
Täglich von 15-18Uhr
Programmüberblick Dezember 2025
- Mo. 1.12.2025: Streuobstwiese: Familie Schaup aus Steinfeld
- Di. 2.12.2025: Wer uns das Wasser abgräbt: Familie Afflenzer
- Mi. 3.12.2025: Der Bund der Bauern: Franz Weiländer
- Do. 4.12.2025: Würde und Ruhe: Christa Zöchling
- Fr. 5.12.2025: Das Gold der Erde: Elisabeth Prochaska
- Sa. 6.12.2025: Viel Geld für keine Auskunft – Protest am Podest
- So. 7.12.2025: Nicht betroffen? Roland Gwiss
- Mo. 8.12.2025: Eulen für die Politik: Regina Schmid
- Di. 9.12.2025: Spanferkel mit Erdäpfelsalat: Bertl & Harm
- Mi. 10.12.2025: Dok1 mit Martin Thür: Protest am Podest
- Mi. 10.12.2025: Ehrlich regional: David Kaiblinger
- Do. 11.12.2025: Was zu sagen ist: Franz-Josef Prochaska
- Fr. 12.12.2025: Bewahren statt zerstören: Dr. Erwin Lasslesberger
- Sa. 13.12.2025: Schadensmaximierung: Gerhard Rosenberger
- So. 14.12.2025: Freilandschweine: Andreas Hubmann
- Mo. 15.12.2025: Gipfel: Martin Rotheneder
- Di. 16.12.2025: Dorfrichter: Nikolaus Zichtl
- Mi. 17.12.2025: Gesundheit: Dr. Martin Feistritzer
- Do. 18.12.2025: Wenn Berge sterben: Josef und Erni Schremser
- Fr. 19.12.2025: Öffis statt Elterntaxi: Familie Janko
- Sa. 20.12.2025: Vom Ende der Welt: Douglas Adams
- So. 21.12.2025: Wo fahren wir hin? Familie Pruckner
- Mo. 22.12.2025: Perfekte Symbiose: Alois Posch
- Di. 23.12.2025: Stadtentwicklung: Katrin Gruber-Lang
- Mi. 24.12.2025: Frohe Weihnachten! Romana und Peter
- Do. 25.12.2025: Asphalt oder Zukunft? Julia Hieger
- Fr. 26.12.2025: Biotopkartierung St. Pölten: Bescheidbeschwerde
- Sa. 27.12.2025: Jetzt einmal ehrlich! Gottfried Kern
- So. 28.12.2025: Bodenversiegelung aufhalten: Gerhild Eigner
- Mo. 29.12.2025: Leben an der B20: Robert Schöller
- Di. 30.12.2025: Weiterdenken: Alexandra und Alfred Huber
- Mi. 31.12.2025: Sinn fürs Leben: Benedikt Reisner
Mi. 31.12.2025
Sinn fürs Leben: Benedikt Reisner

Seit meiner Kindheit fasziniert mich alles Leben in der Natur. Auf jedem Baum, in jeder Wiese und in jedem Gewässer gab es für mich immer schon eine ganze Welt zu entdecken.
Das Wasser hat es mir dabei besonders angetan. Nicht nur oberflächlich, sondern am Besten gleich mitten drin mit Taucherbrille und Schnorchel.
Alles wollte ich genau untersuchen und verstehen, egal ob im Bach, im Meer oder in einer gatschigen Pfütze am Feldweg. Mit der Zeit habe ich begonnen, auch Habitate für Tiere anzulegen, zu verbessern und bald auch Fische zu züchten.
Bei meinem Haus in St. Georgen habe ich naturnahe Lebensräume von Beginn an mitgeplant. Dazu gehört ein für Tiere attraktiv gestalteter Garten mit einem großzügig angelegten Gewässer: Der Teich mit 220m² bei einer Tiefe von bis zu 3m bietet heimischen Fischen, Amphibien, Insekten und Vögeln einen Lebensraum, der auch mir viel Freude bereitet.
Wie kann man sich an die Seite wilder Biber setzen und damit rechnen, dass sie es sich neben einem gemütlich machen? Wie kann man einen Fisch in aller Ruhe aus dem Wasser heben, ihn streicheln und dann wieder zurück ins kühle Nass geben? Wie schafft man es, dass einen Fische sogar auf den Mund küssen? Wie gelingt es, dass einem Vögel und andere sonst scheue Tiere ohne Angst wenige Zentimeter vor der Nase herumtanzen?
Über die Jahre habe ich gelernt, zu einem Teil der Natur zu werden und den Tieren nahe zu sein. Das gelingt nicht mit Tarnen und Täuschen.
Das gelingt nur mit Einfühlungsvermögen, viel Geduld und mit dem Wissen, was die Tiere mögen. Das ist bei jeder Art anders und selbst innerhalb einer Art verhalten sich Individuen unterschiedlich. Manche Tiere haben kaum eine Scheu, bei anderen dauert es Tage, Wochen oder auch Monate, um an ihrer Seite angenommen zu werden.
Die Fotografie kam erst in den letzten 8-9 Jahren dazu, als logische Konsequenz meiner Beschäftigung mit dem Wesen der Tiere. Das Foto ist also nicht mein eigentliches Ziel, aber es schafft die Möglichkeit, das Erlebte zu dokumentieren und dieses Wunder des Lebendigen mit anderen Menschen zu teilen.
Je mehr wir unsere Umwelt verbauen, desto größer wird auch die Entfremdung von unserer natürlichen Umgebung. Wenn wir unsere Wege vornehmlich mit dem Auto und nur mehr auf versiegelten Flächen zurücklegen, dann geht letztlich sogar unser Verständnis dafür verloren, dass Einkaufszentren und Supermärkte samt riesigen Parkplätzen mit ein paar mickrigen Alibibäumen keine Lebensräume sind – auch nicht für uns Menschen.
Mit ein bisschen Verständnis, dass auch Tiere genauso auf einen intakten Lebensraum angewiesen sind, wie wir und unsere menschlichen Nachbarn, sollte es klar sein, dass wir ihre Habitate nicht nach Belieben zerschneiden oder gar zerstören dürfen. Jeder naturnahe gestaltete Garten mit Gebüsch und Bäumen, sowie mit Rückzugsmöglichkeiten und freien Durchgängen zum nächsten Garten ist ein wertvoller persönlicher Beitrag, den Artenreichtum unserer Stadt zu fördern.
Lebewesen sind keine Sache. Auch Tiere haben Angst, auch Tiere fürchten Tod und Zerstörung.
Wenn ich vom Protest Podest aus Wünsche für das neue Jahr benennen darf, dann jene, dass wir den wild lebenden Tieren mit mehr Empathie und Respekt begegnen sollten, und dass ihre verbliebenen Lebensräume bewahrt werden.

Di. 30.12.2025
Weiterdenken: Alexandra und Alfred Huber

Der Innovationsgeist von St. Pöltens Bäuerinnen und Bauern ist erstaunlich. Vielfältige und jeweils einzigartige Konzepte, als generationenübergreifend geführte Familienbetriebe der Tradition treu und dennoch am Markt überlebensfähig zu bleiben, haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten aus erster Hand erfahren.
Wenn es um die Affinität zu ausgeklügelten technischen Lösungen geht, diese geschichtsträchtigen Betriebe am Puls der Zeit zu halten, dann haben wir spätestens heute mit Alfred und Alexandra unsere Lehrmeister gefunden.
Anfang der 1990er Jahre hat Alfred als mutmaßlich erster Landwirt in Österreich Gladiolen am Acker kultiviert. Mit der für die Bewirtschaftung des Feldes erforderlichen selbst gebauten Maschine hat er bewiesen, dass sich Erfindergeist gepaart mit landwirtschaftlichem Fachwissen bezahlt macht. Bereits nach wenigen Saisonen hat seine Pionierarbeit Nachahmer auf den Plan gerufen.
So wurde es bald Zeit für Neues. Wer jetzt glaubt, gemeint wäre damit ein Wechsel von der Schwertlilie auf eine andere Blume am Acker, der unterschätzt den unbändigen Innovationsgeist am Hof der Hubers.
Anfang der 2000er Jahre ging die gemeinsam mit dem Nachbarhof ausgetüftelte Biogasanlage in Betrieb. Eine ausgewogene Mischung von selbst produzierter Kukuruzsilage, Hühnermist und Kuhgülle werden in einem Behälter vergoren, um klimaneutral Methan zu produzieren. Dieses treibt einen Gasmotor an, der über einen Wechselstromgenerator seit einem Vierteljahrhundert ganzjährig Ökostrom ins Netz speist. Aus betrieblicher Sicht ist das aber nur ein kleiner Teilaspekt des Gesamtnutzens der Anlage.
Neben der nachhaltigen Stromproduktion ist mit der Biogasanlage eine ganze Reihe von Schritten in Richtung einer Kreislaufwirtschaft am Hof umgesetzt: Die Prozesswärme wird unter anderem für wohlige Wärme bei der Kükenaufzucht genutzt. Das Endprodukt der Gährung ist bester lebendiger Dünger, der zum kontinuierlichen Aufbau der Humusschicht auf den Feldern dient.
Die meisten Biogasanlagenbetreiber mussten nach Ablauf des Förderzeitraumes wieder aufgeben, weil sich so eine Anlage nur dann rechnet, wenn bildlich gesprochen alle Räder ineinander greifen und der gesamte Energie- und Materialfluss im Kreislauf gehalten wird. Bei unserer Anlage ist das der Fall.
Es bleibt natürlich zu hoffen, dass die Wertschätzung für die technisch anspruchsvolle, von Wind und Licht unabhängige Stromproduktion auch in Zukunft wertgeschätzt und mit einem fairen Preis vergütet wird.
Woher aber kommt diese unbändige Triebfeder, Neues auszuprobieren? Schon Alfreds Vater hat gerne geschweißt und er war auch ein begnadeter Herrgottschnitzer, dem wir einiges an Kunsthandwerk in der Region verdanken.
Das kreative Elternhaus alleine wäre aber zu kurz gegriffen. Alfred hat in jungen Jahren etwas gemacht, das in anderen Handwerksberufen gang und gäbe war: Er begab sich auf die Walz.
Diese führte ihn zunächst zu einem Viehbetrieb in Weymouth in Südengland und dann auch gleich noch ans andere Ende der Welt, nach Stanthorpe in Australien. Dort arbeitete er auf einer familiengeführten Gemüsefarm, wo eifrig an selbstfahrenden Setzmaschinen gebastelt wurde.
Die Frage nach selbstfahrenden Fahrzeugen hat uns am Ende des heutigen Tages auch noch zu einer spannenden Fragestellung in Zusammenhang mit der behaupteten weiteren Verkehrszunahme auf Österreichs Straßen geführt:
Wieviele Autos braucht Österreich?
Momentan sitzen in Österreich in einem Auto im Schnitt rund 1,3 Personen, Platz haben aber locker 4 Personen pro Pkw. Derzeit weist Statistik Austria für das Jahr 2024 7.424.940 zugelassene Kfz, davon 5.231.893 Pkw aus, bei einer Gesamtbevölkerung von 9.158.750 EW, davon 5.575.396 Erwachsene zwischen 20 und 64.
Die Autoindustrie hat in den letzten 20 Jahren weltweit die Anzahl zugelassener Kfz verdoppelt und möchte natürlich ihr lukratives Geschäft ad infinitum vorantreiben, auch in Österreich.
Das geht aber nicht mehr so einfach, weil statistisch gesehen schon 2024 auf 94% der Erwachsenen zwischen 20 und 64 ein zugelassener Pkw kommt. Der Markt ist also schon jetzt nahezu gesättigt.
Autonom fahrende Autos bieten der Autoindustrie einen Schlüssel, Autos künftig mit einem Besetzungsgrad sogar unter 1,0 auf den Straßen dieser Welt herumfahren zu lassen. Ein Schelm wer Böses denkt?
Unter keinen Umständen brauchen wir in Österreich noch mehr Autos, denn in den Autos, die heute schon zugelassen sind, kann problemlos mehr als die doppelte Gesamtbevölkerung Österreichs gleichzeitig Platz nehmen und auf Österreichs Straßennetz mit einer Gesamtlänge von 127.000km in der Gegend herumfahren. Statistisch gesehen hat bei dieser Betrachtung jedes der gleichzeitig auf der Straße befindlichen 7.424.940 Kfz eine Straßenlänge von 34m zur Verfügung, wenn man davon ausgeht, dass jede Straße im Mittel genau eine Spur je Fahrtrichtung und zwei Fahrtrichtungen aufweist.
Bei einer angenommenen Spurbreite von 3m steht damit jedem in Österreich zugelassenen Kfz 102,6m² Straße zur Verfügung. Parkplätze, Garagen und sonstige Nebenflächen exklusive. Zum Vergleich: die durchschnittliche Wohnfläche pro Person liegt in Österreich bei etwa 50m². Bereits heute gönnt man einem Auto also mehr als die doppelte „Wohnfläche“ im Vergleich zu uns selbst. Ist das nicht verrückt?
Die Kfz, die heute in Österreich zugelassen sind, reichen aus, um mehr als 20 Millionen Menschen gleichzeitig (!) zu transportieren.
Diese Kfz haben auf den Straßen, die es bereits gibt, etwa soviel Platz wie ein alleinstehender Mensch in einer Präsidentensuite.

