anhand von Koordinaten – versteckte Caches finden.

Von Poppenberg bis Hafing erfahren die Suchenden Wissenswertes über die Orte und die möglichen Auswirkungen der S34. Das sind unsere neun Schätze auf neun Plätzen.

Gesamte St. Pöltner Bevölkerung betroffen

Zu den von der S34 direkt betroffenen Anrainern zählen wir uns nicht – wenn überhaupt, dann sogar eher von der B20.

Wenn jedoch über 100 Hektar Naturraum und die fruchtbarsten Äcker der Region versiegelt werden und der Verkehr in ganz St. Pölten massiv zunehmen soll, dann betrifft uns das alle – egal, wo wir wohnen.

Es geht um den Verlust unserer Naherholungsgebiete, unseres Grundwassers, des Lebensraums vieler Wildtiere, der Ernährungssicherheit – und um die Lebensgrundlagen unserer Landwirte.

Diese Schnellstraße würde ganz St. Pölten durch ihre erhöhte Westlage mit Emissionen, Feinstaub und zusätzlichem Lärm versorgen – und damit unsere Lebensqualität und Gesundheit beeinträchtigen.

Erst nach Beginn meines Engagements wurde mir nach und nach klar, wie stark auch wir persönlich betroffen wären – durch Lärm, Grundwasserabsenkung und Umweltbelastung. Wer sich mit den Fakten in den UVP-Unterlagen auseinandersetzt, erkennt rasch, dass in St. Pölten so gut wie jeder betroffen ist, nur wissen sehr viele St. Pöltnerinnen und St. Pöltner noch nichts davon.

Was auf dem Spiel steht

Für mich persönlich ist es zum Beispiel der Schotterweg, auf dem ich einst Radfahren gelernt habe, er soll zu einem Autobahnzubringer werden. Der Wald, durch den ich als Kind so gerne mit meinem Großvater spazieren ging, soll zerschnitten werden.

Für die Allgemeinheit geht das beliebte Naherholungsgebiet zugunsten der Schnellstraße verloren. 40 Landwirte werden enteignet, wenn sie nicht von sich aus aufgeben. Einigen droht sogar der Verlust Ihrer gesamten bäuerlichen Existenz. Durch die permanente Ableitung bzw. Absenkung des Grundwasserspiegels wird die Vegetation massiv gefährdet – und Brunnen werden trockenfallen.

Liebe Bundesregierung, liebe Schnellstraßenbefürworter:
Ist es das wirklich wert?

Gastgeberin Elisabeth Prochaska leitete heute am Protest Podest eine Gesprächsrunde. Zunächst schilderte sie ihre persönlichen Eindrücke über ein für Menschen, die sich des wahren Wertes von gesundem Boden bewusst sind, recht gruseliges Expertengespräch in Wien:

Einen ganzen Nachmittag wurde am 4.11.2025 über den Wert des Bodens gesprochen. In Wahrheit ging es aber nicht um den Wert, sondern mehr oder weniger nur ums Geld. Und darum, wie man selbiges aus Böden und Ökosystemen rausholen kann.

Wenigstens einen ermutigenden Ausklang fand Elisabeth im Nachgang zur verstörenden stundenlangen Diskussion über die Geschäftemacherei mit den Böden.

Der Präsident der Österreichischen bodenkundlichen Gesellschaft, Dr. Andreas Baumgarten, ermunterte Elisabeth dabei, St. Pöltens Böden zu schützen, bevor es zu spät ist: Was wir jetzt hinmachen, das ist hin. Elisabeths Frage, ob wir es überhaupt noch leisten können, einen einzigen Quadratmeter Ackerfläche in Österreich zu versiegeln, beantwortete er mit Nein.

Das Resümee der heutigen Diskussion dazu: Schauen wir rechtzeitig drauf, dass unsere landwirtwschaftlichen Flächen weiterhin in den guten Händen unserer Generationenbetriebe bleiben, denn sie kennen und schätzen den wahren Wert des Bodens.

Jungpfosti: Do neman Woid und neman Acker, do fühl i mi richtig naturverbunden und geerdet.

Mamapfosti: Du muast wissn, Junior, mia hom do bis heut no a Riesenglück, dass do, wo mia den richtigen Weg weisn, fost nur de Leutln vorbeifoan, die do a wirklich daham san oder zu Besuch kumman.

