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Giovanni Galilei wendet sich ein weiteres Mal per Offenem Brief an St. Pöltens Bürgermeister
Matthias Stadler

Sehr geehrter Herr Stadler, Bürgermeister von Sankt Pölten!

Die objektiven Entscheidungsgrundlagen zum weiteren Ausbau des Straßenverkehrs haben sich aufgrund der neuesten Faktenlage in sehr grundlegender Weise geändert.

Ich erlaube mir daher, mich noch einmal mit der dringenden Bitte an Sie zu wenden, das Projekt S 34 in entschiedener und möglichst parteiübergreifender Solidarität zu stoppen.

Im bisherigen Verfahrensverlauf wäre es wohl an den Institutionen gelegen, eine sorgfältige und weise Entscheidung im Interesse des Gemeinwohles herbeizuführen.

Nach Durchsicht der mir inzwischen vorliegenden Fakten bin ich erschüttert, mit welchen schäbigen Tricks Asfinag und die Behörden bis heute gearbeitet haben, um unserer Stadt, den hier lebenden Menschen und einigen akut vom Aussterben bedrohten Tierarten ihre wichtigsten Lebensgrundlagen zu rauben.

Glücklicherweise gibt es auch jetzt noch Menschen, die sich davon unbeeindruckt im Interesse der Gemeinschaft auf verschiedensten Ebenen und mit allen rechtschaffenen Mitteln gegen die Realisierung dieser alles zerstörenden Straße stemmen, obwohl die Asfinag bereits mit Billigung der Behörden mit vorbereitenden Arbeiten beginnen möchte.

Ich bitte Sie, sich eingehend mit den unredlichen Machenschaften auseinanderzusetzen, die dazu geführt haben, dass

  • man in nur 300m Entfernung von der S34 am GÜPL eine Habitatseignung der Wachtelkönige vorgaukelt, obwohl bekannt ist, dass diese akut vom Aussterben bedrohten Tiere auf einen Abstand von mehr als 1km zu stark befahrenen Hauptstraßen angewiesen sind;
  • Behörde, Asfinag und Sachverständige die Anwesenheit des nachweislich entlang der S34-Trasse noch verbreiteten, streng geschützten Feldhamsters über die letzten fünf Jahre hinweg im gesamten Projektgebiet ignoriert, geleugnet und unter den Teppich gekehrt haben;
  • der Huchen in Traisen und Pielach vor der Ausrottung steht, weil aufgrund massiv falscher und irreführender Beurteilungen von Asfinag, Sachverständigen und Behörden betreffend der eingesetzten Rückhaltesyteme die Einleitung von vergiftetem Wasser in die Flüsse bevorsteht, das ein selbst in geringster Dosis tödliches Gift aus Reifenabrieb enthält;
  • verschwiegen wird, dass Niederösterreichs Böden inzwischen so sehr mit Mikroplastik und sonstigen Giften vom Straßenverkehr belastet sind, dass laut Umweltbundesamt unsere Feldhasen so schwer erkranken, dass sie massenhaft an diesen Umweltgiften sterben;
  • mit der S 34 und seiner Anschlussprojekte künftig eine Straße mitten über unsere Äcker, Wiesen und Wasserschongebiete verlaufen soll, deren Schadstoffe über das Trinkwasser und den Nahrungsmittelkreislauf die Bewohnerinnen und Bewohner Ihrer Stadt von Jahr zu Jahr mehr vergiften werden.

Verzweifelt aufgrund der vorgefundenen Fakten finde ich mich wieder hier und bitte Sie, sich mit ihrem Team mit allen gebotenen Mitteln schützend vor die Menschen und das Lebendige in der Ihnen anvertrauten Region zu stellen, denn nur wenn Sie sich heute an die Seite derer stellen, die für den Schutz der Lebensgrundlagen kommender Generationen kämpfen, können wir Fehler vermeiden, die mit Sicherheit nie wieder gut gemacht werden können.

Wenn wir nicht sofort, heute, zeigen, auf welcher Seite wir St. Pöltnerinnen und St. Pöltner stehen, werden wir es in kürzester Zeit bereuen, diese Bäume, diese Felder, diese Tiere und dieses Wasser, diese Natur, die uns ein gutes Gefühl gibt und von der wir alle unterschiedslos profitieren, für immer verloren zu haben.

Bitte beziehen Sie und Ihre Verwaltung gegenüber dem Land und der Bundesregierung Stellung, bitte probieren Sie einen parteiübergreifenden Schulterschluss, um schlimme Entwicklungen von dieser wunderbaren Stadt und Region abzuwenden.

Politische Trägheit kann nicht durch das Fehlen zur Bereitschaft, zukunftsweisende ökologische Projekte anzugehen erklärt werden, denn wenn es so wäre, hätten Sie in den letzten Jahren nicht zur Etablierung des Sonnenparks, zur langfristigen Sicherstellung des GÜPL als Naturraum und Naherholungsgebiet für die Bevölkerung gesorgt und Resolutionen zur Verkehrsberuhigung und zum entschiedenen Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes in St. Pölten auf den Weg gebracht.

Welche Logik steckt hinter dieser Kurzsichtigkeit, die nicht erkennt, welche Folgen der Bau von S-34 in der Zukunft haben wird? Vielleicht sind die Zunahme der Luft- und Lärmbelastung, die irreversible Verschmutzung des Grundwassers, die eine echte Bedrohung für die Gesundheit der Menschen darstellt, der endgültige Verlust von land- und forstwirtschaftlichen Flächen, von natürlichen Lebensräumen heimischer Tierarten nicht wichtig genug?

Sich jetzt gegen das Projekt S-34 auszusprechen, mit dem Wissen, dass der Straßenverkehr toxische Folgen für die menschliche Gesundheit und die Natur hat, stünde im Einklang mit Ihrem bisherigen Handeln im Interesse des Schutzes der natürlichen Ressourcen und der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger von Sankt Pölten.

Ich will nicht glauben, dass dies die gleiche alte Geschichte ist, bei der die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Menschen zugunsten der Profite einiger weniger beiseite geschoben wird.

Wir haben keine überschüssigen natürlichen Ressourcen. Jene, die wir jeden Tag um uns herum sehen, müssen bestmöglich geschützt und dürfen sicherlich nicht im Namen des Profits, der sich als Modernisierung tarnt, zerstört werden.

Heute, nicht morgen, ist der richtige Zeitpunkt, die Spiele der Politik, die an der Seite von Spekulanten sitzt, beiseite zu legen und stattdessen an diejenigen zu denken, die sich einsetzen für eine lebenswerte prosperierende Stadt, für regionale Kreisläufe, für Ernährungssicherheit, für biologische Vielfalt auf der Erde, auf der sie arbeiten, weil dort ihre Wurzeln sind. Sie alle – wir alle gemeinsam!

Ich hoffe, dass Sie sich wie viele andere Menschen auch, privat und in Ihrer Rolle als angesehener Politiker mit größter Begeisterung dafür einsetzen, in St. Pölten einen echten Wendepunkt der Umwelt- und Klimapolitik für Österreich, für Europa, vor allem aber für alle hier lebenden Menschen zu schaffen.

Nochmals vielen Dank für Ihre Bereitschaft zuzuhören.

Mit freundlichen Grüßen

Giovanni Galilei