Mo. 29.12.2025
Leben an der B20: Robert Schöller

Wenn ich gefragt werde, ob ich lieber eine Bundesstraße oder eine Autobahn vor der Haustüre habe, dann wäre es mir klarerweise am liebsten, gar keinen Straßenverkehr zu haben.
Diese Frage stellt sich aber nicht, und so ist mir natürlich die Bundesstraße bei weitem lieber als eine Autobahn. Beides zu wollen, wäre hingegen vollkommen verrückt.
Es erscheint ja geradezu absurd, sich als Anrainer neben der Mariazellerstraße auch noch eine zusätzliche Schnellstraße herbeizuwünschen, denn jedem, der sich auch nur ein bisschen mit der Materie befasst, muss klar sein, dass wir dann erst recht mit noch viel mehr Verkehr rechnen müssten.
Vor allem dürfen wir uns von einer S34 keine dauerhafte Entlastung der B20 erwarten. Dazu braucht man sich nur die Quelle-Ziel-Relationen ansehen. Niemand wird über Berg und Tal und Umwege entlang einer mautpflichtigen Schnellstraße nach St. Pölten fahren, wenn man viel einfacher schnurstracks geradeaus über die B20 ins Stadtzentrum gelangt.
Bereits vor 18 Jahren waren wir zu einer Diskussion eingeladen, die nach den Vorstellungen der Stadtpolitik bei uns Anrainern eigentlich Stimmung für die S34 erwecken sollte.
Nur hatte die Politik die Rechnung ohne den von ihr eingeladenen Verkehrsexperten gemacht.
Dieser fragte uns wörtlich: Was wollt Ihr eigentlich? Dann erklärte er uns unumwunden, dass wir von Glück sprechen können, dass es bei uns keine zusätzliche Schnellstraße gibt.
Dem Straßenverkehr waren auf der B20 nämlich bereits damals wirksam Grenzen gesetzt, und so mussten wir eben nicht, wie von Politikern und Straßenbauern immer wieder behauptet, mit einer weiteren Verkehrszunahme rechnen.
Die Entwicklung der letzten 18 Jahre gibt diesem Verkehrsexperten zu 100% recht. Wir können froh und dankbar sein, dass wir bis heute vom Straßenbau verschont geblieben sind und dass der Verkehr entlang der B20 in den letzten 10 Jahren sogar wieder abgenommen hat.
Unser Wohnort bietet für mich und meine Familie ein fast ideales Mittelmaß zwischen urbanem und ländlichem Leben: Egal ob Schule, Lebensmitteleinkauf, Gasthaus, Arzt oder Friseur. Alles gibt es bei uns in fußläufiger Erreichbarkeit. Das ist ein Alltag der kurzen Wege, wie man ihn sich kaum besser vorstellen kann.
Beruflich ist für mich der Weg deutlich weiter, wenn ich nicht gerade von zu Hause aus arbeite. Ich bin an der Universität Wien angestellt und habe von mir zu Hause keine 200m zum Zug. Mit den Öffis bin ich damit schneller in Wien, als das per Auto überhaupt möglich wäre.
Auch für Termine im Stadtzentrum bleibt das Auto in der Garage, denn in die Stadt fahre ich entweder öffentlich oder mit dem Fahrrad. Wenn wir Erholung in der Natur suchen, sind es zu Fuß nur wenige 100m, egal ob Richtung Traisen oder nach Westen, wo mit einer S34 alles, was wir dort schätzen und lieben, zerstört würde.
Als 1974 Geborener war es in meiner Jugend noch ganz selbstverständlich, mit 16 ein Moped zu besitzen und mit 18 einen Führerschein. Unsere Kinder sind jetzt 13 und 17 und bei ihnen stehen glücklicherweise ganz andere Interessen im Vordergrund. Dazu zählt ausdrücklich auch der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen.
Obwohl wir mit einiger Mühe auch ohne Auto auskommen könnten, besitzen wir eines, denn bei weitem nicht alle unsere Ziele sind ähnlich gut an den öffentlichen Verkehr angebunden, wie unser Zuhause.
Immerhin ist unser neues Auto ein vollelektrisches Modell und wir beziehen unseren Strom inzwischen von der Energiegemeinschaft St. Georgen-Wilhelmsburg. Mich fasziniert wirklich, dass über Mittag das Laden locker bis Mitte Oktober zu 100% mit dem in der Region produzierten Solarstrom klappt.
Nur auf das Auto zu setzen, wäre jedoch die schlechteste aller Ideen. Wir selbst beschränken die Nutzung des Autos auf die wenigen Gelegenheiten, wo wir damit schneller und komfortabler ans Ziel kommen.
Zur weiteren Reduktion der Autonutzung erhoffe ich mir einen kontinuierlichen Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Dazu braucht es natürlich eine Aufwertung der Traisentalbahn, sowie entlang der Strecke Park&Ride Möglichkeiten. Wenn alle per Auto bis zum St. Pöltner Hauptbahnhof fahren, um erst dann in den Zug zu steigen, dann kann das nichts werden mit der Verkehrsreduktion entlang der B20.
Das Klimaticket ist aus meiner Sicht einer der bisher besten und wichtigsten Bausteine, um den Menschen den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr schmackhaft zu machen und den motorisierten Straßenverkehr nachhaltig einzudämmen.
Mit seiner Schlussfolgerung bringt Robert das auf den Punkt, was uns am Protest Podest alle verbindet:
Die Fortschritte bei der Energie- und Verkehrswende sind ein ermutigendes Zeichen dafür, dass wir die Herausforderungen unserer Zeit weiterhin stemmen können, wenn wir den in den vergangenen Jahren eingeleiteten Weg konsequent fortsetzen.
Die Absage der S34 war und ist in St. Pölten ein entscheidender Teil dieses zukunftsgewandten Weges.
So. 28.12.2025
Bodenversiegelung aufhalten: Gerhild Eigner

Gerhild gibt uns heute am Protest Podest einen Überblick darüber, wie Akteure im Land NÖ dabei unterstützen, die Versiegelung von Freiflächen in Niederösterreich zu verhindern und bereits beanspruchte Flächen zu entsiegeln.
Es lohnt sich also, die von Gerhild bereitgestellte Unterlage genauer zu studieren und weitere Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen.
Sa. 27.12.2025
Jetzt einmal ehrlich! Gottfried Kern

Als heutiger Gastgeber am Protest Podest plädiert er für mehr Ehrlichkeit in der Politik … und für eine Absage der S34 als unausweichliche Konsequenz eines aufrichtigen Umgangs mit den heute vorliegenden Fakten.
Gottfried hatte als einer der Interviewpartner von Martin Thür in der Sendung Dok-1 mehrere Minuten lang Stellung bezogen und auch wichtige Zahlen, Daten und Fakten genannt, die Asfinag und Politik gerne verschweigen.
Bei den Zuseherinnen und Zusehern ist Gottfried mit seiner direkten Art gut angekommen. Dennoch bedauert Gottfried, dass es die von ihm benannten sachlichen Gründe, die gegen die S34 sprechen, samt und sonders nicht in die Sendung geschafft haben.
28.000 Kraftfahrzeuge pro Tag passierten 2014 die amtliche Zählstelle entlang der B20. Die Asfinag rechnete uns damals in den S34-Einreichunterlagen vor und behauptet bis heute, dass entlang der B20 jedes Jahr so viel Verkehr dazu kommt, dass wir in St. Pölten diese Umfahrungsstraße um hunderte Millionen Euro unbedingt bauen müssen.
Hinter vorgehaltener Hand habe ich schon am Rande der ersten Projektvorstellung von einem leitenden Asfinag-Mitarbeiter erfahren, dass das mit den Umfahrungsstraßen eine ewige Trickserei ist: Erst mit dem Bau der Straße wird der Verkehr mehr, eine Entlastung am Bestandsnetz gibt es nur für ganz kurze Zeit.
Schon bald nach der Projektumsetzung ist die Bestandsstraße – in unserem Fall die B20 – wieder voll mit Autos. Auf der Umfahrungsstraße kommt der Verkehr dann extra dazu, eben alles, was auf der neuen Straße Platz hat. Das läuft so, seit es Umfahrungsstraßen gibt, und Umfahrungsstraßen von Umfahrungsstraßen und so weiter.
Um diese Trickserei möglichst endlos am Laufen zu halten, faseln Politiker, Verkehrsplaner und Asfinag seit jeher etwas daher von einem natürlichen Verkehrswachstum und einem angeblichen Kollaps, wenn wir diesem Verkehrswachstum nicht immer mehr Raum geben. Dieses Wachstum ist aber nichts anderes als genau jene Verkehrszunahme, die sich erst deswegen einstellt, weil wir immer mehr Platz für Autos und somit immer weniger für die Natur, die Nahrungsproduktion und uns selbst zur Verfügung stellen.
Und genau das ist der wahre Kollaps, auf den wir zusteuern, wenn wir bei diesem unverschämten Treiben nicht endlich die Stopp-Taste drücken.
Die Politiker, die weiterhin die S34 fordern, sollen den Leuten einmal ganz ehrlich ins Gesicht sagen, dass in St. Pölten schon jetzt fast 200m² pro Einwohner an Verkehrsflächen gewidmet sind und dass durch die S34 mit einem Schlag nochmals 10% an Verkehrsfläche dazukommt.
Und wofür? Damit den Menschen in St. Pölten, die heute von der B20 belastet werden, dann der Verkehr um die Ohren fetzt, der dann auf B20 und S34 Platz findet.
Die erfreuliche Wahrheit in St. Pölten ist: 2024 weist die amtliche Verkehrszählung an der B20 27.000 Kraftfahrzeuge pro Tag aus, also weniger als 2014. Dabei hatte St. Pölten im Jahr 2014 gerade einmal 52.000 Einwohner, heute sind es 60.000.
Wenn Politiker bei er Wahrheit bleiben, dann sollen sie reinen Gewissens der Bevölkerung sagen, dass wir keine neuen Straßen mehr brauchen, weil St. Pölten schon jetzt auf bestem Weg ist, Bevölkerungswachstum und Eindämmung des motorisierten Straßenverkehrs unter einen Hut zu bekommen.
Es ist ja eigentlich vollkommen unverständlich, dass sich unsere heutige Stadtregierung diese erfreuliche Entwicklung nicht auf die eigenen Fahnen heftet, das auf der Haben-Seite verbucht und dazu verspricht, den eingeschlagenen Weg bei der Verkehrsreduktion durch proaktive Absage der S34 konsequent fortzusetzen.
Die neue Straße hilft weder den Betroffenen entlang der B20, noch sonst irgendwelchen Stadtbewohnern. Vielmehr schadet sie uns allen, weil sie viel mehr Verkehr nach und durch St. Pölten bringt. Da rede ich noch nicht einmal von einer drohenden künftigen Transitstrecke, die durch einen sukzessiven Weiterbau von Anschlussstrecken Richtung Norden und Süden entstehen wird.
Laut Asfinag-Einreichunterlagen soll nämlich in St. Pölten der Gesamtverkehr bereits 2030 um fast 50% höher liegen als 2019, und das heißt jedes Jahr zig mehr Kranke und Tote durch straßenverkehrsbedingten Feinstaub, Lärm und Unfälle. Wenn man der eigenen Bevölkerung das antut, mit einer Straße, die heute niemand mehr braucht, den Verkehr in St. Pölten künstlich in die Höhe zu treiben, dann nehmen die Politiker unser Leid bewusst in Kauf.
Wir haben deswegen auch die Bundesregierung, allen voran Verkehrsminister Hanke, auf die Tricksereien der Straßenbauer aufmerksam gemacht, weil diese Verkehrsentwicklung in völligem Widerspruch zu Österreichs rechtsverbindlichen Klimazielen steht.
Gerade angesichts der weißen Weihnachten in St. Pölten würde ich mir wünschen, dass auch die verantwortlichen Politiker auf eine weiße Weste achten.
Jeder, der es gut mit den Menschen meint, darf an der S34 unter keinen Umständen festhalten.
Kein Politiker kann über Leichen gehen wollen.
Genau das würde aber passieren, wenn man mit alledem, was heute über die Folgen dieses Straßenbaus bekannt ist, grünes Licht dafür geben würde.
Fr. 26.12.2025
Biotopkartierung St. Pölten: Bescheidbeschwerde

Weil seitens der Stadtregierung die Besinnung noch immer nicht gereift ist, dass die bereits 2022 fertiggestellte Biotopkartierung auch für die Politik eine entscheidende rechtsverbindliche Richtschnur im Umweltschutz ist, müssen wir auch über die Feiertage dranbleiben.
St. Pöltens verbliebene Restnatur gilt es zu erhalten: zum Schutz der vielen wild lebenden Tiere und auch für unser Gemüt.
Am 3.11.2025 stellten wir einen Antrag auf Herausgabe der bereits 2022 abgeschlossenen Biotopkartierung. Mit Bescheid vom 24.11.2025 wurde uns die Herausgabe verweigert.
Heute haben wir dazu nachstehende Beschwerde eingebracht.
Es bleibt spannend, ob unsere Stadtregierung noch vor der Wahl zur Besinnung kommt, einlenkt und die Umweltinformation herausgibt. Wir werden in dem Fall natürlich unverzüglich berichten.
Bis dahin bitten wir auch weiterhin um Euer gutes Wort in Bürgermeisters Ohr, den Umweltschutz ernst zu nehmen, die Leistungen der Urheber der Biotopkartierung zu würdigen statt sie zu verklagen und die für die Erhaltung unserer Umwelt so wichtige Biotopkartierung endlich herauszugeben.
Do. 25.12.2025
Asphalt oder Zukunft? Julia Hieger

Mi. 24.12.2025
Frohe Weihnachten! Romana und Peter

Von Liebe, Hoffnung und der Verantwortung für unsere Region
Am heutigen Weihnachtstag stehen wir hier auf diesem Feld entlang der geplanten Trasse der S34. Ein in Weiß gehüllter Ort, der still wirkt und doch so viel erzählt. Seit September berichten hier Anrainer:innen, Landwirt:innen und Initiativen von ihrer Betroffenheit. Geschichten von Sorge, von Verlust, aber auch von Zusammenhalt.
Weihnachten ist das Fest der Liebe. Liebe zur Familie, zu unseren Mitmenschen und auch zur Natur, die uns trägt. Zu unserer Heimat, die mehr ist als ein Stück Land auf einer Planungsmappe. Sie ist Lebensraum, Wasserspeicher, Nahrungsgrundlage, Rückzugsort für bedrohte Arten und für uns Menschen ein Ort der Verwurzelung.
Als Anrainer der B20 wissen wir, was es bedeuten würde, künftig zwischen B20, S34 und Spange Wörth eingekesselt zu sein. Viele kennen dieses Gefühl: den zunehmenden Bodenverbrauch, die drohende Absenkung des Grundwassers, den Verlust fruchtbarer Böden und die Gefährdung jener Arten, die keinen lautstarken Protest erheben können.
Und doch ist Weihnachten auch das Fest der Hoffnung.
Hoffnung darauf, dass Lösungen möglich sind – für alle Betroffenen. Dass Menschen, die heute unter der Belastung der B20 leiden, entlastet werden können, ohne neue Probleme an anderer Stelle zu schaffen. Hoffnung auf zukunftsfähige Mobilitätslösungen im öffentlichen Verkehr, die verbinden statt trennen. Hoffnung auf politische Entscheidungen, die Klima-, Boden- und Wasserschutz ernst nehmen.
Die Weihnachtsgeschichte erzählt von Erlösung, von einem Neubeginn, von dem Mut, einen anderen Weg zu gehen. Vielleicht liegt genau darin auch unsere Aufgabe: innezuhalten, zuzuhören und den Mut zu haben, Projekte zu hinterfragen, die mehr zerstören als sie nützen.
Wir stehen hier nicht aus Ablehnung, sondern aus Liebe.
Liebe zur Natur.
Liebe zu unserer Heimat.
Liebe zu kommenden Generationen.
Möge dieses Weihnachtsfest uns daran erinnern, dass echte Lösungen aus Verantwortung, Respekt und Mitgefühl entstehen und dass Hoffnung dort wächst, wo Menschen gemeinsam für das Leben einstehen.
Frohe Weihnachten!
Romana & Peter
Di. 23.12.2025
Stadtentwicklung: Katrin Gruber-Lang