Jungpfosti: Jo eh, ansonstn hätt ma do jo no vü mehr Verkehr, und daun warads a Schluss mit’n Woid, mit’m Acker und mit mein Friedn mit da Wöd.

Onkelpfosi: Jo, owa wos mi wirklich gfreit, ist dass bei uns do jetzt vüle wieda z’Fuas und mit dem Radl unterwegs san.

Pfostiopa: Mit der Blechkistn valiern jo leida maunche komplett die Bodenhoftung. De düsen mit an Karacho vuabei, wie wauns allanig auf da Wöd waradn.

Onkelpfosti: Jo, und a wonns do hinta de Stauden stehbleibn und neiche klane Autofoara bastln. Oh là là!

Pfostiopa: Jedes moi, waun a Auto daherbraust und nebn mia a Viecherl auf d’Strossn dauni steigt, daun treibts ma scho den Schweiß auf die Stirn, weu entweder spritzt des Bluat oder ana von uns wiad wieda amoi niedagmaht.

Mamapfosti: I was jo ned so genau, warum de Leitln glaubn, dass im Auto weniger Zeit haum, ois wanns auf ihre eigenen zwa Fiass unterwegs san.

Jungpfosti: Letztens hob i glaubt i spinn. Do ist glott da Emil, da Elch ausn hohen Norden bei uns vuabeiglatscht und hinter eam die sunst so gstresstn Autofoahrer. Olle volla Neugier und in olla Gmiatlichkeit.

Onkelpfosti: Jo, und gfreit haumsa si, wia de klan Kinda, de wos letztens mit ihren Eltern do de Autos so laung aufghoidn haum, bis die Igelfamilie sicher über da Strossn drüber woa.

Pfostiopa: Es warad jo supa, waun olle imma so aufaranaunda aufpassn daradn, und a auf de Viecherl. Daun warad’s jo olles scho fü bessa auf unsara Eadn.

Tanja und Thomas Gira am Protest Podest

Warum ich nichts Positives am Bau der S34 sehe

Ich bin Tanja Gira, Mutter von drei Söhnen, lebe mit meinem Mann Thomas auf einem Bauernhof in Pummersdorf. Unser Alltag ist eng mit der Natur verbunden – mit unseren Wiesen, Feldern, Tieren und dem Rhythmus der Jahreszeiten. Genau deshalb trifft mich der geplante Bau der S34 mitten ins Herz.

Was hier verloren geht, ist mehr als nur Land. Es sind wertvolle Äcker, Lebensräume, stille Landschaften, die unser Zuhause prägen. Die geplante Trasse soll nur wenige 100 Meter an unserem Hof vorbeiführen. Schon jetzt ist der Verkehrslärm der angrenzenden Autobahn oft so stark, dass wir nachts die Fenster schließen müssen, um überhaupt schlafen zu können. Der Gedanke, dass sich dieser Lärm durch die S34 noch vervielfacht, ist beunruhigend – nicht nur für uns, sondern für alle Menschen, Tiere und die Natur in den umliegenden Dörfern.

Die Verbauung dieser Flächen bedeutet auch den Verlust von Lebensqualität. Wir bemühen uns bewusst, regional zu leben: Wir kaufen bei bäuerlichen Betrieben ein, kochen selbst, schätzen unverarbeitete Lebensmittel. All das macht für uns Sinn – aber wie soll regionale Versorgung funktionieren, wenn die Flächen, die sie möglich machen, immer weiter verschwinden?

Jede neue Straße, jeder Meter Asphalt verändert das natürliche Gleichgewicht. Versiegelte Böden tragen zu Hochwasser bei, Hitze staut sich in den Städten, Bäume werden gefällt – und damit verlieren wir Stück für Stück das, was uns eigentlich schützt.

In meiner Arbeit als Cranio-Sacral-Praktikerin begleite ich Menschen dabei, ihre eigenen Ressourcen wiederzufinden. Ich sehe darin eine Parallele zur Natur: Auch sie hat ihre eigene Intelligenz, ihre Selbstheilungskraft. Die Natur macht keine Fehler – sie zeigt uns immer wieder, wie Leben funktioniert, wenn man es lässt.
Mein Wunsch ist es, dass wir wieder lernen, bewusst zu leben – BewusstSein.