Die geborene Waitzendorferin hat auf der Grazer Karl-Franzens-Universität Umweltsystemwissenschaften mit Schwerpunkt Biogeographie studiert. Graz ist berufsbedingt auch heutiger Lebensmittelpunkt der Familie Gruber-Lang, aber an den freien Wochenenden ist der von ihrem Bruder geführte Milchhof Gruber in Waitzendorf der beste Ort für ihre beiden kleinen Kinder, um den generationenübergreifenden Zusammenhalt zu erleben und die Welt zu entdecken.
St. Pölten ist vom Flächenausmaß ähnlich groß wie Graz, und so lohnt es sich, aus erster Hand von Katrin eine Gegenüberstellung der Qualiäten der beiden Landeshauptstädte zu erfragen. Dabei geht es ebenso um ihre Ideen, wie man die guten Entwicklungen von Graz übernehmen und Probleme von vorne herein vermeiden kann.
Zur seriösen Gegenüberstellung muss ich gleich einmal vorausschicken, dass Graz bei gleicher Fläche fast 6 mal so viele Einwohner hat. In Graz gibt es inzwischen nirgendwo mehr ausgedehnte landwirtschaftliche Produktionsflächen, die mit jenen in St. Pölten vergleichbar wären. Vornehmlich findet man in Graz Pferdehöfe und dann noch ein paar Gemüsebauern mit sehr kleinen Produktionsflächen. Ansonsten ist die hügelige Landschaft um Graz geprägt von Wald und Grünlandwirtschaft.
Graz ist ein Hotspot der Automobilindustrie, hat aber sehr früh selbst die katastrophalen Auswirkungen einer autozentrierten Verkehrspolitik zu spüren bekommen. Aufgrund seiner Kessellage und dem geringen Luftaustausch, der teils auch auf schwer wiegende Planungsfehler bei der Stadtentwicklung zurückgeht, ist die Bevölkerung der steirischen Landeshauptstadt bis heute stark betroffen von Schadstoffbelastungen.
Bereits Mitte der 1990er Jahre hat Graz mit der flächendeckenden Einführung von Tempo 30 im gesamten nachrangigen Straßennetz international aufhorchen lassen, ebenso mit Temporeduktionen auf den Autobahnen nach dem damals neuen Immissionsschutzgesetz-Luft.
Wenn ich diese Probleme meiner Heimatstgadt St. Pölten gegenüberstelle, dann stelle ich nach alledem, was wir im Studium über die hausgemachten Probleme in Graz gelernt haben, folgendes fest:
Die bestehende Querung der Westautobahn durch St. Pölten ist perfekt gelegen, um auf kürzestem Wege die Stadt zu durchfahren, ohne die Bevölkerung schwer mit Schadstoffen zu belasten. Die Ost-West-Orientierung der A1 verläuft nämlich im rechten Winkel zur Nord-Süd-Achse des dicht besiedelten Stadtgebiets entlang der Traisen. Außerdem trägt die überwiegend vorherrschende Westwindsituation dazu bei, dass sich Schadstoffe und Lärm nur in vergleichsweise geringem Ausmaß ins bewohnte Gebiet ausbreiten.
Mit der geplanten S34 würde sich das mit der Belastung für die Stadtbevölkerung mit einem Schlag ins Negative verkehren. Mit der S34-Trasse im westlichen Stadtteil, noch dazu hoch über dem dicht besiedelten Stadtgebiet, würde sich St. Pölten mit dieser selbst gebauten Schadstoffschleuder die Stadtluft verpesten. Mit einer dauerhaften Beeinträchtigung der Luftqualität und folglich mit einer entsprechenden kürzeren Lebenserwartung der Stadtbevölkerung wäre fix zu rechnen. Es liegen inzwischen auch Gutachten vor, die das belegen.
Die steirische Landeshauptstadt hat wegen der verkehrsbedingten Schadstoffproblematik bereits vor Jahrzehnten begonnen, gegenzusteuern. Heute sind die Grazer Radwege, Straßenbahn und Busse hervorragend ausgebaut. Das überwiegende Interesse, Graz möglichst frei vom Autoverkehr zu machen, geht sogar so weit, dass die Benutzung der Altstadt-Bim gratis ist.
Für St. Pölten möchte ich anregen, sich vorzustellen, wie die Stadt in 100 Jahren aussehen soll. Mit einem solchen Ansatz wird auch subjektiv fassbar, welche Maßnahmen in Richtung einer wirklich lebenswerten, resilienten Stadt gehen.
Aus verkehrspolitischer Sicht wäre es aus meiner Sicht essenziell, die Bahnlinie im Traisental durchgängig zu attraktivieren und eine schienengebundene Durchbindung entlang der Nord-Süd-Achse zu schaffen, sei es in Form einer Straßenbahn oder einer S-Bahn.
Die Freihaltung von Frischluftschneisen spielt eine entscheidende Rolle für das künftige Mikroklima der Stadt. Alleine das ist ein 100%iges No-Go für die teils in Dammlage bis zu 17m über Bodenniveau geplante Schnellstraße, die den Frischluftstrom unter Umständen völlig zum Erliegen bringen könnte. Es geht hier auch um die Siedlungsentwicklung und sonstige Verbauung, wo man sich bei der Beeinträchtigung der Frischluftzufuhr auf keinerlei Kompromisse und kein Risiko einlassen sollte.
Einmal falsch verbaut bedeutet, dass die Frischluft dann nicht mehr ins Stadtzentrum vordringt, und das hätte gerade angesichts der voranschreitenden Klimaerhitzung schwer wiegende negative Auswirkungen auf Hitzeinseln in der Stadt und somit auch unmittelbar auf die Gesundheit und das Leben der Stadtbevölkerung.
St. Pölten hat es in der eigenen Hand, die Fehler, die in Graz vor vielen Jahrzehnten begangenen wurden, auszulassen und als einzigartige Stadt der Dörfer zu einem Musterbeispiel für resiliente Siedlungsräume zu werden.
Gerade in Zeiten wie diesen braucht Österreich Vorbilder für Neues und nicht Nachahmer von Fehlentwicklungen, wenn es um Umwelt- und Klimaschutz geht.
Mo. 22.12.2025
Perfekte Symbiose: Alois Posch

Über drei Jahrzehnte lang habe ich Soldaten beigebracht, mit allen möglichen Fahrzeugen auf und abseits der Straße sicher unterwegs zu sein. An die 1.500 Auszubildende sind durch meine Schule gegangen.
Die Geländegängigkeit von Kraftfahrzeugen basiert auf vielfältigen technischen Merkmalen wie Allradantrieb, Bodenfreiheit, Achsverschränkung und robusten Fahrwerken mit Portalachsen und großen Reifen, ergänzt um Differenzialsperren und Untersetzung für maximale Traktion, sowie hohen Böschungswinkeln und hinreichender Wattiefe für Steigungen und Wasserpassagen. Der Fahrzeugrahmen muss flexibel genug sein, um allen denkbaren Verwindungen standzuhalten, ohne dass der Aufbau beschädigt wird.
Wer mit den Raffinessen der Fahrzeugtechnik so gut vertraut ist wie Alois, der gibt sich auch privat nicht mit der zweitbesten Fahrzeugkonstruktion ab.
Fürs Gelände hat der passionierte Wildpfleger einen verlässlichen Allradler aus Japan. Wenns um die bevorzugte Alltagsmobilität auf der Straße geht, dann ist für Alois die Sache völlig klar: Nicht vier, sondern zwei Räder sind das Maß der Dinge.
Das moderne Fahrrad ist demnach das mit Abstand beste Fortbewegungsmittel, wenn es um Einfachheit, Effizienz und um die perfekte Symbiose zwischen menschlichem Körper und Fahrzeug geht.
Man braucht ein Fahrrad nur kurz anschubsen, und es läuft fast ohne Abrollwiderstand und stabilisiert sich ganz von selbst.
Wenn man probiert, ein Auto anzuschieben, dann merkt man erst, wieviel Rollwiderstand ein Motor überwinden muss, und das liegt nicht nur am hohen Fahrzeuggewicht.
Bei vier oder mehr Rädern auf der Straße arbeiten die Räder immer auch gegeneinander, das führt zu höherem Energieverbrauch, zu Reifenabrieb und zum deutlich hörbaren Abrollgeräusch mehrspuriger Fahrzeuge.
Ich bin inzwischen 89 Jahre alt und erledige den Einkauf am liebsten per Fahrrad. Von Pummersdorf aus habe ich auch meine Tour fürs Freizeitradeln, die führt mich dann z.B. von Gerersdorf durch Prinzersdorf über Ober-Grafendorf nach Kammerhof und dann wieder über eine andere Route nach Hause. So komme ich täglich auf gut 30km, hie und da streue ich auch noch Touren mit 60-70km ein.
Und das mit der Straße da? Also das ist ja wirklich eine bodenlose Frechheit, heute noch an so was zu denken.

So. 21.12.2025
Wo fahren wir hin? Familie Pruckner

Wir alle wollen ja von A nach B und wieder zurück und das schnell, so Bundesminister Hanke im Rahmen einer Negativ-Preisverleihung. Nicht nur damit sorgt der ausgezeichnete Herr mit Töpchen bei unzähligen hellen Köpfen für konsternierte Ratlosigkeit. Seinen Spaß an der Sache münzt der Verkehrsminister in nicht minder fehlgeleitete weitere Worte um, angesichts 5 vor 12 den sündteuren Weg in den Abgrund jetzt noch ganz rasch fertigzustellen und möglichst viele weitere Preise fürs Zubetonieren einheimsen zu wollen.
Zu den besonders hellen Köpfen gehören ganz zweifellos auch die Kinder von Katja und Roman:
Als wir uns von der Geburtstagsfeier auf den Weg machten, fragten uns die Kinder: Wo fahren wir jetzt hin?
Wir fahren jetzt zu Leuten, die den Bau einer Straße durch unsere Mandelkultur und durch unsere Äcker verhindern wollen, antwortete Katja.
Toni (5 Jahre alt): Aber wenn da eine Straße ist, dann können wir ja nichts mehr anbauen!? Und dann haben wir auch nichts mehr zum Essen.
Finn (3 Jahre alt): Dann sind wir aber tot!
Na ganz so schlimm ist es nicht, beruhigen die Eltern. Danach macht sich die Familie auf den Weg zum Protest Podest.
Die beiden haben auf die drastische Schlussfolgerung von Finn natürlich beschwichtigend reagiert. Und das wohl wissend, dass die zwei kleinen Buben mit ihren Feststellungen den Nagel präzise auf den Kopf getroffen haben.
Im Gegensatz zu den beiden Kindern hat der 61 Lenze zählende Politiker Hanke mit seinen Ausführungen so scharfzüngig danebengehauen, wie das in der kurzen Zeit der bizarren Gesprächssituation überhaupt nur irgend möglich war.
Was treibt nun die junge Familie an, am vierten Adventsonntag, am Tag der Wintersonnenwende, der ebenso ganz ohne Sonne daherkommt wie der bisherige trübe Dezember, ihren Nachmittag am kalt-feuchten Protest Podest zu verbringen?
Weil es uns eine Herzensangelegenheit ist, hier als Teil der Gesellschaft ein gemeinsames Zeichen zu setzen, damit wir richtig abbiegen.
Außerdem sind wir von der geplanten Schnellstraße insofern betroffen, als es mit deren Realisierung nur mehr eine Frage der Zeit wäre, bis die Straßenbauer die Spur der Verwüstung Richtung Norden weiterführen, und zwar als Westtangente. Spätestens dann wäre es mit unserem ruhigen Leben im Stillen Tal vorbei, und ebenso mit unserer bäuerlichen Existenz.
Auf unserem Hof sind wir ganz genau genommen Quereinsteiger, wir haben ihn nämlich von Romans Onkel übernommen. Katja war früher Lehrerin in der landwirtschaftlichen Schule in Sooß und führt heute hauptberuflich den Betrieb. Roman hat von seiner Kindheit an am Hof seines Onkels mitgearbeitet. Er ist gelernter LKW-Mechaniker, den Beruf übt er auch heute neben der landwirtschaftlichen Arbeit aus.
Wer heutzutage einen landwirtschaftlichen Betrieb übernimmt, macht das aus einem inneren Antrieb heraus. Für manche Außenstehende sind alles, was wir hier sehen, nur Grundstücke und Felder, deren Wert nach Flächenausmaß und Quadradmeterpreisen bestimmt wird. Für Menschen, die das bewirtschaften, ist das lebendiger Boden und eine Wirtschaft mit Geschichte und Zukunft.
Wenn wir uns die alten Bilder anschauen, wo unsere Vorfahren noch stolz neben dem Ochsenfuhrwerk posieren, dann wird offenbar, dass das, woran wir arbeiten, in einer Weise sinnstiftend ist, die sogar noch weit über unsere Familie und über die heute lebenden Generationen hinaus geht.
Unser Zukunftsprojekt am eigenen Hof ist die Mandelbaumkultur. Selbst das ist für uns schon heute mit Geschichte verbunden. Für uns war es als Jungfamilie etwas ganz Besonderes, gemeinsam mit den kleinen Buben das Mandelfeld anzulegen, mit ihnen beim Pflanzen der Bäumchen den Spaß an der Freude zu teilen und gleichzeitig an einer gemeinsamen guten Zukunft zu arbeiten.
Wenn es wirklich einen ehrlichen guten Willen gibt, Lösungen für die Mobilitätszukunft zu entwickeln, und den Kindern eine gute Zukunft zu bereiten, dann gibt es hier in St. Pölten die allerbesten Voraussetzungen dafür.
Solche Lösungen beginnen einmal damit, dass man endlich aufhört, für Verkehr noch mehr Boden zu verbauen, denn an Verkehrsfläche haben wir in St. Pölten mehr als genug.
Einige zielgerichtete Maßnahmen haben schon jetzt dazu beigetragen, dass der Gesamtverkehr in St. Pölten in den letzten 10 Jahren deutlich abgenommen hat.
Mit Klimaticket und Ausbau des öffentlichen Mobilitätsangebotes wurde ja ein guter Weg eingeleitet, der müsste nun konsequent fortgesetzt werden.
Mit einer Attraktivierung des Bahnnetzes ließe sich der Verkehr entlang der B20 nochmals deutlich reduzieren.
Familien, die nur selten weiter wegfahren, wird es derzeit immer noch besonders schwer gemacht, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. In gewisser Weise ist es ja nachvollziehbar, dass reisende Familien nicht das primäre Problem sind, wenn es um unsere Ökobilanz beim Autofahren geht, weil wir mit dem hohen Besetzungsgrad ohnedies vergleichsweise sehr gut dastehen.
Dennoch wäre es wünschenswert, dass unsere Kinder von klein auf zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel erzogen werden. Mit einem attraktiven österreichweiten Tarifmodell, das auch den Bedürfnissen von Gelegenheitsnutzern, Familien und besonders den Kindern entgegenkommt, wäre wahrscheinlich vor allem im ländlichen Raum noch sehr viel zu gewinnen, um den motorisierten Straßenverkehr nachhaltig einzudämmen.
Wer jetzt die Überlegungen von Roman und Katja in Zeiten leerer Kassen vorschnell als reines Wunschdenken abstempeln möchte, der sei an die Milliardenbeträge erinnert, mit denen der Verkehrsminister in ganz Österreich gerade bestrebt ist, die Zukunftshoffnungen von unzähligen Familien wie den Pruckners unter Beton zu begraben. Selbstverständlich können diese Milliarden bei entsprechendem Willen des Gesetzgebers auch in zukunftsgewandte Mobilitätsprojekte investiert werden, statt in den Bau neuer Autobahnen und Schnellstraßen.
Und noch etwas: Wer möglichst schnell von A nach B und wieder zurück nach A kommen möchte, will genaugenommen nur leere Kilometer machen. Laut §7 Abs. 6 StVO ist jedoch ein solches unnützes Hin- und Herfahren gesetzlich verboten. Also nein, Herr Minister: Niemand von uns möchte leere Kilometer machen. Wir wollen uns vielmehr von Ihnen erwarten dürfen, dass Sie den Mobilitätsmasterplan 2030 für Österreich verstehen, beherzigen und umsetzen.
Sa. 20.12.2025
Vom Ende der Welt: Douglas Adams

Auf der Erde – als es die Erde noch gab, bevor sie zerstört wurde, um einer Hyperraum-Umgehungsstraße Platz zu machen – hatte es das Problem mit den Autos gegeben.
Alle Nachteile, die man auf sich nahm, indem man Riesenmengen schwarzen klebrigen Schlamm aus der Erde zog, wo er sicher und gefahrlos versteckt gewesen war, ihn in Teer verwandelte, um das Land damit zuzudecken, in Rauch, um die Luft damit zu erfüllen, und den Rest ins Meer kippte, all das überwog doch den Vorteil, noch schneller von einem Ort zum anderen gelangen zu können – besonders wenn der Ort, an den man dann kam, wahrscheinlich als Ergebnis alles dessen, dem Ort ganz ähnlich geworden war, aus dem man gerade kam, d.h. mit Teer zugedeckt, voller Rauch und ohne Fisch.Zitat aus Douglas Adams Das Restaurant am Ende des Universums, Kapitel 22
Fr. 19.12.2025
Öffis statt Elterntaxi: Familie Janko

Als Studierende der Musikwissenschaften pendelt Elisa zwischen Wien und Nadelbach, Alexander ist Internatsschüler im Francisco Josephinum Wieselburg. Die zweite Tochter geht in die Oberstufe BORG St. Pölten.
In Nadelbach gibt es morgens einen Schulbus in die Stadt, ab Mittag verkehrt der Schulbus um 12, 13 und 14:00 Uhr nach Nadelbach, bei Nachmittagsunterricht dann nicht mehr. In der Lebensrealität von Familie Janko waren die Schulzeiten und die sonstigen Wege der Kinder nur in Ausnahmefällen kompatibel mit den Fahrzeiten der Schulbusse. Abgesehen davon gibt es keine öffentliche Verkehrsanbindung in Nadelbach, quasi jeder ist angewiesen auf das Auto.
Fürs Gehen und Radeln sind die Straßen, die ins Stadtzentrum führen, weder attraktiv noch sicher. Wenn sogar wir Erwachsene uns unwohl fühlen, dann sind diese Straßen auch kein Platz, wo wir die Kinder unbeaufsichtigt per Rad oder zu Fuß auf den täglichen Schulweg schicken wollen.
So kam es, dass sich das Leben von Andrea seit 17 Jahren mit geschätzten drei Fahrten täglich um das Elterntaxi dreht. Sicher wäre es ein ganz anderes Leben für mich und für die Eigenständigkeit der Kinder, wenn Nadelbach mit Öffis ans Stadtzentrum angebunden wäre. Natürlich ist es eine enorme persönliche Einschränkung, über fast zwei Jahrzehnte hinweg keiner geregelten beruflichen Beschäftigung nachgehen zu können, weil ich stets mein Leben nach dem Stundenplan meiner Kinder ausrichten musste.
Für Elisa ist eines jetzt schon fix: Bei der Wahl meines künftigen Lebensmittelpunktes lege ich besonderen Wert auf eine gute öffentliche Erreichbarkeit.
Am anderen Ende der Betrachtung stehen St. Pöltens Schulen, vor denen das alltägliche Chaos ausbricht, wenn die Elterntaxis der Region zur gleichen Zeit die selbe Adresse ansteuern. Solange Teile des Einzugsgebietes der St. Pöltner Schulen so mangelhaft angebunden sind wie Nadelbach, wird sich auch wenig zum Besseren ändern.
Viel schwerer könnte man es den Elterntaxis machen, sich vor den Schulen der Stadt zum täglichen großen Schautanz zu vereinen, wenn die Siedlungsgebiete unserer Stadt durchwegs öffentlich erreichbar wären.
Viel leichter könnte man es damit auch den jungen Menschen machen, in den Dörfern der Stadt Zukunft zu gestalten und hier ihr Leben aufzubauen. Zumindest ein wichtiges Kriterium für Elisas Zukunftspläne wäre erfüllt, wenn auch in Nadelbach ein Leben ohne eigenes Automobil gefördert würde.
Auch Alexander denkt schon viel weiter: Nach dem großen Hochwasser haben sich bei uns in kürzester Zeit Wildenten und weitere wild lebende Tiere niedergelassen, nach Wieder-Instandsetzung der Bachregulierung war dann aber der Zauber gleich wieder vorbei. Wenn man der Natur ein bisschen mehr Raum gibt und im Zuge von Renaturierungsmaßnahmen darauf schaut, dass der Nadelbach wieder das seit dem Bau der Güterzugumfahrung verschwundene Oberflächenwasser führt, dann kann auch unser Ort wieder aufblühen.
Für Martin ist es vollkommen unverständlich, dass die Politik mit einer monströsen Schnellstraße Fehlentwicklungen vergangener Jahre noch weiter an die Spitze treiben möchte: Unsere Kinder erwarten sich mit Recht, dass wir ihre Lebensgrundlagen bewahren. Wenn man weiß, dass bereits mit der Güterzugumfahrung der Nadelbach und die meisten Brunnen der Gegend dauerhaft trocken gefallen sind, dann ist es inakzeptabel, im Rahmen der geplanten Eingriffe am Poppenberg und in Völtendorf mit weiteren schwerwiegenden Eingriffen ins Grundwassersystem dasselbe Vabanquespiel mit völlig unklarem Ausgang noch einmal zu wiederholen.
Keine noch so teure Straße kann mehr wert sein als frisches, gesundes Trinkwasser für die Bevölkerung.

Do. 18.12.2025
Wenn Berge sterben: Josef und Erni Schremser

Erni und Josef üben sich tagtäglich in einem möglichst ressourcenschonenden Leben im Einklang mit der Natur. Das Auto nutzen sie wenig, dafür die eigenen Beine so viel wie möglich. Selbst über das Mikroplastik, das beim Waschen ihrer Funktionsbekleidung ins Abwasser gelangt, machen sie sich Gedanken. Wohlwissend, dass der Reifenabrieb vom Straßenverkehr mengenmäßig und aufgrund besonders giftiger Bestandteile einen vielfach höheren Schaden anrichtet.
Die Relation von Ursache und Wirkung menschlicher Einflussnahme machen sie am heutigen Protest Podest anhand ihrer Erfahrungen des Lebens an Orten fest, die vor menschlichem Zugriff vermeintlich noch am besten geschützt sind.
Allerhand hat Josef am Berg schon erlebt, aber vom heurigen Besuch in der Ramsau ist er nachdenklich und besorgt nach Hause gekommen. Der Dachstein-Gletscher ist in einem erschütternden Zustand: Der Randkluftsteig ist aufgund des massiv zurückgegangenen Eises inzwischen kaum noch zu überwinden, eine Kletterhilfe hat sich wegen fehlendem Gletschereis gar der Reichweite entzogen und muss verlängert werden. Der Klimawandel hat in den letzten 5 Jahren voll zugeschlagen.
Auf den Berg und zum Bergwandern kamen die beiden über Josefs Eltern, von denen sie vor Jahrzehnten auch die Bewirtschaftung der Türnitzer Hütte für den Alpenverein-Gebirgsverein übernommen haben: Mittlerweile engagiert sich wiederum die junge Generation, aber wir helfen weiter mit, wo wir können.
Auch bei uns am Türnitzer Höger sind die Zeichen des Klimawandels eindrücklich und unübersehbar.
Heute gibt es keine echten Schneewinter mehr. Diese wären aber essenziell für den gesunden Wasserhaushalt des Berges und für das Schmelzwasser, das die Natur entlang der Traisen jeden Frühling zu neuem Leben erweckt.
In den 1970er Jahren gab es in fußläufiger Erreichbarkeit der Berghütte noch eine sprudelnde Trinkwasserquelle, von der wir das Wasser in Kanistern heraufgeschleppt haben. Der flüssige Schatz aus dem Berg verebbte nach und nach zu einem Rinnsal. Mittlerweile ist sie, ebenso wie weitere Quellen der Umgebung, komplett versiegt. Sogar die bekannte Kuhlacke unterhalb der Hütte ist in den letzten Jahren schon zwei Mal vollständig ausgetrocknet.
Heute sind wir zum Betrieb der Berghütte auf das Sammeln von Regenwasser angewiesen, das für den Gebrauch noch gefiltert und entkeimt werden muss. Es kam schon vor, dass der Speicher extern nachgefüllt werden musste, denn auch die Niederschläge kommen heute nicht mehr so verlässlich wie früher. Bei wenigen Starkregenereignissen ist dann das Reservoir wiederum binnen kürzester Zeit randvoll.
Selbst das innerste Innere des Berges ist bei weitem nicht mehr so feucht wie früher, ließen uns Höhlenforscher aufgrund ihrer Erkundungen wissen. Im Goldloch, der riesigen Höhle im Berg, in deren Halle sogar der komplette Stephansdom passen würde, finden die darin lebenden Fledermäuse und weitere Tierarten damit heute gänzlich andere Umgebungsbedingungen vor, als noch zur Jahrtausendwende.
Wenn ganze Berge, die wir in unserer Kindheit noch als Inbegriff von Ewigkeit und unberührter Natur kannten, binnen weniger Jahre und Jahrzehnte ihr Erscheinungsbild, ihre Stabilität und ihre Eigenschaft als lebenswichtiger Wasserspender verlieren, dann muss sich auch die Politik über einen unmittelbaren Handlungbedarf im Klaren sein.
Jedes Jahr und jedes zehntel Grad, jede geschützte Wasserreserve kann darüber entscheiden, ob wir die Folgen der Klimakrise noch effektiv eindämmen können. Bundesminister Hanke ist mit der Androhung von Straßenbauvorhaben vorgeprescht, die dem weiteren Weg in die Katastrophe gleichzusetzen sind.
Wir brauchen jedoch keine S34 und wir wollen sie auch nicht.
Sogar die letzten Tränen vor unseren Augen sterbender Berge sind aufgrund dramatischer Fehlentwicklungen im Umwelt- und Klimaschutz dabei, endgültig austrocknen.
Wir dürfen es daher keinem Politiker mehr erlauben, uns und die Natur mit in Asphalt und Beton gegossenen Wegen in die Katastrophe zu quälen.
Mi. 17.12.2025
Gesundheit: Dr. Martin Feistritzer

Unser heutiger Gastgeber, Dr. Martin Feistritzer, ist Allgemeinmediziner in der Gruppenpraxis St. Veit an der Gölsen.
Als Pendler ist Martin mit der Verkehrssituation entlang der B20 bestens vertraut. Wenn ich von St. Pölten aus in die Arbeit fahre, nutze ich die Mariazeller Straße. Im Stau bin ich dort noch nie gestanden (zugegeben: ich fahre gegen den Strom), auch die Ampeln sind gut geschalten. Damit bin ich mit der B20 fürs Pendeln zufrieden und brauche keine S34!
Bund und Gemeinden haben eines gemeinsam: Leere Kassen. Umso wichtiger ist es, sich die in jeder Hinsicht teure S34 zu sparen. Es gibt so viel dringendere Investitionen, z.B. Öffis, Kindergärten und Schulen.
Im Verein „St. Pölten BürgerInnen-Beteiligung“ haben wir uns im Rahmen des Projekts Smart Pölten dafür eingesetzt, Hitzespots zu entschärfen. Das geschieht durch die Schaffung von Grünräumen und kühlen Bereichen, wie zum Beispiel begrünte Wände, Springbrunnen und schattige Plätze mit Sitzgelegenheiten.
Mit der S34 könnte es sein, dass in St. Pölten neue Hitzeflächen geschaffen werden, die sich negativ auf das Mikroklima St. Pöltens auswirken, und zwar nicht nur im unmittelbaren Straßenbereich. Der Kaiserwald ist eine wichtige Windschneise, gut vergleichbar mit dem Wiental für Wien. Die Erhaltung solcher Frischluftströme könnte durch die in Dammlage geplante Schnellstraße bedroht werden, die entscheidende Frischluftschneise könnte durch den Bau der Straße verloren gehen.
Als Mediziner beschäftigt mich natürlich auch im beruflichen Alltag die Frage, was +3°C beim Klimawandel für die Menschen bedeuten. Vulnerable Gruppen wie Kinder und alte Menschen leiden unter dem Temperaturanstieg am stärksten. Eine weitere betroffene Gruppe sind Menschen, die sich keine kostspieligen Schutzmaßnahmen wie Jalousien, Wärmeschutz und Klimaanlage leisten können.
Inzwischen kommt es auch zu einer drastischen Zunahme von Hitzetagen. Bei hohen Umgebungstemperaturen kann der Körper die Körpertemperatur nicht so einfach regulieren und Arbeit im Freien kann sehr anstrengend werden. Das kann dann auch bei normal gesunden Menschen zu einer lebensbedrohlichen Gefahr werden.
Um die Klimaziele zu erreichen muss der motorisierte Straßenverkehr ja in Wirklichkeit deutlich reduziert werden. St. Pölten ist hier mit 17% weniger Verkehr gegenüber 2018 bereits auf einem sehr guten Pfad. Für eine weitere Reduktion ist es kontraproduktiv, Schnellstraßen wie die S34 zu bauen! Stattdessen bräuchte es eine Verbesserung und Neu-Organisation der Mariazellerstraße zwischen Autobahnauffahrt und den Brücken zum Gewerbegebiet, begleitet von einem ambitionierten Ausbau des schienengebundenen Verkehrs und der Öffis.
Etwa 100 Häuser sind in St. Georgen an der B 20 bewohnt und unmittelbar vom Straßenverkehr betroffen. Hier erscheint es sinnvoll, mit den Menschen zu sprechen und individuelle Lösungen anzubieten. Das ist weit wirtschaftlicher, klüger und sozial verträglicher, als 300 Millionen Euro für eine S34 auszugeben: was könnte mit dem Geld nicht alles sonst Gutes bewirkt werden!
Von unserem Bürgermeister sollte man sich unter den gegebenen Umständen erwarten dürfen, dem Herrn Bundesminister Hanke gegenüber klarzustellen, dass wir die Schnellstraße nicht brauchen, aber Mittel für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Umgestaltung der B20 sehr wohl!
Di. 16.12.2025
Dorfrichter: Nikolaus Zichtl