Vielleicht wäre es an der Zeit, innezuhalten. Statt noch mehr Straßen zu bauen, könnten wir Vertrauen in das entwickeln, was bereits da ist – in das, was uns nährt und trägt. Weniger Lärm, weniger Verbauung, mehr Einfachheit.

Eine gesunde Erde ist keine Selbstverständlichkeit. Unsere Erde ist keine Selbstverständlichkeit – so wie wir mit ihr umgehen, zeigt, wie sehr wir das vergessen haben.

Und doch liegt in jedem Moment die Chance, neu zu beginnen:
Zu spüren den Wind auf der Wiese, das Rascheln der Blätter, das Lachen der Kinder.
Zu sehen die Tiere, die uns begleiten, die Felder, die uns ernähren, die Landschaft, die unser Herz berührt.
Wenn wir achtsam werden, beginnt die Erde zu antworten – leise, aber deutlich.
Jeder Baum, jeder Vogel, jede Wiese ist ein Teil von uns.
Nur wenn wir die Erde achten, können wir auch in uns selbst Frieden finden.

Lass uns lernen, wieder zu spüren. Lass uns lernen, zu bewahren.
Denn das, was wir schützen, ist das, was uns trägt – heute, morgen und für all jene, die nach uns kommen.

Tanja und Joy

Danke, Ulli und Friedl, dass Ihr heute als Gastgeber am Protest Podest steht und Ihr einen süßen Vorgeschmack auf den baldigen Faschingsbeginn mitgebracht habt.

Bei prächtigem Herbstwetter nahmen sich heute etliche Spaziergängerinnen und Radler Zeit, sich mit einem Stopp S34 Krapfen zu stärken und gute Gespräche zu führen.

Eine längere Diskussion drehte sich um die Frage, was wir von den bisherigen An- und Aussagen von Minister Hanke halten sollen.

Nach den Worten von Minister Hanke bedeutet eine hochrangige Straße im Stadtgebiet – er spricht in dem Fall von Wiens A23, der Südost-Tangente:

Es bedeutet Staus, es bedeutet Lärm und es bedeutet Abgase in massiver Art und Weise, die so aus meiner Sicht und aus unserer Sicht nicht notwendig wären. Und es gefährdet Gesundheit, es gefährdet die Lebensqualität und auch am Ende das wirtschaftliche Wachstum, weil was Staus bedeuten, wissen wir alle, es ist Lebenszeit, die wir in der Form hergeben.

Verkehrsminister Hanke im Rahmen der Pressekonferenz zum Lobautunnel vom 25.09.2025

Bei uns ist der Schaden mit so etwas wie eine hochrangigen Staustraße nach „Vorbild“ der Wiener A23 im Stadtgebiet noch gar nicht angestellt. Unsere Gesundheit und Lebensqualität würde erst durch die Umsetzung der S34 massiv bedroht.

In St. Pölten, wo Herr Minister Hanke den Bau der S34 in Erwägung zieht, gibt es heute das dystopische Szenario, von dem er spricht, überhaupt nicht. Es gibt auf St. Pöltens B20, die die S34 angeblich entlasten soll, keine Staus. Lärm und Abgase würden mit einer S34 zu- und nicht abnehmen – gemäß deklarierter Zahlen der Asfinag auch in ganz St. Pölten.

Demnach darf für Verkehrsminister Hanke auch gar kein Zweifel daran bestehen, dass die S34 nicht nicht gebaut werden darf.

Friedl und Ulli haben eine neue Zeitrechnung für St. Pölten eingeführt: Protest Podest, Tag 46.

An bisher 46 Tagen haben viele von uns inzwischen hier am Protest Podest sichtbar Lebenszeit investiert, damit uns und den Kindern hier in St. Pölten nicht die Zukunft verbaut wird. Monate oder gar Jahre an Lebenszeit, Geld und unendlich viel Herzblut haben viele Betroffene und Ehrenamtliche bereits im Verborgenen investiert, um schwer wiegende Missstände rund um das Straßenbauprojekt S34 aufzudecken. Bis heute ist es mit gebündelten Kräften gelungen, die Katastrophe abzuwenden.