Seit jeher ist auf Pummersdorfs Höfen viel los. Früher tummelten sich neben den Generationen der Bauernfamilien auch noch Knechte, Mägde und fahrende Handwerker. Der Gemeindewald wurde hofübergreifend bewirtschaftet. Wann immer es etwas zu feiern oder einen Trauerfall gab, kam die ganze Ortschaft zusammen.
Seit Jahrhunderten bringt der Dorfrichter eine klare Struktur, Transparenz und Historiographie in dieses bunte Treiben im Ort.
Vom 18. Jahrhundert bis mitte der 1970er Jahre reichen Aufzeichnungen im vorgelegten Nächtigungsbuch, das genau Auskunft darüber gibt, wer wann und von wo angereist war, um am Hof des Dorfrichters Herberge zu finden und im Ort zu arbeiten.
Mit Stolz gewährt Nikolaus heute Einsicht in die geschichtsträchtigen Bücher des Dorfrichters. In der Dorfchronik wird über Geburten, Hochzeiten und Todesfälle genauso berichtet, wie über einschneidende Ereignisse, Sensationen und Feierlichkeiten. Auch über alle gemeinsamen Ausgaben und Einnahmen wurde und wird genau Buch geführt.
Das Amt des Dorfrichters wandert von Jahr zu Jahr von einem Hof zum nächsten, wobei die festliche Übergabe in Form der feierlichen Richterumsetzung erfolgt. Diese bildet gleichzeitig eine Art Hauptversammlung, bei der wichtige Beschlüsse für das kommende Jahr gefasst und dem neuen Dorfrichter zur Erledigung übergeben werden.
An den Kragen geht es bei Richterumsetzungen all jenen, die im allzufeinen Zwirn antanzen: kaum hat er sich’s versehn – schnipp schnapp – und die Krawatte ist ab.
In früheren Zeiten war hierzulande die dörfliche Gesellschaft allerorts über Dorfrichter organisiert, heute ist diese Kultur in den meisten Ortschaften verlorengegangen. Aber immerhin: In manchen Orten – in der näheren Umgebung etwa in Hafing – wird die Tradition inzwischen wiederbelebt.
In Pummersdorf war sie immer da und hier ist sie bis heute gelebte Praxis. Seit 20 Jahren kommt dem Dorfrichter auch die Rolle des Vorbeters zu, der Maiandachten vorbereitet, die Glocke läutet und auch die Gebete für Verstorbene organisiert.
Unsere Tradition fußt auf unserem Ackerboden. Der Mensch lebt von dem, was wir vom gesunden Boden ernten und weitergeben können. Früher war das allen Menschen noch klar. Zu Arbeiten heißt auch wörtlich, dem Broterwerb nachgehen. Das soll uns auch heute daran erinnern, dass wir bei allem sonstigen Luxus, für den wir Arbeiten gehen, zuallererst darauf achten müssen, genug sauberes Wasser und genug zu Essen haben und zur Verfügung stellen zu können.
Wenn der Boden weg ist, dann gibt es keinen Grund mehr zum Leben.
Mo. 15.12.2025
Gipfel: Martin Rotheneder

Heute verrät uns Martin, was ihn zu seiner Komposition Gipfel inspiriert hat:
Ich hatte gerade vom Earth Overshoot Day gehört, das hat mich schwer schockiert. Und damals war er weltweit noch im August und in Österreich im April, also einen Monat später als heute – unglaublich!
Ich hab mich schon lange vorher darum bemüht, meinen ökologischen Fußabdruck gering zu halten und mache das seither nochmal viel bewusster. Ich bemühe mich noch mehr, regional zu kaufen, so wenig wie möglich online und insgesamt weniger von allem.
Ich versuche so viel wie möglich öffentlich zu fahren und dankbar zu sein für den Luxus, den wir selbst bei stärkerem Verzicht immer noch haben im Kontext der gesamten Menschheitsgeschichte. Und trotz alledem bleibe ich optimistisch, weil ich immer mehr Menschen sehe, die sich bemühen.
wir haum den gipfel gseng
kemma jetzt bitte wieder owegeh
es wird scho richtig eng
es kennan nimmer mehr leid oman steh
owa a stickl weiter unten
is die aussicht a nu sche
hod ma johre, toge, stundenlang
nu ausreichend zum leben
rennt ma nimmer mehr nur runden
sondern glei von A noch B
hod ma irgendwann des gfüh
dass ma wo aukummt in da wöd
wir haum den gipfel gseng
kemma jetzt bitte wieder owegeh
uns wird die luft scho zweng
kennan do nimmer sehr laung oman steh
owa a bissl weiter unten
foit des atmen ned so schwer
es san wertvolle sekunden
waun de um san geht nix mehr
samma afoch so verschwunden
wieder zruck ins gleiche meer
doch des meer von heute gibt
boid nur mehr öl und plastik her
wir haum den gipfel gseng
kemma jetzt bitte wieder owegeh
es wird scho weitergehen
glei waun die sun aufgeht wird’s weidageh

So. 14.12.2025
Freilandschweine: Andreas Hubmann

Andreas Hubmann, Nachhaltigkeits-Pionier und Betriebsführer am Generationenhof mit jahrhundertealter Familientradition, ist unser heutiger Gastgeber am Protest Podest.
Seit 2010 beschäftigt sich der Gerersdorfer Landwirt gemeinsam mit seinem Bruder Thomas intensiv mit dem Thema Bodengesundheit und seit 2016 mit mobiler Tierhaltung.
Das Berkshire-Schwein gilt unter Kennern als eine der besten Schweinerassen der Welt. Es ist die älteste englische Edelschweinrasse, bekannt für ihr dunkles Fell mit charakteristischen weißen Abzeichen. Auf den Feldern der Hubmann-Brüder fristen glückliche und besonders gesunde Exemplare dieser Art ihr Dasein, Seite an Seite mit den hiesigen, ebenfalls exzeptionell gut verfassten rosaroten Hausschweinen.
Mit ihrer Freiland-Schweinehaltung haben es die Hubmann-Brüder inzwischen österreichweit zu einiger Berühmtheit gebracht. Dies vor allem deswegen, weil ihre Herangehensweise, artgerechte Tierhaltung und Bodenaufbereitung auf einen Nenner zu bringen, so fortschrittlich ist, dass Behörden, Standesvertreter und einige Politiker damit bis heute hoffnungslos überfordert oder von Lobbys massiv unter Druck gesetzt scheinen.
Anfangs wurden wir belächelt, dann bekämpft. Glücklicherweise hat sich die Bevölkerung klar auf unsere Seite gestellt, als unsere Probleme mit der Obrigkeit publik wurden.
Inzwischen hat sich unsere Art der Tierhaltung österreichweit etabliert. Ausgerechnet in Niederösterreich wollen aber so manche immer noch nicht einsehen, dass unsere Methode nicht das Problem, sondern vielmehr ein entscheidender Teil der Lösung ist.
Was die Erfindung des Fahrrades bei der nachhaltigen Mobilität ist, könnte im Bereich nachhaltigen Landwirtschaft die neue Art der Freiland-Schweinehaltung werden. Tatsächlich hat es, wie eben auch bei der Erfindung des modernen Fahrrades, mehrerer Innovationsschritte bedurft, um die Lösung herbeizuführen. Es ist gar nicht so einfach, Schweinen die Möglichkeit zu bieten, ein artgerechtes Leben im Freien zu verbringen, und die Ackerflächen mit einem vertetbaren Arbeitsaufwand gleichzeitig in einem gut bewirtschaftbaren Zustand zu halten.
Unsere Schweine haben etwa drei- bis viermal soviel Platz im Vergleich zur konventionellen Schweinehaltung. Gleichzeitig gibt es bei uns am Betrieb null m² an versiegelter Fläche für die Haltung dieser Tiere, denn draußen fühlen sie sich, genauso wie ihre wild lebenden Artgenossen, das ganze Jahr über pudelwohl.
Mit unserer Art der Bewirtschaftung führen wir den Boden ganzjährig und nachhaltig in einen naturnahen Zustand über, im englischen Sprachgebrauch hat sich dafür der Begriff „regenerative agriculture“ eingebürgert.
Mit Direktsaat, Zwischenfrucht und mit den Tieren als fester Bestandteil des Ökosystems wachsen unsere Pflanzen auf einem gesunden, lebendigen Boden. Die seit den Nachkriegsjahren forcierte industrielle Aufteilung der landwirtschaftlichen Produktionsabläufe führen wir damit wieder zu einem ganzheitlichen Kreislauf zusammen.
Mit der konsequenten Weiterentwicklung von altem Wissen, das zum Teil auf Literatur aus der Zeit der Donaumonarchie zurückgeht, fallen synthetische Dünger weg, ebenso Fungizide und Insektizide. Das mag vielleicht nicht allen schmecken. Vor allem jenen nicht, die mit diesen Betriebsmitteln und mit Planung und Bau von Hallen, automatisierten Stallungen etc. bisher ein Milliardengeschäft machen.
Was wir damit wieder auf die Felder zurückbringen, ist das Leben im, auf und über dem Boden, und damit auch ernährungsphysiologisch hochwertigste Lebensmittel.
Bei der menschlichen Gesundheit rückt das Mikrobiom immer mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden unserer Tiere ist das genau dasselbe. Indem die Schweine mit dem Mikrobiom des gesunden Bodens im Kontakt sind, indem sie abwechlungreiches saisonales Futter bekommen, sind sie auch robuster und gesünder als Artgenossen, die im Stall gehalten werden und ausschließlich Schrot gefüttert bekommen.
Durch den freien Auslauf sind auch Körperhaltung, Muskulatur und Kraft unserer Tiere viel besser entwickelt als bei im Stall lebenden Tieren.
In gewisser Weise ist das, was wir praktizieren, ein Wiedereinstieg in eine traditionelle, am Kreislauf der Natur ausgerichtete Art der Landwirtschaft, die viel manuelle Arbeit und eine tägliche persönliche Betreuung der Tiere erfordert. Mit einem Stall mit vollautomatischer Fütterung und Feldarbeit am klimatisierten Traktor hat das wenig zu tun.
Insofern ist der Vergleich mit dem Fahrrad nicht ganz unpassend, denn ich muss auch bei mir am Hof laufend meine eigene Körperkraft einsetzen. Dabei tue ich wirklich Gutes für die Umwelt und auch für meine eigene Gesundheit.
Fruchtbarer Boden ist die entscheidende Grundlage für alles Leben.
Wer unsere Art der Bodenverbesserung bekämpft, hat entweder wirklich keine Ahnung von Ackerbau und Viehzucht, oder verfolgt Interessen, die dem Wohl unserer Gesellschaft schaden.


Sa. 13.12.2025
Schadensmaximierung: Gerhard Rosenberger

Als ich damals die Beantwortung meiner Stellungnahme bekommen habe, wurde mir klar, dass sich die Bauwerber und deren Sachverständige mit den Einwänden, die ich und weitere Betroffene eingebracht hatten, nicht ernsthaft auseinandergesetzt haben. Wenn sie das nämlich getan hätten, dann hätten sie das gesamte verrückte Projekt schon damals einstampfen müssen.
Mit der in den Hinterzimmern der Mächtigen über Nacht beschlossenen, aus mehrerlei Gründen völlig abstrusen Verlegung der Planungen in den westlichen Stadtteil ist ein veritables Straßenmonster entstanden, das man getrost als Schadensmaximierung an St. Pölten und seiner Bevölkerung bezeichnen kann.
An der Relevanz meiner damaligen Einwände hat sich in den Jahren bis heute nichts verändert.
Behörden, Projektwerber, deren Sachverständige und die Gerichte haben einen Pflock nach dem anderen gegen die Bevölkerung, gegen die objektive Wahrheitsfindung und gegen die Vernunft eingeschlagen. Wenn bei diesem Projekt heute jemand Umweltverträglichkeit konstatiert, dann kann ich einfach nur den Kopf schütteln.
Das beginnt damit, dass man den gesamten überregionalen Verkehr nicht, wie ursprünglich geplant, direkt auf die Westautobahn bzw. S33 leitet. Stattdessen werden über die S34 die verschiedenen Relationen de facto über die längstmöglichen Wege von Wilhelmsburg ins und durch das Stadtgebiet St. Pöltens realisiert.
Die zahlreichen Niveauunterschiede über dem nunmehrigen Grundriss der Planung bringen es mit sich, dass die Kraftfahrzeuge auch auf der Straße selbst erhebliche Höhenunterschiede überwinden müssen und dabei unnötig Energie verbrauchen und Abgase produzieren. Und das, obwohl für den Straßenbau der ganze Poppenberg zerschnitten wird und Teile der Trasse sogar unterhalb der Erde verlaufen.
Ausgerechnet am höchsten Punkt der Westautobahn hat man einen riesigen Anschlussknoten geplant. Die Fahrbahn soll deswegen an unserem Wohnort Nadelbach in einer Höhe von bis zu 17 m über dem Gelände geführt werden.
Meine Familie und ich drehen hier unsere Laufrunden, wir gehen spazieren und haben hier auch unsere Walking-Strecken. Die geplante Trasse zerschneidet unser gesamtes Nahereholungsgebiet und schränkt die Freizeitmöglichkeiten massiv ein. Dort wo wir heute frische Luft einatmen, inhalieren wir dann giftigen Ultrafeinstaub und Abgase von der Straße.
Wenn man sich den erheblichen Umweg und die Höhenunterschiede der geplanten Schnellstraße ansieht, dann wird schnell klar, dass niemand, der sich von Lilienfeld nach St. Pölten auf den Weg macht, den riesigen Umweg über die S34 in Kauf nehmen würde. Daher würde auch niemand schneller ankommen. Sogar die versprochene Entlastung für die Bewohner entlang der B20 entpuppt sich daher als vorgeschobenes Argument und als leeres Versprechen.
Wenn man sich die von der Asfinag angesetzten Verkehrzahlen sowohl an der Einmündung in die B20 im Süden als auch im Norden an der B1 Richtung Europaplatz ansieht, dann ist ersichtlich, dass man hier sowohl Wilhelmsburg als auch den Europaplatz mit Verkehr fluten würde.
Und wem soll das alles dienen? Der Stadtbevölkerung jedenfalls nicht.
Egal welches Planungsdetail dieser Streckenführung man sich genauer ansieht, es ist alles über Umwege mit der Kirche ums Kreuz geplant und wenn man dann den Blick auf die Zerschneidungswirkung lenkt, dann ist auch die eine Katastrophe. Der Bevölkerung werden die alltäglichen Wege verbaut und die Zufahrtsmöglichkeiten v.a. für die Bauern werden massiv einschränkt.
Meine Frau ist geborene Nadelbacherin, auch ich lebe seit meinem vierten Lebensjahr hier. Das ist unsere Heimat, die mit diesem Straßenbau zerschnitten und in der gewohnten Form zerstört würde. Mit den Einbußen an Lebensqualität geht auch die Entwertung unseres Hauses einher.
Wir haben hier bis heute keinen Kanal und auch keinen Glasfaseranschluss. Nicht einmal eine öffentliche Verkehrsanbindung hat man uns in Nadelbach gegönnt. Eingedenk, dass wir hier von einem Ortsteil der niederösterreichischen Landeshauptstadt reden, muss auch einmal gesagt werden, dass wir wirklich immer geduldige, nachsichtige und wenig anspruchsvolle Stadtbewohner waren und sind.
Wir verwehren uns aber dagegen, dass man die bisherige Vernachlässigung unseres Stadtteils so weit treibt, uns auch noch unser bescheidenes Leben mit einem vollkommen fehlgeleiteten Straßenbauvorhaben zur Hölle zu machen.
Fr. 12.12.2025
Bewahren statt zerstören: Dr. Erwin Lasslesberger

Als heutiger Gastgeber warnt Erwin Lasslesberger vor radikalen Veränderungen, die eine S34 mit sich bringen würde.
Der promovierte Jurist, Kommunikationsexperte und Großvater aus Spratzern ist St. Pöltner mit Leib und Seele. Die Entwicklung der Stadt hat sein ganzes Leben begleitet.
Erst gestern wieder hatte ich gemeinsam mit der Walking-Gruppe ein wunderbares Erlebnis, als wir einen Eisvogel aus nächster Nähe beobachten konnten. Wenn ich daran denke, dass dieser naturnahe Lebensraum, in dem ich seit den frühesten Tagen meiner Kindheit Inspiration und Kraft schöpfe, durch einen Straßenbau zerstört werden soll, dann blutet mir das Herz.
Wo heute immer noch der Bussard pfeift und Käuzchen in windstillen Nächten rufen, wo farbenprächtige Spechte ihre Schnäbel in Bäume hämmern, dort habe ich meine Kindheit verbracht.
Genau hier, bei der Lehmgrube, war ich als Kind rodeln und hier habe ich mir auch zum allerersten Mal Schi angeschnallt.
Wenn ich von unserem Haus in der Waldsiedlung aus nach Norden, Osten oder Süden gehe, dann stoße ich überall auf Barrieren: die Westautobahn, die Mariazeller Straße und im Süden die Ober-Grafendorfener Straße.
Mit dem Bau der Schnellstraße als vierte Barriere wären wir in allen Richtungen von Naherholungsräumen abgeschnitten. Ebenso abgetrennt wären unzählige wild lebende Tiere, mit denen wir heute unseren Lebensraum teilen.
Gerade unter den Menschen, die vom Bau der Schnellstraße ähnlich stark betroffen wären wie wir, hat sich bereits eine Barriere der ganz anderen Art gebildet. Viele wagen an den ungeheuerlichen Akt der Zerstörung gar nicht mehr zu denken, der sich in unserer Stadt mit einer Errichtung dieses Ungetüms abspielen würde.
Das Protest Podest ist deswegen so wichtig, weil es diese Barrieren im Kopf abbaut, weil es den Menschen wieder Mut macht. Sie bemerken, dass sie in Wahrheit Teil einer überwältigenden zukunftsgewandten Mehrheit sind. Die vielfältigen Lebensrealitäten, die durch die täglich Teilnehmenden hier am Protest Podest abgebildet sind, untermauern einen weit über alle Parteigrenzen hinausgehenden gesellschaftlichen Konsens, diesen wertvollen Lebensraum für unsere Kinder und Kindeskinder zu bewahren.
Viele Menschen in unserer Waldsiedlung konnten sich in den 1960er Jahren ihr erstes Auto leisten. Bis heute nehmen sie das verständlicherweise als emotionalen Höhepunkt und als Beginn ihres hart erarbeiteten Wohlstandes wahr. Man würde es kaum glauben, aber viele von ihnen nutzen heute längst lieber Bus und Bahn. So ist es auch wenig verwunderlich, dass der motorisierte Straßenverkehr in St. Pölten in den vergangenen 10 Jahren deutlich abgenommen hat.
Menschen haben Angst vor großen Veränderungen. Folglich haben auch Politiker, die alle paar Jahre wieder gewählt werden wollen, eine Angst vor großen Veränderungen.
Tatsächlich sind in St. Pölten große Veränderungen gar nicht nötig. In St. Pölten besteht die wesentliche Herausforderung vielmehr darin, die Dinge, die wir haben, zu bewahren und charakteristische Strukturen in unserer Stadt der Dörfer positiv weiterzuentwickeln.
Auch wenn es viele Menschen es immer noch nicht wahrhaben wollen: Die umstrittene Straße wäre eine riesige Veränderung, in St. Pölten wäre künftig nichts mehr, wie es heute ist:
- Lastkraftwagen würden u.a. aufgrund des Rewe-Lagers rund um die Uhr durch St. Pölten donnern, der motorisierte Straßenverkehr würde drastisch zunehmen;
- das Naherholungsgebiet im Westen unserer Stadt wäre unwiederbringlich zerstört;
- St. Pöltens Äcker und Gehöfte würden nach und nach weiteren Betriebsansiedelungen weichen;
- über kurz oder lang würden auch die letzten Bauern zur Aufgabe gezwungen, die Stadt der Dörfer würde es dann nur noch in den Geschichtsbüchern geben.
Weil die Bevölkerung eine solche Zukunft nicht haben möchte, haben mehr als 10.000 Menschen eine Petition gegen den Straßenbau unterschrieben, hingegen keine 300 Menschen dafür.
Mit alledem, was bei diesem denkwürdigen Straßenbau inzwischen alles an negativen Auswirkungen zutage gefördert wurde, erscheint jedes weitere Festhalten an dem Projekt inzwischen als ein politisches Nachtwandeln auf sehr dünnem Eis.
Dennoch halten einige politische Vertreter immer noch vehement fest an diesem radikalen, irreversiblen und von der Bevölkerung völlig zu Recht als bedrohlich wahrgenommenen Straßenbau.
So stellt sich eine entscheidende Frage:
Haben unsere Politiker wirklich weniger Angst vor negativen Auswirkungen auf die Lebensperspektiven der Stadtbevölkerung als vor den mächtigen Interessensgruppen, die gegen jede Vernunft und wider den gesellschaftlichen Konsens den Bau dieser Straße fordern?
Do. 11.12.2025
Was zu sagen ist: Franz-Josef Prochaska
Als Fotograf setzt Franz-Josef Prochaska oft die Erwachsenen am Protest Podest in Szene. Heute ist Franz-Josef (im Bild rechts neben seinem Bruder Leopold) am Wort.

Ich wünsche mir weniger Straßen, mehr Umwelt.
Ich wünsche mir mehr Verständnis für Dinge, die man nur oberflächlich sieht.
Ich wünsche mir, dass die, die sehen, den anderen die Augen öffnen.
Ich wünsche mir, dass Ihr Euch bitte alle daran haltet und Euer Ziel verfolgt und auch die Augen öffnet, um unsere Natur zu retten.
Wenn ich einen Blödsinn mache, muss ich ihn genauso selber ausbaden.
Das erwarte ich mir auch von allen Politikern, wenn es soweit ist und wenn sie alles kaputt gemacht haben.
Ich möchte aber, dass es gar nicht so weit kommt.
Ich denke mir, dass im Speziellen die Erwachsenen, die Leute, die an der Macht sind, das Vorbild sind für alle anderen, denen es nicht so leicht fällt, das zu tun und ein gutes Vorbild zu sein, um unsere Umwelt zu retten.
Und bitte an alle Kinder, die das hier lesen:
Man muss sich nicht immer an den Schlechten orientieren.
Man kann sich auch an den Leuten orientieren, die Gutes tun.
Nicht das unterste Niveau und die unterste Schublade ist das Maß der Dinge, sondern das, was Ihr daraus macht.
Wenn die Erwachsenen nicht dazu fähig sind, die Verantwortung zu übernehmen, müssen wir dann den Schädel hinhalten in fünfzig Jahren.
Ich erwarte mir, dass sich alle dafür einsetzen, dass dies nie passiert.
Ich wünsche mir eine lebenswerte, generationengerechte Zukunft.
Und egal, was passiert: Schützt die Umwelt!

Mi. 10.12.2025
Dok1 mit Martin Thür: Protest am Podest
Ein vermeintliches Für und Wider im Straßenbau, wo es in Wahrheit kein Für mehr geben darf.

Wenn man vor diesem Hintergrund immer noch nicht wissen will, dass wir 2025 endlich mit dem Bau neuer Straßen aufhören müssen, dann haben wir am Ende alle das Bummerl.

Mi. 10.12.2025
Ehrlich regional: David Kaiblinger

2019, als viele von uns noch unbedarft Richtung Globalisierungsfalle unterwegs waren, schmiedete David einen kühnen Plan. Er packte die Niederösterreich-Karte und seinen Zirkel aus und zeichnete einen Kreis mit dem maßstäblichen Radius von 25 km um den Mittelpunkt der Handel-Mazzetti-Straße 65a.
Genau im Zentrum dieses Kreises liegt der Ort, an dem David inzwischen unmöglich erscheinendes möglich gemacht hat. Wer heute Davids Selbstbedienungsladen betritt, der findet alles, was der Gaumen begehrt, und noch viel mehr.
Aufgewachsen am Bauernhof begeisterte ich mich von klein auf für Lebensmittel und deren Zubereitung. In Hollabrunn drückte ich die Schulbank, um als Lebensmitteltechnologe den Feinheiten menschlicher Geschmäcker auf den Grund zu gehen und noch besser zu verstehen, wie man Essen richtig zubereitet. Anderthalb Jahrzehnte lang kochte ich mit einem stetig wachsenden Team im MaZZetti Mittags täglich frisch auf, alles lief wie am Schnürchen.
2019 war dann aber für mich die Zeit zur Veränderung gekommen: Zeit für ein geregeltes Familienleben. Zeit, um das, was ich gelernt hatte und was mir besonders wichtig ist, aufzubrechen und am Ort meiner bisherigen Wirkungsstätte neu zusammenzusetzen.
Anhand der umrissenen Kreisfläche auf der Landkarte zeigte ich meiner Familie den Bereich, auf den ich die Lieferanten eines neuartigen Regionalladens beschränken wollte. Wenn man eine Käseglocke mit 50km Durchmesser vorstellt und über unseren Laden stülpt, dann soll der überragende Teil der gesamten Wertschöpfung innerhalb der Käseglocke stattfinden.
So sollen unsere Kunden erst gar nicht in Verlegenheit kommen, nicht regional einzukaufen oder auf bestimmte Gütesiegel achten zu müssen, um das eigene Gewissen zu beruhigen.
Im neuen Geschäft wollte ich es auch auf die Reihe bringen, unseren bisherigen Gästen weiterhin von mir frisch zubereitete Lebensmittel anzubieten, nur eben für zu Hause. Für alle, die lieber selbst kochen, sollte im neuen Laden alles zu haben sein, was man für eine ausgewogene und gesunde Ernährung braucht. Alles aus der Region, keine Industrieware. Stattdessen alles von Familienbetrieben, die mit viel Herz und hohem handwerklichen Anspruch produzieren.
Als wir im März 2020 eröffneten, hatte ich etwa 30 Lieferanten. Nach und nach erweiterte ich das Sortiment – und zugegebenermaßen auch den Umkreisradius.
Mit inzwischen 130 Lieferanten und sogar Kaffee aus einer regionalen Rösterei bieten wir im Laden heute ein komplettes Sortiment von, wie man so schön sagt, allem, was das Herz begehrt.
Im Grunde genommen ist unser Geschäftsmodell die Antithese zu den internationalen Supermarktketten. Der Laden steht und fällt mit den Menschen, die in der Region produzieren. Die Preisgestaltung im Geschäft orientiert sich bei uns immer an der angemessenen Beteiligung der Produzenten an der Wertschöpfungskette. Bei den internationalen Handelsketten geht es hingegen primär um die Maximierung der innerbetrieblichen Wertschöpfung, eingekauft wird so billig wie möglich, um trotz teils extrem langer Transportwege konkurrenzfähig zu bleiben.
Corona, geopolitische Krisen und das stetige Voranschreiten der Klimaerhitzung verdeutlichen uns, wie wichtig es ist, der Globalisierungsfalle zu entrinnen. Ernährungssouveränität und die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe sind entscheidende Erfolgsfaktoren für die Zukunft. In diesem Sinne müssen wir unsere hiesigen Landwirtschaftsbetriebe schützen und unterstützen. Mit dem Bau von Schnellstraßen und dem Protegieren internationaler Lebensmittelketten bewirkt man jedoch genau das Gegenteil.

Di. 9.12.2025
Spanferkel mit Erdäpfelsalat: Bertl & Harm

Johann erklärt uns, was es bedeutet, von der Schweinehaltung zu leben und warum die schnelle Straße der regionalen Wertschöpfung schadet.
Ende der 1980er Jahre erhielten wir je Mastschwein an die 2.500 bis 3.000 Schilling, nach heutiger Währung also 180 bis 220 €. Die Anzahl der Tiere im Stall konnten wir noch bewusst in einem gut überschaubaren Rahmen halten und wir mussten nicht jeden Schilling dreimal umdrehen, um den Tieren genug Platz und Stroh zu geben und um sie in aller Ruhe ordentlich zu mästen.
Mit dem EU-Beitritt wurde dann für Österreichs Landwirte ein zweifelhafter Deal ausgehandelt, bei dem die Schweinepreise mit einem Mal hinuntergerasselt sind und wir die Einbußen vorübergehend von der Industrie abgegolten bekommen haben. Dass das für uns Bauern und auch für die Haltungsbedingungen der Schweine auf Dauer nicht gut gehen konnte, war uns natürlich von Anfang an klar.
Heute, 35 Jahre später, liegt der erzielbare Erlös für ein Mastschwein bei 170 bis 180 €, also sogar noch unter dem Preis von 1990. So ist es auch kein Wunder, dass unter diesen Bedingungen ein Großteil der alteingesessenen Betriebe die Schweinehaltung inzwischen aufgegeben hat.
In Belgien wurde uns anlässlich Österreichs EU-Beitritt einmal ein Musterbetrieb mit über 1.000 Mastschweinen gezeigt mit dem Hinweis, dass das die Zukunft der Betriebsführung auch im EU-Österreich sei. Für mich wurde da rasch klar, dass ich bei dieser gigantomanischen Entwicklung nicht mitmachen werde und ich so einen Betrieb nicht einmal geschenkt haben möchte.
Das selbe Spiel haben wir dann auch noch einmal mit der Zuckerproduktion erlebt, wo den Bauern jahrelang bei den Zuckerrüben vorgerechnet wurde, dass wir angeblich nicht wettbewerbsfähig seien, und dass für Europas Konsumenten der Bedarf viel kostengünstiger aus der Rohrzuckerproduktion in Indien samt Transport abzudecken sei.
Als ich dann einmal mit einer Abordnung in Indien war, haben uns die dortigen Bauern und Handelsvertreter aber ganz Erstaunliches mitgeteilt: Sie hatten beschlossen, dem absurden Treiben ein Ende zu setzen, indem sie Europa fortan überhaupt nicht mehr beliefern wollten. Auch sie wurden nämlich demselben ruinösen Kostendruck seitens der Einkäufer der marktbestimmenden europäischen Lebensmittelkonzerne ausgesetzt, wie wir in Österreich.
Für mich wurde vor diesem Hintergrund bald klar, dass wir – egal ob in Belgien, Indien, China oder Österreich in den Regionen dieser Welt gut bedient sind, in der Region für die Region zu produzieren, anstatt Lebensmittel tausende Kilometer herumzukarren und zur Finanzierung der Transportwege die Produzenten gegeneinander auszuspielen und auszuhungern.
Heute haben wir auf unserem Hof eine direkte Beziehung zu unseren Kunden. Zu unseren Abnehmern, die ich als Gai-Fahrer betreue, zählen örtliche Lebensmittelgeschäfte z.B. in Lilienfeld, Türnitz oder St. Aegyd, sowie der eine oder andere Gastronomiebetrieb z.B. in Melk oder Loosdorf. Über die Saison beliefern wir u.a. die Vereine der Region, die auf Zeltfesten unser Catering-Service und die fabelhafte Qualität unserer Spanferkel zu schätzen wissen.
Dank Produktveredelung und Direktvermarktung können wir heute auch unter schwierigen Marktbedingungen weiterhin einen gesunden Landwirtschaftsbetrieb überschaubarer Größe führen, der als Zuchtbetrieb mit derzeit 50 Muttertieren und einigen Hektar Acker für die Erdäpfelproduktion Lebensgrundlage bietet für 17 am Hof arbeitende Menschen, darunter 7 Familienmitglieder.
Wo es intakte regionale Wertschöpfungsketten gibt, dort braucht man keine neuen Straßen. Im Gegenteil, neue schnelle Straßen dienen vorwiegend jenen, die Wertschöpfung aus der Region abziehen wollen.
Im Fall der S34 soll der Bogen aber noch viel weiter überspannt werden, denn hier sollen unserer Stadt gleich auch die besten landwirtschaftlichen Produktionsflächen entzogen werden, als Brandbeschleuniger für die Vernichtung bäuerlicher Existenzen.
Mo. 8.12.2025
Eulen für die Politik: Regina Schmid