46 Tage Protest Podest sind nicht der Anfang und nicht das Ende.

Gemeinsam werden wir so lange dran bleiben, bis die S34 endgültig vom Tisch ist.

Wie ist es um St. Pöltens Biotope bestellt?
Wir wissen es nicht.
Warum?

Am 23.02.2023 wurde den Mitgliedern des Umweltschutz-Komitees eine im Auftrag der Stadt St. Pölten erstellte Biotopkartierung vorgestellt.

Nachdem zuvor bereits dem Verein Zukunft Umwelt Traisental die Auskunft verweigert wurde, forderte Verkehrswende.at am 28.03.2024 die Biotopkartierung nach UIG/NÖ Auskunftsgesetz an.

Über anderthalb Jahre hinweg scheute die Stadt St. Pölten im Intanzenzug weder Kosten noch Mühen, um die Herausgabe der Umweltinformation zu unterbinden. Am 21.08.2025 blitze die Stadt St. Pölten auch beim Verwaltungsgerichtshof gegen die von Verkehrswende.at ergriffenen Rechtsmittel ab.

Wer nun denkt, die Stadt St. Pölten respektive Bürgermeister Mag. Matthias Stadler würde eine letztinstanzliche Gerichtsentscheidung zum Anlass nehmen, die angefragte Umweltinformation doch endlich herauszugeben, der irrt. 

Kürzlich wurde Verkehrswende.at per Bescheid vom 20.10.2025 abermals die Herausgabe der Biotopkartierung verweigert, und zwar mit einer geänderten Argumentationslinie. Die Stadt beginnt also das unsägliche Spiel wieder von vorne.

Am heutigen Protest Podest haben die Anwesenden eine Anfrage nach dem erst kürzlich in Kraft getretenen Informationsfreiheitsgesetz ausgearbeitet.

Diesmal geht es auch um die für uns Steuerzahlende spannende Frage, wieviel Aufwand und Geld die Stadt St. Pölten inzwischen investiert hat, um eine einfache und legitime Anfrage aus der Zivilgesellschaft nicht zu beantworten und um damit der Gesellschaft, den Sachverständigen und den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möglicherweise entscheidende Umweltinformationen vorzuenthalten.

Die Menschen fragen sich angesichts all dessen:
Herr Bürgermeister, was haben Sie zu verbergen?
Wie ist es wirklich um die Biotope in St. Pölten bestellt? Warum setzen Sie alles daran, dass die Menschen es nicht erfahren?
Verfolgt jemand Ziele, die mit dem Inhalt der Biotopkartierung möglicherweise nicht im Einklang stehen?

Wir sind schon sehr gespannt auf Antworten aus dem Rathaus.

Christina Engel-Unterberger gestaltete das heutige Programm am Protest Podest. Neben Köstlichkeiten aus der Region hatte die Sprecherin der St. Pöltner Grünen auch noch eine große Überraschung mit im Gepäck.

Bei Tee, Vanillekipferln und frischem Obst gab es die Gelegenheit, gemeinsam über die vergangenen 5 Jahre Rückschau zu halten und über viele Projekte, Positionen und Erfahrungen aus zivilgesellschaftlicher und politischer Sicht zu reflektieren.

Wie haben sich die Dinge entwickelt? Wo steht St. Pölten heute? Wie und von wem wurden wichtige Entscheidungen, die uns alle betreffen, ausverhandelt?

Am Ende läuft immer wieder alles darauf hinaus, dass Demokratie dort lebendig ist, wo Menschen zusammenkommen.

Nicht zuletzt das von einer gesellschaftlichen Vielfalt geprägte Stimmungsbild hier am Protest Podest soll in den vergangenen Tagen die St. Pöltner Grünen zu einem unerwarteten Schritt bewogen haben.

Diesen dürfen wir heute mit Fug und Recht als Paukenschlag bezeichnen und hiermit weitergeben:

Christina gibt am heutigen Protest-Podest die Beschlussfassung des Vorstandes der St. Pöltner Grünen bekannt, dass Menschen, die sich gegen die S34 solidarisieren wollen, dazu eingeladen sind, auch ohne Parteizugehörigkeit auf der Grünen Gemeinderatsliste zu kandidieren – als Zeichen einer lebendigen, vielfältigen Zivilgesellschaft.