Mir ist es seit jeher wichtig, bei den Projekten, die ich angehe, nicht beim Blabla zu bleiben, sondern darauf zu achten, dass die Dinge wirklich in Bewegung kommen. Nachdem wir damals von der Notwendigkeit zum Nachweis des Wachtelkönigs erfuhren, um den Straßenbauern einen Riegel vorschieben zu können, gab es für uns kein langes Überlegen: Wir wollten zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um die nötigen Beweise zu sammeln.
Es war damals ein ebenso unheimlicher wie unvergesslicher Moment am vormaligen Garnisationsübungplatz in Völtendorf. Ich hatte mich gemeinsam mit meinem Mann Stephan und den beiden kleinen Kindern nach Einbruch der Dunkelheit auf die Lauer gelegt, um in der lauen Mainacht geduldig auf die Rufe der im hohen Gras der Panzerbrache vermuteten Wachtelkönige zu warten.
Nur wenige Minuten nachdem wir uns ruhig hingesetzt hatten, bemerkten wir von Wald kommend einen völlig lautlos über uns gleitenden riesigen Schatten, der mit Sicherheit zur größten aller Eulen, dem Uhu, gehörte. Er flog nur wenige Meter über unsere Köpfe hinweg.
Wir waren gekommen, um den weithin hörbaren, namensgebenden Crex-Crex-Ruf des vom Aussterben bedrohten Bodenbrüters nachzuweisen, und dann schickt uns der Himmel den vielleicht mächtigsten Botschafter der Stille und der Weisheit.
Ab dem Zeitpunkt konzentrierten wir uns nicht auf die erhofften Rufe, sondern auf die vorhandene Ruhe, die wir an diesem Ort erleben konnten. Den zuvor unbeachteten Myriaden zirpender Grillen, den Atemgeräuschen meiner Kinder und dem fernen Verkehrslärm galt ab dieser schicksalhaften Begegnung meine volle Aufmerksamkeit.
Dass die Wachtelkönige dann tatsächlich nach Mitternacht mit ihren stetig wiederholten, in den Himmel gerichteten Rufen begannen und wir so auch gleich einen Nachweis mit nach Hause bringen konnten, war nur das i-Tüpfelchen, um uns vollends davon zu überzeugen, dass dieser magische Ort nicht durch eine Straße zerstört werden darf.
Ich möchte einmal meinen Enkelkindern erzählen, dass wir darauf geschaut haben, dass die Dinge in einem Kreislauf bleiben. Ich möchte ihnen aufrichtig darüber berichten können, dass wir uns als radikale Verfechterinnen und Verfechter der Hoffnung für eine lebenswerte Veränderung für alle Menschen eingesetzt haben.
Nachdem unsere Aktivitäten gegen die geplante Schnellstraße begannen, erste Früchte zu tragen, hat mich vor einem Lebensmittelgeschäft einmal eine Dame schräg angeredet, als ich gerade dabei war, meine Kinder und den Einkauf im Fahrradanhänger zu verstauen: Sie sind also gegen Straßen? Na dann dürften Sie aber auch keine Bananen kaufen!
Damals war ich so perplex, dass mir nicht einmal einfallen wollte, dass auf Straßen gar keine Bananen wachsen. Im Gegensatz zu mir war die Dame nämlich an Ihrer Wohnadresse wirklich vom Straßenbau betroffen und so war es für mich damals vollkommen unverständlich, ausgerechnet von jemandem kritisiert zu werden, der faktisch sogar mehr von unserem Engagement profitieren würde, als wir selbst.
Heute ist mir bewusst, dass den meisten Menschen die Herausforderung, ein geplantes Großprojekt zu verhindern, so aussichtslos erscheint, dass sie denen, die das vermeintlich Unmögliche probieren, mit Skepsis und Zynismus begegnen.
Ich lebe da mehr nach dem Motto Sei die Veränderung, die Du haben willst.
Und so wie es Unkenrufe auf der einen Seite gibt, haben andere Menschen einen ganz anderen Zugang. Jemand, der es genau wissen muss, hat mir besonderen Mut eingeimpft: Es ist so gut, wofür Du Dich hier engagierst: Meine Eltern hätten heute ein so viel besseres Leben, wenn die Brennerautobahn, die direkt über ihrem Haus vorbeiführt, nie gebaut worden wäre.
Um das Wesen der Dinge richtig fassen zu können, muss man schmecken, riechen und spüren. Wenn wir hier am Acker Stunden und Tage verbringen, wenn wir hier das essen und trinken, was diese Erde hervorbringt, dann sind wir in dem, was wir tun, geerdet. Und das im besten Sinn des Wortes.
Wenn ein Politiker all das, was hier noch im Kreislauf funktioniert, in Frage stellen möchte, dann ist es von entscheidender Bedeutung, aus dem Elfenbeinturm herabzusteigen, um das Wesen der Dinge richtig einordnen zu können:
Möge er sich einmal einen Tag lang direkt neben eine stark befahrene Schnellstraße setzen und meditieren.
Und dann möge er sich einen weiteren Tag lang hier beim Protest Podest hinsetzen und meditieren.
Und dann möge er mit reinem Gewissen sagen:
Das ist das Leben, das ich für die Menschen will.

So. 7.12.2025
Nicht betroffen? Roland Gwiss

Roland Gwiss, unser heutiger Gastgeber, ist Ackerbauer in Hafing. Die geplante Trasse der S34 verläuft nur wenige 100m vor den Fenstern seines Bauernhofes, den er in dritter Generation im Vollerwerb führt. Im Gegensatz zu seinen Nachbarn liegen seine Grundstücke nicht auf der vom Straßenbau in Anspruch genommenen Fläche.
Roland macht uns darauf aufmerksam, dass bei genauerem Durchdenken der Fakten sehr schnell klar wird, dass die S34 uns allen schaden würde.
Wenn in Österreich ein hochrangiger Straßenbau geplant ist, dann gibt es vermeintlich immer nur eine kleine Minderheit, die betroffen ist. Im Fall der S34 war dann immer schnell die Rede von gerade einmal ein paar Bauern. Egal ob Politiker oder Medien von vier oder vierzig Bauern reden, die Botschaft ist irreführend und falsch.
Roland engagiert sich als Freiwilliger bei der Pummersdorfer Feuerwehr und weiß, dass man sich gerade in der größten Not auf die Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander verlassen kann. Egal, ob bei der Eindämmung von Hochwasserschäden, bei der Bewältigung familiärer Tragödien, oder eben wenn es brennt.
Im Fall der Schnellstraße ist es aber ganz wichtig, dass wir als Gesellschaft jetzt schon zusammenzuhalten, wo der Schaden für unsere Stadt noch nicht angerichtet ist. Wir müssen jetzt aufeinander zugehen und einander klar machen, dass wir insgesamt viel zu viel verlieren würden, falls diese Straße kommen sollte.
In Österreich haben die bäuerlichen Betriebe hohe Qualitätsstandards einzuhalten, das ist im Grunde genommen auch gut so. Nur Wenigen ist bewusst, dass etliche landwirtschaftliche Erzeugnisse aktuell in großen Mengen aus dem Nicht-EU-Ausland importiert werden. Dabei handelt es sich vielfach um billig produzierte Lebensmittel, die teils mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden, die in der EU längst verboten sind.
Das wirklich Schlimme daran ist, dass diese Produkte samt langen Transportwegen zu ruinösen Preisen unseren Markt überschwemmen und die Konsumenten spätestens in den verarbeiteten Produkten nicht mehr wissen, was da von wo auf ihren Tellern landet.
Auch wir werden damit extremem Preisdruck ausgesetzt. So können manche von uns die nach hohen nationalen Standards produzierten Lebensmittel teilweise gar nicht mehr oder nicht mehr kostendeckend verkaufen.
Es ist Sünde und Schande, wenn heuer die Arbeit von so manchen Bauern gar nicht mehr belohnt wurde und sie ihre produzierten Lebensmittel gleich wieder einackern oder weit unter den Herstellungskosten zur thermischen Verwertung abgeben mussten. Ich war glücklicherweise davon (noch) nicht betroffen.
Was passiert aber, wenn unter den schwierigen Marktbedingungen und mit der voranschreitenden Inanspruchnahme unserer Böden in St. Pölten und Österreich die landwirtschaftlichen Betriebe weiter wie bisher der Reihe nach wegbrechen und wir die Lebensmittelproduktion nicht mehr in der eigenen Hand haben? Das könnte, wenn das so weitergeht, schon in wenigen Jahren bis Jahrzehnten der Fall sein.
Wenn Österreichs landwirtschaftliche Betriebe sukzessive zur Aufgabe gedrängt werden, dann wird es bald auch mit den Importen zu Dumping-Preisen ein jähes Ende haben.
Dann bestimmen nämlich die internationalen Konzerne, ob und zu welchen Preisen die Menschen künftig zu Lebensmitteln kommen. Ernährungssouveränität, die war dann einmal, und die kommt dann auch nie mehr wieder.
So und jetzt wird es Zeit, eins und eins richtig zusammenzuzählen:
Warum setzt ein deutscher Lebensmittelkonzern gerade mit starkem politischen Rückenwind alles daran, mitten auf St. Pöltens Äckern und ausgewiesenen Retentionsflächen ein riesiges Warenlager zu errichten und über die S34 Waren aus aller Herren Länder herzukarren, die wir hier künftig deswegen nicht mehr regional produzieren können, weil wir die erforderlichen Produktionsflächen eben diesem Straßenbau opfern?
Wollen wir wirklich unsere regionalen Wertschöpfungsketten aufgeben und mit ihnen unsere Ernährungssouveränität?
Wer verliert also, wenn wir den Bauern in St. Pölten, Niederösterreich und Österreich nach und nach ihre Existenzgrundlagen entziehen?
Sa. 6.12.2025
Viel Geld für keine Auskunft – Protest am Podest

Mit einem Auskunftsbegehren nach dem neuen Informationsfreiheitsgesetz wandten wir uns vor einem Monat an die Stadt St. Pölten, um endlich die der Stadt vorliegende Biotopkartierung zu erhalten.
Ebenso begehrten wir Auskunft darüber, wieviel Geld die Stadt inzwischen verpulvert hat, um uns Ehrenamtlichen die Auskunft zu verweigern. Immerhin diesem Teil des Auskunftsbegehrens ist Bürgermeister Stadler nachgekommen.
Rechtskundige Leserinnen und Leser dürfen wir auf diesem Wege herzlich dazu einladen, uns bei der Formulierung der nächsten Beschwerde bzw. allfälliger weiterer Rechtsmittel mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wir bitten in dem Fall um Kontaktaufnahme über info@klimahauptstadt2024.at.
Fr. 5.12.2025
Das Gold der Erde: Elisabeth Prochaska

Heute ist Weltbodentag. Am Protest Podest ist es Zeit, daran zu erinnern, dass unsere Landeshauptstadt sowohl beim pro Kopf Bodenverbrauch als auch bei der pro Kopf Verkehrsfläche unrühmliche Spitzenreiterin ist.
Wer die aktuellen Daten und Fakten von Umweltbundesamt und Landwirtschaftsministerium kennt, der weiß, dass angesichts Bodenverbrauch und Klimaerhitzung inzwischen ein Großteil der Ackerkulturen für eine autarke Produktion zur Ernährungssicherung in Österreich gefährdet ist.
Wenn wir weitermachen wie bisher, können wir in Österreich ab 2065 nur mehr jede zweite Person ernähren.
Wer an dieser Stelle noch einer breiten neue Straße noch den Vorzug geben will gegenüber der Erhaltung unserer Agrarflächen, der hat wahrscheinlich unaufmerksam über den vorigen Absatz drüber gelesen:
Wenn wir weitermachen wie bisher, können wir in Österreich ab 2065 nur mehr jede zweite Person ernähren.
Der Kampf gegen die S34 ist daher in Wahrheit längst ein Kampf für unsere Ernährungsgrundlagen.
Hier rund um die Landeshauptstadt kümmern sich Bäuerinnen und Bauern tagtäglich um ihr wertvollstes Gut – das Gold der Erde.
Do. 4.12.2025
Würde und Ruhe: Christa Zöchling

Egal ob Kaffeekränzchen oder ein netter Aufenthalt im eigenen Garten: Bei Christa Zöchling kann man eine gute Zeit verbringen und sich über Gott und die Welt unterhalten. Nadelbach ist eben ein Ortsteil der Landeshauptstadt, wo es beschaulich zugeht, wo man auch abends sicher eine Runde spazieren kann und dabei die Rehe und andere Tiere in freier Wildbahn beobachtet.
Geht es nach den Plänen der Straßenbauer, so soll sich das mit der Ruhe am Wohnort der bescheidenen Nadelbacherin, ihren erwachsenen Kindern und den beiden Enkelkindern in den kommenden Jahren radikal ändern.
Als uns der Projektleiter, Herr L. von der Asfinag das Projekt bei der Info-Veranstaltung im Gasthaus Rosenberger präsentiert hat, ist mir nur eines über die Lippen gekommen: Ja bist Du narrisch!
750 m westlich von uns, wo heute nichts als gesunde Äcker sind und die Bauern ihre Felder bestellen, schlängelte sich bereits 2013, in den damaligen Plänen der Asfinag, eine gigantische Schnellstraße durch die Landschaft. Uns wurde damals völlig klar, dass mit so einem Projekt das beschauliche Leben für uns und unsere Nachbarn ein jähes Ende nehmen würde.
Zunächst wollte uns Herr L. noch aufs Auge drücken, man würde zwischen unserem Haus und der Straße einfach einen Damm errichten, und dann würden wir von der Straße gar nicht mehr viel mitbekommen.
Als mein Sohn die spannende Frage mit dem Herrn vertiefend besprach, wie er sich das in der Praxis denn vorstellte, wurde die Absurdität dieser Behauptung sehr schnell offenbar: So hoch kann man keinen Wall aufschütten, dass der die geplante Schnellstraße überragt und uns schützt.
So hat der Herr L. im dunklen Anzug die Aufmerksamkeit sehr schnell auf Fördermöglichkeiten für Schallschutzfenster gelenkt.
Ernst jetzt?
Sollen wir tatsächlich in Nadelbach unser restliches Leben hinter geschlossenen Schallschutzfenstern verbringen, weil irgendjemandem einfällt, auf den gesunden Ackerböden unserer Bauern künftig massenweise LKW-Verkehr zu leiten? Was ist mit den gemütlichen Nachmittagen, den wir mit Freunden im Garten verbringen?
Damals glaubten wir schon, dass es schlimmer gar nicht kommen könnte, aber da hatten wir uns leider geirrt.
Anfangs war es in den präsentierten Plänen noch 750m Entfernung zum Haus, in der weiteren Projektierung ist die Asfinag dann sukzessive nähergerückt. Nach den nunmehrigen Projektunterlagen soll die vierspurige Schnellstraße keine 300m an unserem Grundstück vorbeiführen. Und gleichzeitig soll die der Autoverkehr dort auf einem aufgeschütteten Damm in 17m über unseren Köpfen an uns vorbeibrausen.
Die Sonne wird dann eine halbe Stunde früher untergehen, und zwar nie mehr wieder am echten Horizont, sondern in den Lücken hintereinanderfahrender LKWs hoch über der Erde.
Ein Leben lang müht man sich ab, um ein bescheidenes Leben in aller Ruhe führen zu können, und dann soll alles, was wir uns hier aufgebaut haben, komplett verlärmt und entwertet werden.
In der ganzen Nachbarschaft haben wir über Jahre hinweg zusammengelegt, um den Anwalt zu bezahlen, denn das drohende Ungemach soll unbedingt abgewendet werden.
Unzählige schlaflose Nächte hat uns eine Hiobsbotschaft nach der anderen über die geplante Schnellstraße bereitet.
Liebe Politiker, wir wollen keine Schallschutzfenster am Rande der Hauptstadt, wir wollen auch keine Schnellstraße. Wir wollen alle nur in Würde und Ruhe hier leben.
Dieses Projekt ist einfach nur deppert. So etwas Dummes darf einfach nicht kommen.
Mi. 3.12.2025
Der Bund der Bauern: Franz Weiländer

Seit 1990 führt Franz gemeinsam mit seiner Frau Karin den Familienbetrieb in Steinfeld in St. Georgen. Seit Jahrzehnten hängt die geplante Schnellstraße wie ein Damoklesschwert über dem im Vollerwerb geführten Betrieb.
Insgesamt 7 Menschen leben auf unserem Hof. Für übernächstes Jahr ist die Hofübergabe an unseren Sohn Matthias geplant.
Um den Betrieb auch in Zukunft im Vollerwerb führen zu können, brauchen wir jeden Quadratmeter gesunde Ackerfläche, über die wir heute noch verfügen. Als reiner Gemüsebetrieb arbeiten wir mit einer fünfjährigen Fruchtfolge, mit entsprechendem Flächenbedarf.
Bei den flächenmäßigen Einbußen, die die Betriebe in den vergangenen Jahren in St. Georgen bereits hinnehmen mussten, ist es fast schon pervers, den Bauern der Stadt nochmals zig Hektar an Ackerfläche zu entziehen, um inmitten unserer Stadt der Dörfer ausgerechnet einem Frischelager eines ausländischen Lebensmittelkonzerns Platz zu machen.
Mit 20 ha Flächenverbrauch für das Lager und 100-150 ha weiterer Fläche, die der Schnellstraße geopfert werden soll, legt unsere Politik es förmlich darauf an, St. Pöltens regionaler Lebensversorgung und den Bauernfamilien endgültig den Garaus zu machen.
17 Jahre lang hat Franz als Bauernbund-Obmann die Interessen der Landwirtinnen und Landwirte vertreten. Seite an Seite mit seinen politisch engagierten Mitstreitern Anton Hieger und Gottfried Kern hat er von Beginn an alles daran gesetzt, dieses unsägliche Straßenbauprojekt nicht wahr werden zu lassen.
Und siehe da: Bis heute gibt es diese Straße nicht.
Nach vielen Jahren intensiver Auseinandersetzungen quer durch alle Parteien und über alle Entscheidungsebenen hinweg gab es auch für mich immer wieder frustrierende Momente.
Man mag sich ja gar nicht vorstellen, was es für einen bedeutet, vor Ort vom fein gekleideten Spitzenolitiker in seinen halb im Lehmacker versunkenen Lackschuhen ermutigende Willensbekundungen zu bekommen, um von ihm nach der Wahl via Zeitung oder Fernsehen zu erfahren, dass er in Wahrheit alles daran setzen möchte, die Straße zu bauen.
Als Interessensvertreter und auch als Betroffener war es immer wieder zermürbend, festzustellen, dass die regionale Stimme der Vernunft scheinbar kraftlos ist gegen größere Mächte, die aus dem Verborgenen heraus immer wieder erfolgreich ihre gemeinwohlschädlichen Eigeninteressen bei der Politik durchsetzen.
Heute allerdings schöpfe ich wieder Mut, denn unsere Nachfolgerinnen und Nachfolger in der politischen Standesvertretung sind mit ganzem Herzen und vollem Elan bei der Sache. Mit den stichhaltigen Argumenten unserer Zeit setzen sie sowohl in Hintergrundgesprächen als auch auf offener Bühne alles daran, unsere Entscheidungsträger endlich zur Vernunft zu bringen.
Dank der noch nie dagewesenen Breite der Bewegung, die hier am Protest Podest Tag für Tag zur öffentlichen Bewusstseinsbildung beiträgt, bin ich mehr denn je zuversichtlich, dass dieser Straßenbau schon bald endgültig vom Tisch sein wird.
Es ist schön, Teil dieser Gemeinschaft zu sein und als heutiger Gastgeber am Protest Podest meine Zuversicht mit Euch teilen zu dürfen.
Di. 2.12.2025
Wer uns das Wasser abgräbt: Familie Afflenzer

Traisentaler Trinkwasser: Originalabfüllung vom Hausbrunnen am Poppenberg. Unbehandeltes, lebendiges Wasser. Unverkäuflich, unbezahlbar, unersetzlich. Für ein denkwürdiges Straßenbauprojekt soll dieses Wasser für immer geopfert werden.
Brigitte und Johann Afflenzer, unsere heutigen Gastgeber, erinnern mit einer Originalabfüllung vom jahrhundertealten Hausbrunnen am Poppenberg an die Dreistigkeit, mit der die Projektwerber im UVP-Verfahren von Beginn an über die betroffene Bevölkerung drübergefahren sind. Alleine von der Familie Afflenzer wären 9 Personen und am Nachbarhof 5 Menschen von den Folgen des Straßenbaus betroffen.
Mit dem frisch abgefüllten Traisentaler Trinkwasser sorgten die St. Pöltner Initiativen im Februar 2019 im Rahmen der erstintanzlichen S34-UVP-Verhandlung für betretene Gesichter bei den Betonierern – und für Schlagzeilen auf der Titelseite der St. Pöltner NÖN.
Die Straßenbauer planen im wahrsten Sinne des Wortes, uns am Poppenberg das Wasser abzugraben. Bereits in den UVP-Einreichunterlagen hatten die Planer diese vorsätzliche Zerstörung des natürlichen Wasserhaushalts fix einkalkuliert.
Der ganze Berg soll nämlich in zwei Teile zerschnitten werden, um quer durch unsere Anhöhe eine Schneise für die Autokolonnen zu schaffen. Und ebenso durch unseren Wald.
Uns und die Tiere trennt man damit von der Umwelt ab. Diese Inselbildung zwischen B20 und S34 wäre für die Wildtiere eine Katastrophe, da der genetische Austausch nicht mehr stattfinden kann. Zudem würde es zu einer deutlichen Zunahme von Verkehrsunfällen mit Wildtieren kommen.
Die betretenen Gesichter auf Projektwerberseite verständigten sich angesichts der negativen öffentlichen Meinung aufgrund unserer Aktion mit der Wasserflasche immerhin darauf, die Wiederherstellung einer Wasserversorgung für unseren Hof zuzusagen.
Wenn aufgrund der plakativen Darstellung der sorglosen Wasservergeudung für unseren Betrieb am Berg die Wasserversorgung gewährleistet werden soll, dann ist das bei diesem denkwürdigen Straßenbauvorhaben ein Tropfen auf den heißen Stein, mehr aber schon nicht.
Der ganze Eingriff bedeutet nämlich keineswegs nur, dass unser jahrhundertealter Brunnen trockenfällt, sondern mit ihm auch gleich der ganze Berg. Uns und unseren Nachbarn wird damit fix die Lebensgrundlage abgegraben.
Soweit uns die Grundwasserströmungen heute bekannt sind, wird auch das weitere Umfeld trockenfallen: So wird auch dem Dorf und dem Wald am Fuße des Poppenbergs der Wasserstrom abgeschnitten.
Seit 27 Jahren arbeite ich jetzt in unserem Wald mit den St. Georgener Schulkindern, um ihnen das Leben der Wildtiere und die ökologische Bedeutung des Waldes näherzubringen. Wenn dort, wo ich den Kindern über Jahrzehnte hinweg Wissen über die Natur vor ihrer Haustüre vermitteln konnte, eine Schneise für den Autoverkehr geschlagen wird, dann war es das mit der Waldpädagogik.
Dann war es das aber auch mit dem Wald und mit dem Naherholungsgebiet für die Bevölkerung, und dann war es das auch mit dem natürlichen Wasserhaushalt in St. Pölten – Für immer!
Johann Afflenzer

Mo. 1.12.2025
Streuobstwiese: Familie Schaup aus Steinfeld

Allerlei Spezialitäten haben sie mitgebracht, von frischem Obst bis zu veredelten Produkten, darunter Dörrobst, Säfte, Edelbrand und Glühmost.
All das gibt es Ab Hof, und auch in einigen Gastwirtschaften der Region werden die Köstlichkeiten kredenzt. Selbst Steierobst wird beliefert mit Bio-Birnen der Familie Schaup.
Das Geheimnis des Besonderen an den Erzeugnissen vom Biohof der Familie Schaup ist eine Kulturform, die seit Jahrhunderten prägend für das Mostviertel ist: Die heute rar gewordene Streuobstwiese.
Hannes gehört zu den wenigen Menschen, die sich mit Streuobstwiesen und mit der Veredelung von Obstbäumen noch richtig gut auskennen. Mit Kernobst, schränkt Hannes bescheiden ein, denn die Veredelung etwa von Steinobst- und Nussbäumen ist wieder eine ganz eigene Wissenschaft.
Unsere insgesamt etwa 120 Streuobstbäume fügen sich perfekt in das Landschaftsbild ein.
Wir führen unseren Betrieb jetzt in fünfter Generation, seit den 1990er Jahren sind wir Bio-zertifiziert. Jede Generation hat immer wieder dazugelernt und den Baumbestand für die nachfolgenden Generationen gepflegt und vervollständigt.
Man muss dazu wissen, dass Streuobstbäume ihre Energie in den ersten Jahrzehnten ihres Lebens in ihr Wachstum und in die Ausbildung ihrer Krone stecken, erst dann beginnen sie, in vollem Umfang Früchte zu tragen.
Von den Bäumen, die wir heute pflanzen, werden also vornehmlich unsere Kinder profitieren.
Während Kulturobstbäume bereits nach 20 Jahren am Ende ihres Lebens angelangt sind und aufgrund ihrer geringen Größe jährlich nur etwa 10-30 kg Ertrag abwerfen, erreichen Streuobstbäume je nach Obstsorte oft ein Alter von 150 Jahren und in guten Jahren einen Ertrag von 500 bis 1.000kg.
Unsere Bäume bilden zusammen mit der Streuobstwiese eine über Jahrhunderte ausgebildete Symbiose unzähliger Tier- und Pflanzenarten. Viele von ihnen finden anderswo kaum noch einen geeigneten Lebensraum vor. Niederwild findet hier besonderen Schutz vor natürlichen Feinden und auch unsere Bäume sind das ganze Jahr über voller Leben.
Ein entscheidender Grund für das vielfältige Leben auf Streuobstwiesen: Hier gibt es und braucht es keinerlei Pflanzenschutzmittel. Das komplexe und doch so verlässliche Zusammenspiel des Lebens – einschließlich der Kultivierung durch den Menschen – ist ein großes Wunder. Und dieses Wunder endet nicht an unserem Hof.
So kommt es auch nicht von ungefähr, dass es bei uns im Steinfeldbach den vom Aussterben bedrohten Steinkrebs noch gibt, und dass weite Teile St. Pöltens mit dem sauberen Wasser aus den Quellen unserer Gegend versorgt werden.
Nimmt man auch nur einen einzigen essenziellen Baustein weg, stirbt auch die lebendige Vielfalt unseres Bio-Gartens. Genau das würde mit dem Bau einer Schnellstraße mitten durch unsere Kulturlandschaft, mitten durch unseren Betrieb passieren.
Wir setzen hier das fort, was unsere Vorfahren über Jahrhunderte an Wissen erarbeitet und weitergegeben haben. Man muss sich vorstellen, dass sich die Zeitdimensionen von Versuch und Irrtum bei Auslese und Kreuzung von Obstsorten, Baumveredelung, und bei der Kultivierung von Streuobstwiesen über unzählige Menschengenerationen erstrecken.
Mit einem einzigen Kahlschlag, mit einer einzigen gravierenden politischen Fehlentscheidung würde all das zerstört werden, was zig Menschengenerationen hier über Jahrhunderte aufgebaut haben und was durch Weitergabe des tradierten Wissens auch kommenden Generationen als Lebensgrundlage dienen kann.
Da meine ich nicht nur unseren Betrieb. Es geht hier und heute jedenfalls um hunderte Schicksale auf den Höfen, und wenn man in Generationen und über unseren Berufsstand hinaus denkt, geht es letztlich um die ganze Zukunft unserer Stadt.
Wachsen und Wachstum ist eine gute Sache, wenn es um Erfahrung und Wissen geht, und um gesunde, langlebige Bäume. Aber mit dem Autobahnbau in Österreich muss jetzt endlich einmal Schluss sein.
Falls die Unterstützung dabei gefragt ist, den in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangenen Streuobstbaumbestand in St. Pölten wieder zu verbessern und Streuobstwiesen auch im Sinne der Klimawandelanpassung zukunftsfit zu machen, dann stehe ich mit Rat und Tat sehr gerne zur Verfügung.