Interessiert? Details unter Zivilgesellschaftsticket.
Das streng geheime Passwort lautet: mitmachen

Gemütlicher Tagesausklang am hell erleuchteten Protest Podest.

Am 22. April 2021 startete die enge Zusammenarbeit der Stopp-S34-Initiativen mit der Berg- und Naturwächterin Elisabeth Prochaska. Damals ging es um die Mission Feldhamsterdokumentation auf Leopold Steinwendtners Acker. Heute ist Elisabeth eine tragende Persönlichkeit unserer Klimahauptstadt-Bewegung.

Damals wie heute blickt Anton Zichtl stolz auf das Engagement und die Fertigkeiten seiner erwachsenen Kinder… und Elisabeth stolz auf ihre Eltern.

Heute gibt Anton am Protest-Podest einen Einblick, worauf das Selbstverständnis für gemeinwohlorientiertes Handeln begründet sein könnte und wie wichtig es ist, den Zusammenhalt auch weit über die eigene Familie hinaus zu pflegen.

77 Lenze zählt unser heutiger Gastgeber, gemeinsam mit seiner Frau Franziska lebt Anton am generationenübergreifenden Bauernhof in Pummersdorf. Drei Kinder haben sie großgezogen und ihnen eine gute Ausbildung ermöglicht.

Im Ruhestand, wie ihn sich viele vorstellen mögen, sind Anton und Franziska auch nach der Hofübergabe an Sohn Nikolaus noch längst nicht angekommen. Erst gestern haben am Hof wieder alle zusammengeholfen bei der Ernte einer rar gewordenen Getreidesorte, der Hirse.

Jeden Tag kleben Anton und Franziska Etiketten auf eine besondere Spezialität des Hofes: das famose Popcorn vom Nikolaus. Franziska pflegt den Bauerngarten, so versorgt sie die ganze Familie mit gesundem Gemüse und Obst.

Doch das Miteinander geht in Pummersdorf weit über die Grenzen des eigenen Hofes und der eigenen Familie hinaus.

Bereits vor Pensionsantritt setzte sich Anton dafür ein, dass der alte Pummersdorfer Gemeindesaal zu einem Ort der Begegnung und des Miteinanders für die gesamte Siedlungsgemeinschaft wird.

Heute sitzt Anton mit seinen 77 Jahren ganz nebenbei auch im Vorstand NÖ Senioren, Ortsgruppe Pummersdorf. An die 50 Junggebliebene treffen sich jeden zweiten Dienstagnachmittag im Monat, um sich über spannende Themen auszutauschen, Geburtstage zu feiern und Karten zu spielen.

Am selben Ort der Gemeinschaft wird im Jahresverlauf auch Rosenkranz gebetet, heilige Messen mit Agape werden abgehalten. Demnächst findet die Adventkranzweihe statt. Wir erwarten auch hier wieder an die 100 Gläubige.

Egal ob jung oder alt, kirchlich oder profan, Bürgerinformation oder gemeinsames Feiern. Wenn sich Menschen aus Pummersdorf treffen wollen, dann gibt es mit dem alten Gemeindesaal einen gepflegten Ort der Gemeinschaft, der in Abstimmung mit unserer Feuerwehr zur Verfügung steht.

Das funktioniert deshalb so gut, weil es eine klare Hausordnung gibt und die Räumlichkeiten so hinterlassen werden, wie man sie selbst vorfinden möchte.

Hier wird gemeinsam gebetet, gelacht, getrauert und diskutiert. In Pummersdorf gibt es einen besonderen Zusammenhalt. Dafür braucht es besondere Menschen, die sich für die Gemeinschaft engagieren, und dafür braucht es auch den einen oder anderen besonderen Ort, wo sich dieses Miteinander manifestieren kann. In Pummerdorf gibt es heute die perfekte Symbiose von beidem.

Der vormalige Pummersdorfer Gemeindesaal ist dank engagierter Menschen wie Anton Zichtl zu einem Ort der Gemeinschaft geworden. Ein Treffpunkt, der als Vorbild dienen sollte für die gemeinschaftsorientierte Weiterentwicklung von St. Pöltens zahlreichen Siedlungsräumen.